Fußball – Nachspiel Köngen und Deizisau steigen auf, oder?

TSV Köngen und Emilio Intemperante sind obenauf – nicht nur im Spiel gegen den SC Geislingen. Foto: Nico Bauhof

Was wäre, wenn am Ende der Amateurfußball-Saison alles so ist wie jetzt? Ein Gedankenspiel – aber genau so kommen wird es wohl nicht.

Reporter: Sigor Paesler

Noch sind einige Spiele zu spielen, aber die Fußballsaison befindet sich in der entscheidenden Phase. Es ist viel in Bewegung, aber es lohnt ein Blick, was wäre, wenn die Runde jetzt schon beendet wäre. Kaum zu glauben: Das neue Aushängeschild der Region wäre der TSV Köngen.

 

Verbandsliga

Fünf Niederlagen in Folge, der drittletzte Platz – für den FC Esslingen sieht es in Sachen Klassenverbleib nicht gut aus. Stand jetzt geht es nach zwei Jahren zurück in die Landesliga. Der Auftritt beim 1:2 gegen den SV Fellbach macht nur mäßig Hoffnung auf die Rettung – schon mehr, dass Trainer Dominik Eitel das Kunststück in einer ähnlichen Situation in der vergangenen Saison schon einmal geschafft hat.

Landesliga

FCE runter, TSV Köngen rauf? So langsam müssen sie sich an der Fuchsgrube mit dem Thema Verbandsliga auseinandersetzen. Trainer Domenic Brück deutete nach dem 2:0-Zurück-in-die-Spur-Sieg gegen den SC Geislingen schon mal an, dass er und die Mannschaft auch dort ihrer Philosophie treu bleiben würden. Köngen ist als Aufsteiger Tabellenführer – die Esslinger sind vor zwei Jahren auch durchmarschiert.

Beim FV Neuhausen müssen sie nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel des Jahres – 0:1 beim TSGV Waldstetten – dagegen aufpassen, dass die zweite Saison in der Landesliga keine verflixte wird. Aber Coach Ugur Yilmaz erkannte einen Aufwärtstrend und will nun am Donnerstag (19 Uhr) im Nachholspiel gegen den TSV Bernhausen ein Erfolgserlebnis feiern. Dass die Bernhausener gerade einen Rückschlag im Rennen um den Aufstieg erlitten haben (0:2 beim Kellerteam MTV Stuttgart) steht dabei ebenso wenig in Yilmaz’ Fokus wie die Tatsache, dass der TSV sein künftiger Club ist. „Ein besonderes Spiel ist es durch diese Konstellation zwar schon, aber ich bin bis zum 30. Juni Trainer in Neuhausen und gebe alles dafür, möglichst viele Punkte zu holen“, sagt er.

Bezirksliga

Stand der Dinge aus hiesiger Fußballersicht ist auch, dass der TSV Berkheim direkt absteigt und der punktgleiche FV Plochingen (jeweils 17) in die Relegation geht. Jetzt das Aber: Die Berkheimer scheinen wieder ihr Aufhol-Gen aktiviert zu haben. Das satte 6:4 gegen den FV Vorwärts Faurndau war der zweite Sieg in Folge nach dem 0:3-Nachholspiel-Jahresfehlstart beim VfL Kirchheim. Abteilungsleiter Uwe Willinger denkt aber weiter zurück: „Wichtig waren auch die zwei Erfolge vor der Winterpause, wir haben jetzt vier der vergangenen fünf Spiele gewonnen.“ Das war auch nötig, denn die Konkurrenten haben ebenfalls gepunktet: „Dadurch sind wir nicht vorbeigezogen, sondern dabei geblieben.“ Mut macht Willinger aber der Auftritt der Mannschaft an sich: „Sie hat sich für die harte Vorbereitung belohnt.“

Und der FVP? Ein krasses 0:8 beim Tabellenführer 1. FC Heiningen, dritte Niederlage im dritten Spiel 2026, dabei jeweils kein eigener Torerfolg, Platz 13. Noch stehen die Plochinger einen Rang vor den Berkheimern, die Tendenz ist aber eine andere.

Solche Sorgen haben sie bei den starken Aufsteigern TSV RSK Esslingen und TSV Denkendorf nicht. Sie brauchen zwar auch noch Punkte, aber stehen auf den Rängen sechs und sieben gut da. Deshalb schmerzt die RSK’ler das 1:5 in Denkendorf auch vor allem, weil es ein Derby war. Danach saßen alle noch bei einem Kaltgetränk zusammen, auch die Ex-FCE-Kicker auf beiden Seiten. „Der Sieg der Denkendorfer war verdient. Sie waren in Sachen Chancenverwertung besser als wir“, erkennt Esslingens Spielleiter Thomas Schuler an, hätte sich aber gewünscht, dass zumindest eines der beiden wegen Abseits aberkannten Tore gegolten hätte. Auch die lange Liste der Ausfälle („daraus hätte man eine Mannschaft bilden können“) will Schuler nicht gelten lassen, sondern erkennt einfach die Leistung des Gegners an. Denkendorfs spielenden Co-Trainer Georgios Natsis freut das natürlich. Er hatte Schulers Glückwünsche schon direkt nach dem Spielende entgegengenommen. „Ich bin sehr glücklich. Es war ein super Auftritt, wir waren präsenter und hellwach“, schwärmt er – hebt aber mit dem Blick nach unten den Zeigefinger: „Wenn man die Ergebnisse anschaut, waren das Big Points. Es rückt alles eng zusammen.“ Und dann sagt Natsis noch: „Ich wünsche mir für die Region, dass die Berkheimer und Plochinger drin bleiben.“

Kreisliga A

Der TSV Deizisau steigt direkt auf, der ASV Aichwald geht oben in die Relegation, der FV Neuhausen II unten und die SG Eintracht Sirnau sowie der FV Plochingen II steigen ab. Aber halt – so wäre es nur, wenn der letzte Spieltag schon gespielt wäre. Ist er aber nicht. Und dass in dieser KLA-Saison nichts von Dauer ist, ist die einzige Konstante. Deizisaus Spielleiter Thomas Stiehl freut sich deshalb zwar, dass die Mannschaft nach dem „hoch verdienten“ 4:1-Sieg bei der TSG Esslingen dort angekommen ist, wo sie hinwollte. „Das sollten wir bloß jetzt verteidigen. Die vergangenen beiden Tabellenführer haben gleich wieder verloren“, erklärt er. Aber immerhin haben die Deizisauer noch ein Spiel weniger als die Konkurrenz – mit Ausnahme von Nachholspielgegner und Ex-Spitzenreiter TSV Wernau – und die Leistung stimmt den Funktionär ebenfalls zuversichtlich. Die Handschrift des neuen Trainers Fabio Morisco sei erkennbar: „Wir haben schon gut gespielt.“ Das erkennt auch TSG-Pressewart Dominic Hornisch an, sah bei seiner Mannschaft aber „trotz der Niederlage ein Schritt in die richtige Richtung“. Und er ist froh, dass der Flug von Stürmer Enes Coskuns pünktlich war: Landung 15.30 Uhr, Ankunft auf dem Zollberg 16 Uhr, Einwechslung in der 55. Minute, Tor in der 81, es war der Treffer zum 1:3. „Deizisau wankte nochmals, fiel aber nicht“, sagt Hornisch und diese Analyse deckt sich mit der Stiehls.

Die Aichwalder kletterten durch das 2:0 beim TV Hochdorf auf Platz zwei. Und beim TV Nellingen haben sie, wie Spieler und Trainersohn Felix Gentner erklärt, nach dem 1:1 in Wernau die Erkenntnis, „dass wir seit fünf Spielen nicht verloren, aber auch drei mal in Folge nur unentschieden gespielt haben“. Das jüngste Remis sei aber okay gewesen, da die Wernauer bärenstark begonnen hatten.

Der TB Ruit kam beim TSV Notzingen mit 1:7 unter die Räder. Dabei ging das eine oder andere schief. Der TBR führte, ging mit einem 1:1 in die Pause und wollte danach laut Trainer Pascal Rückle „ein paar Dinge anders machen“. Naja, das taten die Ruiter, aber nicht so, wie der Coach sich das vorgestellt hatte: „Es ging gar nichts mehr und Notzingen hat aus acht Schüssen sechs Tore gemacht.“ Dennoch findet Rückle die Leistung des auf Platz elf abgerutschten Teams in den vergangenen Wochen „ordentlich – aber in der Liga bringt ordentlich gar nichts“.

In den Tabellenkeller: Der SC Altbach – jetzt Zwölfter – nähert sich diesem durch die 0:1-Schlappe gegen Neuhausen II. „Natürlich ist das eine schmerzliche Niederlage. Noch stehen wir über dem Strich, aber das Polster aus der Hinrunde wird immer kleiner. Daher müssen wir den Kampf annehmen, um wieder erfolgreich zu sein. Dafür haben wir am Donnerstag bereits die nächste Chance“, sagt Abteilungsleiter Robin Prokein. Da geht es im Nachholspiel gegen den TV Unterboihingen.

Die Sirnauer gewannen mit 2:1 gegen den TSV Wendlingen und damit ebenfalls gegen einen ehemaligen Tabellenführer. Noch stehen sie auf dem vorletzten Platz. „Auch wenn sich die Tabellensituation nicht verbesserte, waren die Punkte eminent wichtig, um dranzubleiben“, erklärt SGE-Pressewart Martin Schmid und lobt die „starke kämpferische Leistung. Mit Glück und Geschick und dem starken Torwart Daniel Hauck konnte bis zur letzten Minute der Nachspielzeit ein Gegentreffer verhindert werden“. Dann wurde gejubelt. Und ab dem Dienstagstraining wird weiter am Projekt Klassenverbleib gearbeitet – damit der tabellarische Stand der Dinge nicht der Stand der Dinge bleibt.

Kreisliga B

Hier ist der Blick aufgrund der bevorstehenden Einführung der Kreisliga C ein anderer. „Mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun bekommen, aber wir sind hinter dem punktgleichen Führungstrio auf Tuchfühlung“, sagt Spielleiter Thomas Stiehl nach dem 3:0 des TSV Deizisau II in der B1 bei der TSG Esslingen II. Der SC Altbach II hat dort 2:2 gegen den TSV RSK Esslingen II gespielt und Funktionär Prokein vom Tabellenelften SCA meint: „Die Mannschaft ist gerade in einer guten Form und das spiegeln auch die Ergebnisse wider. Trotzdem ist es noch ein langer Weg, um aus dem Tabellenkeller zu kommen.“ Die SG Eintracht Sirnau II hat derweil „dank der drei Tore von Matchwinner Franjo Bubanj gegen seinen Ex-Club“ gewonnen, wie Trainer Patrick Funk erklärt. Das 3:1 gegen die SGM Mettingen/Westcity war der zweite Sieg in Folge und macht beim Zehnten Mut in Sachen Verbleib in der KLB.

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