Fußball – Nachspiel Riesenkaräter und ein Lucky-Puncher

Ein Schuss ins Esslinger Glück: Dorde Smiljic dreht ab, die Calcio-Kicker gucken bedröppelt. Foto: Michael Treutner

Die Funktionäre und und Trainer finden nach dem spannenden Fußball-Wochenende wieder mal die richtigen Worte.

So weit wie am vergangenen Fußball-Wochenende lagen die Gefühlslagen bei den Protagonisten selten auseinander. Auf der einen Seite die superglücklichen und stolzen Kicker des FC Esslingen nach dem 4:0-Befreiungskracher gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen, am anderen Ende der Skala alle beim TSV Berkheim nach der bitteren 0:11-Klatsche beim 1. FC Heiningen. Dazwischen die erleichterten Denkendorfer, Reichenbacher, Ruiter und Esslinger TSGler sowie die Köngener und Neuhausener, die mit einem Teilerfolg leben konnten. Und dann war da ja noch das spektakuläre Kurzcomeback von Ugur Yilmaz.

 

Verbandsliga

Wie gut eine Mannschaft ist, erkennt man manchmal auch an den Aussagen des Gegners. „Ihnen ist wirklich alles gelungen. Hätten sie Eurojackpot gespielt, hätten sie den auch gewonnen“, sagte Trainer Francesco di Frisco nach der 0:4-Niederlage von Calcio Leinfelden-Echterdingen beim FC Esslingen . Schon während der Begegnung gab es ungläubiges Kopfschütteln auf der Calcio-Bank angesichts der Stärke und Überlegenheit des – wohlgemerkt – Tabellenvorletzten. Beim FCE können sie aber froh darüber sein, dass sie eben nicht nach dem Motto „jeder Schuss ein Treffer“ gewonnen haben. Sie hatten noch mehr Chancen, inklusive eines Lattenknallers. Und vor allem: Sie haben sich den Sieg verdient. Es war das beste Spiel in der laufenden Saison. Und es war das fünfte unter Trainer-Einspringer Dominik Eitel. „Eigentlich sind wir ja noch in der Vorbereitung, die dauert normalerweise sechs Wochen“, sagte der mit einem Grinsen. Geht es also noch besser? Es geht immer besser, aber im Spiel gegen Calcio war nicht allzu viel Potenzial dafür zu erkennen. Klar, dass der Coach trotzdem ein paar Dinge im Blick hat. Augenscheinlich war, dass die FCE-Kicker an das glauben, was sie tun und entsprechend selbstsicher auftraten. Den Schwung mitnehmen auch in das nächste Spiel beim Zweiten FC Holzhausen, heißt es nun – und damit umgehen, wenn es mal nicht so gut läuft. Der Klassenverbleib wäre den Esslingern jedenfalls lieber als der Eurojackpot.

Landesliga

Auch Ugur Yilmaz, der Coach des FV Neuhausen, hat nach dem 2:2 gegen den SV Waldhausen ein direktes Feedback vom Gegner erhalten. „Ich habe mit Waldhausens Trainer Jens Rohsgoderer einen guten Austausch und er hat gesagt, es sei ja klar gewesen, dass ich gegen ihn mein Comeback gebe und gleich treffe“, erzählte Yilmaz gut gelaunt. Der 38-Jährige hatte nämlich am Ende der vergangenen Saison seine aktive Karriere beendet, war aber gegen Waldhausen eingesprungen. „Ich wollte eigentlich nicht spielen, habe mich aber aufgrund der Personalprobleme als Back-up auf die Bank gesetzt“, erklärte er, „dann habe ich mich angesichts der Spielsituation als Lucky-Puncher eingewechselt und es hat ja geklappt.“ So zahlte sich auch aus, dass Yilmaz regelmäßig mit der Mannschaft mittrainiert und sich so fit gehalten hat. Nun will er sich aber wieder auf die Bank setzen, möglichst ohne Trikot. „Es ist eigentlich nichts Besonderes und die Jungs haben es davor ja gerade in der Offensive gut gemacht“, sagte er bescheiden.

Der TSV Köngen bleibt derweil trotz des 2:2 gegen den TSV Plattenhardt Tabellenführer, der Vorsprung auf den – nächsten Auswärtsgegner – 1. FC Eislingen schmolz jedoch auf vier Punkte. Alles gut an der Fuchsgrube, zumal die Köngener eben er- und anerkannten, das sich die Plattenhardter den Punkt verdient hatten. Den Treffer zum 2:2-Endstand erzielte übrigens nicht Spielertrainer Domenic Brück, wie in der offiziellen Statistik aufgeführt, sondern Daniel Zimmermann.

Bezirksliga

„Natürlich werden wir das Spiel analysieren, wir werden es nicht zur Seite schieben“, sagte Uwe Willinger, der Abteilungsleiter es TSV Berkheim, zur 0:11-Pleite beim Tabellenführer 1. FC Heiningen. Aber er schiebt sofort hinterher: „Dann werden wir schnell wieder positiv nach vorne schauen, was anderes bleibt uns ja auch nicht übrig.“ Eine sehr gute Heininger Mannschaft und ein Berkheimer Team, bei dem gleich elf Spieler fehlten, führten unter anderem zu dem Ergebnis. „Wir brauchen einfach alle“, sagte Willinger, „aber das soll keine Ausrede sein. 0:11 ist schon ein Brett und ein bitteres Ergebnis. Mir tut es einfach leid für die Jungs, die sich Woche für Woche reinhauen.“ Nachdem sie sich geschüttelt haben, werden sie das wieder tun, ist Willinger überzeugt.

Beim TSV RSK Esslingen, der zum Saisonauftakt sieben Buden von den Heiningern kassierte, konnten sie die 4:5-Niederlage gegen den VfL Kirchheim angesichts des immer noch guten 6. Platzes dagegen leicht abhaken. „So ist halt Fußball“, meinte Spielleiter Thomas Schuler und erklärte: „Nach der frühen Führung haben wir die Kirchheimer durch das Auslassen von zwei Riesenkarätern zurück in die Spur gebracht. Nach dem 1:4 ging dann ein Ruck durch die Mannschaft.“ Doch der kam, trotz siebenminütiger Nachspielzeit, zu spät.

Bei Mitaufsteiger TSV Denkendorf und dem FV Plochingen herrscht Erleichterung. Die Plochinger stehen nach dem 5:0-Pflichtsieg gegen das schon abgeschlagene Schlusslicht SC Geislingen II jetzt auf Platz elf etwas besser da, die Denkendorfer erklommen nach dem 2:1-Erfolg im Duell der Durststrecken-Teams gegen den 1. FC Frickenhausen Rang neun und überholten damit den vom Ex-Köngener Sascha Strähle trainierten Kontrahenten. „Wir sind glücklich, dass wir wieder einen Dreier eingefahren haben“, erklärte Denkendorfs Co-Spielertrainer Georgios Natsis, „die Richtung ist gut, wir haben uns wieder dem genähert, was wir spielen wollen.“ Schwer war es trotzdem, denn die Verunsicherung war beiden Teams anzumerken und die Denkendorfer hatten „in einem ausgeglichenen Spiel“ (Natsis) Glück, dass die Frickenhausener den ersten Fehler machten – und sie ihn nutzte. Schwung mitnehmen heißt es nun auch hier, es warten in Türkspor Nürtingen und den Berkheimern zwei Teams, die die Denkendorfer auf Abstand halten wollen.

Kreisliga A

Der VfB Reichenbach bleibt vorne, dahinter gab es an der engen Tabellenspitze der KLA einige Positionswechsel. Wobei der Drei-Tore-Vorsprung des VfBR nach dem 4:1 gegen den bisherigen TV Unterboihingen auf den neuen Zweiten TSV Wendlingen angesichts dessen schon fast als komfortabel bezeichnet werden kann. „Der Druck war groß. Wie die Jungs nach einer Phase, in der sie gewackelt hatten, gegen den Zweiten so dominant und mit drei Toren gewonnen haben – Hut ab“, sagte VfBR-Abteilungsleiter Ioannis Fotarellis stolz und ergänzte: „Es war sehr gut, aber es gibt immer noch Luft nach oben.“ Das klingt ja mal nicht schlecht.

„Die ersten acht Mannschaften werden bei der Vergabe der ersten beiden Plätze ein Wörtchen mitreden“, glaubt Spielleiter Thomas Stiehl, dessen TSV Deizisau Siebter ist – und den neuen Achten ASV Aichwald durch die 3:4-Niederlage „wieder heranbrachte“. Der ASV-Sieg war nach Stiehls Meinung verdient, beziehungsweise das war die Pleite für sein Team: „Das Engagement hat gar nicht gepasst, wir haben viel zu behäbig und umständlich gespielt.“

Auf Platz vier hat sich fast schon klammheimlich der TV Nellingen vorgearbeitet. „Wir wollen da oben nicht groß auffallen. Die Punkte sind uns wichtiger, die Platzierung ist völlig egal“, sagt Spieler Felix Gentner grinsend dazu. Die Mannschaft schlug die SG Eintracht Sirnau im Duell der Trainer-Routiniers Thomas Genter und Klaus Schipke mit 4:1. Für SGE-Pressewart Martin Schmid ging das Ergebnis „in Ordnung, wenn auch ein bis zwei Tore zu hoch“. Ärgern mussten sich die Sirnauer „nicht nur in diesem Spiel über die teilweise hergeschenkten Gegentreffer“. Exemplarisch das 1:3: „Bei eigenem Ballbesitz wurde der Mitspieler unnötig angeschossen, der Abpraller führte zum Konter mit Elfmeter. Solche Patzer passieren einfach zu häufig.“ Gentner stimmt zu, dass es „vielleicht ein Tor zu hoch war, aber wir waren schon die spielbestimmende Mannschaft“.

Von einem „wichtigen Sieg für die Stimmung, den Glauben an die eigene Stärke und die Tabellensituation“, sprach Pressewart Dominic Hornisch nach dem 3:2 der TSG Esslingen gegen den TSV Notzingen. In Bezug auf das 0:7 zuvor beim TV Hochdorf erklärte er: „Es war sofort zu erkennen, dass die Mannschaft eine Reaktion zeigen möchte.“ Auch zwei Rückstände steckten die Esslinger weg. Hornisch beschrieb die Situation nach dem 1:2 aus TSG-Sicht so: „Im Anschluss warfen wir alles nach vorne. Der Glaube und die Zuversicht waren da und prompt fiel nach einem Standard das 2:2 durch Kevin da Costa Araujo in der 89. Minute. Jetzt war der Glaube endgültig vorhanden und abermals da Costa Araujo nach einem Standard sorgte für den viel umjubelten Siegtreffer in Minute 90+2.“ Zur Belohnung gab es ein Sätzle auf Platz sechs.

Die Hochdorfer ließen derweil dem Kantersieg gegen die TSG eine 1:2-Niederlage beim SC Altbach folgen – nach Meinung von Altbachs Abteilungsleiter Robin Prokein war es ein verdienter Sieg seiner Mannschaft. „Wir haben von Beginn an das Spiel kontrolliert und uns viele gute Möglichkeiten herausgespielt. Auch wenn wir einige Chancen ungenutzt ließen, war es insgesamt eine geschlossene Mannschaftsleistung. Darauf wollen wir aufbauen“, erklärte er zufrieden.

Auch der TB Ruit hat eine Durststrecke beendet. Nach zuvor vier Niederlagen in Folge gab es eine 4:1-Erfolg gegen Schlusslicht FV Plochingen II. „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen“, erklärte Kapitän Dirk Schimmele und bekräftige gleich noch mal: „Es tat einfach gut.“ Auf einem Rasen, „der nach 20 Minuten gefühlt komplett umgemäht war“ war die stabile Abwehr der Schlüssel zum Erfolg: „Wir waren vor den Plochingern gewarnt, haben aber fast nichts zugelassen.“

Kreisliga B

Wie man einen Spitzenreiter ärgert, zeigte in der Staffel 1 der SC Altbach II. „Nach dem 0:2-Rückstand so zurückzukommen, zeugt von großem Charakter und Teamgeist“, lobte SCA-Abteilungsleiter Prokein nach dem 2:2 gegen den TSVW Esslingen: „Das ist ein Ergebnis, auf das die Jungs stolz sein können. Es war eine kämpferisch und spielerisch sehr gute Leistung.“

Erster ist jetzt Odyssia Esslingen, Dritter der TSV Baltmannsweiler, den der Sechste TSV Deizisau II am Dienstag (19.30 Uhr) zum Nachholspiel erwartet. Laut Deizisaus Spielleiter Stiehl „ist es die letzte Chance, mit einem Sieg oben ranzuschnuppern. Bei einer Niederlage geht der Blick Richtung Rang sieben, um in der kommenden Saison nicht in der Kreisliga C zu spielen“.

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