Fußball – Nachspiel VfB Reichenbach bekommt eine neue Eckfahne
Zu überschwänglicher Jubel, ein Feldspieler im Tor und Berkheim statt Punxsutawney – der Amateurfußball hat wieder voll an Fahrt aufgenommen.
Zu überschwänglicher Jubel, ein Feldspieler im Tor und Berkheim statt Punxsutawney – der Amateurfußball hat wieder voll an Fahrt aufgenommen.
An den Tabellenspitzen spannend, im Keller eng – die Amateurfußballligen bieten schon nach dem zweiten Spieltag des Jahres die volle Dröhnung. In der Kreisliga A etwa befindet sich der TSV RSK Esslingen ganz oben zwar in einer einigermaßen komfortablen Position, aber Spielleiter Thomas Schuler hat plötzlich den TV Nellingen als zusätzlichen Konkurrenten ausgemacht. Von den Kollegen der anderen vorne platzierten Clubs gibt es dazu keinen Widerspruch. Beim TV Hochdorf hat derweil Trainer Lukas Reiser verlängert und bei der SG Eintracht Sirnauer haben sie mit dem VfB Reichenbach noch eine Rechnung zu begleichen – aber nicht, wie man glauben mag.
Es ist eine alte, aber zutreffende Weisheit: Es gibt Situationen, in denen ist ein Trainer mehr darin gefordert, die Fußballer mental aufzubauen, als darin, mit ihnen neue Eckballvarianten einzustudieren. Beim FC Esslingen herrscht nach dem 0:1 bei der TSG Balingen II , der zweiten Niederlage im zweiten Ligaspiel des Jahres, im Moment so eine Situation. „Es ging die vergangenen Jahre immer aufwärts, eine solche Negativserie ist für uns neu“, sagte Trainer Christian Ehrenberg und bezog dabei die beiden Pleiten vor der Winterpause mit ein. Von einer Krise will er nicht sprechen und er hat in Balingen auch eine Menge gute Ansätze gesehen – aber es wird mal wieder Zeit für einen Sieg.
Was gerade Trainer gar nicht gebrauchen können, ist nach einer Niederlage vom gegnerischen Kollegen gelobt zu werden. Diesbezüglich ist Ugur Yilmaz vom Aufsteiger FV Neuhausen in einer komfortablen Situation. Der Mann ist gut vernetzt und pflegt Kontakte zu Mit-Coaches. Und so lief es Yilmaz runter wie Öl, dass er wie eine Woche zuvor im Fall von Manuel Fischer vom Spitzenreiter TSV Weilimdorf (2:2) auch nach dem Spiel beim VfL Sindelfingen von dessen durchaus prominentem Trainer Maik Schütt nicht nur Schulterklopfen bekam, sondern nach dem 1:1 beim bisherigen Dritten ebenfalls einen Zähler mit auf die Fildern nahm. „Mehr als einen Punkt hatten wir nicht verdient“, erklärte Schütt laut sozialen VfL-Medien. Yilmaz sagte derweil auch so einen Satz gerne: „Vor dem Spiel hätte ich ein Unentschieden sofort unterschrieben, am Ende hatten wir aber sogar mehr Chancen zu gewinnen als die Sindelfinger.“ Passt.
Da sieht man mal, was das 0:0 im Spitzenspiel vor Wochenfrist wert ist. Der 1. FC Eislingen hat mittlerweile das nächste Top-Duell gegen den TSV Oberboihingen absolviert und mit 0:1 verloren. Die Kicker des TSV Köngen wussten das bereits, als sie am frühen Sonntagabend beim TSV Jesingen antraten, gewannen pragmatisch mit 1:0 – und sind wieder vor den Eislingern Tabellenführer. Spannend aber bleibt das Aufstiegsrennen.
Bis man die anderen drei Mannschaften aus der Fußballregion findet, muss man die Tabelle ein gutes Stück nach unten kraxeln. Und man kann so langsam den Eindruck bekommen, das das Murmeltier – also das, das in diesem Fall wöchentlich grüßt – nicht in Punxsutawney in Pennsylvania lebt oder, wie manche Quellen im weltweiten Netz einem weismachen wollen, irgendwo in Westfalen, sondern in Berkheim. Der TSV Berkkeim nämlich erlebt jede Woche Ähnliches: Gut gespielt, oft sogar geführt, aber am Ende null Punkte. So war es auch beim 3:5 nach 2:0-Führung gegen das Spitzenteam SV Ebersbach. Die Berkheimer kommen der Kreisliga A immer näher.
Das gilt, wenn auch die Situation angesichts von 14 statt sieben Punkten der Berkheimer ein bisschen weniger angespannt ist, auch für den TSV Deizisau, der zudem beim 3:3 bei der TSG Salach zumindest einen Zähler geholt hat. Vielleicht könnten ja die Fußballer und die Handballer des TSV eine gemeinsame Gesprächsgruppe gründen, denn beide schweben in ihrer Liga in Abstiegsgefahr – die Fußballer als Dritt- und die Oberliga-Handballer als Vorletzter. „Es war wichtig, dass wir einen Punkt geholt haben, aber es waren zwei zu wenig“, sagte Fußball-Spielleiter Thomas Stiehl. Die Leistung fasste er so zusammen: „Spielerisch war es in Ordnung, läuferisch und kämpferisch top.“ Die Torfolge war nichts für vom Abstiegskampf geschwächte Nerven: aus Deizisauer Sicht 2:0, 2:3, 3:3 durch Dimitrije Pantic in der 89. Minute. Der FV Plochingen bleibt nach dem 1:1 beim 1. FC Frickenhausen Zwölfter und muss ebenfalls weiter zittern.
Die Welt an der Katharinenlinde ist zurzeit so was von in Ordnung. „Der Klassenprimus hat mit 3:0 gewonnen“, stellte Spielleiter Thomas Schuler vom TSV RSK Esslingen nach dem Spiel beim TSV Wolfschlugen bestens gelaunt fest. Das Team habe auf schwierigem Untergrund gegen gut kämpfende Wolfschlugener „keinen Zweifel daran gelassen, wer gewinnen wird“ und habe „gespielt wie aus einem Guss“. Die drei Tore fielen bereits in der ersten halben Stunde – und damit war das Spiel entschieden.
Das mit aus einem Guss können sie beim VfB Reichenbach nicht behaupten. Eine Woche nach dem unglücklichen 2:3 beim TSV RSK unterlag die Mannschaft beim Kellerteam SG Eintracht Sirnau verdient mit 1:2. „15 gute Minuten reichen gegen Sirnau nicht“, erklärte Reichenbachs Pressewart Ioannis Fotarellis. Nach dem „wunderschönen Tor“ seines Sohnes Anthony hätten „Kampfgeist und Mentalität gefehlt – die Sirnauer haben das gehabt, sie haben sich den Allerwertesten aufgerissen“. Vielleicht, meinte, Fotarellis, seien die Reichenbacher Fußballer „im Kopf noch zu sehr mit dem RSK-Spiel beschäftigt“ gewesen.
Sirnaus Pressewart Martin Schmid sprach von einem „unerwarteten, aber wichtigen Sieg für uns“. Trotz des Rückstandes habe die Mannschaft ihre taktische Marschroute beibehalten: „Großes Lob an das Team, alle eingesetzten 14 Mann kämpften bis zum Schluss.“ In der achtminütigen Nachspielzeit hielt Riad Malkic den Sirnauer Kasten sauber, was in sofern bemerkenswert ist, da er bis dahin auf dem Feld geackert hatte und dann Torhüter Daniel Hauck nach dessen gelb-roter Karte ersetzte. Schmid macht derweil noch eine Ansage an die Reichenbacher: „Sturmtank“ Dennis Hauck trat nach seinem Tor zum 2:1 im Überschwang die Reichenbacher Eckfahne kaputt. „Die wird Sirnau selbstverständlich ersetzen.“
Hauptverfolger des TSV RSK ist nun der TSV Denkendorf, der die Aufgabe gegen den Vorletzten FV Neuhausen II mit 2:1 löste. „Derbys sind da, um gewonnen zu werden“, sagte Denkendorfs spielender Co-Trainer Georgios Natsis dazu, lobte nach einem „zähen Spiel“ die kämpfenden Neuhausener, die durch „eine tolle Einzelaktion“ von Routinier Josip Colic in Führung gingen, denen aber schließlich die Kraft ausging. Marcello Di Fabio schloss schließlich eine Kombination der Einwechselspieler „eiskalt“ zum 2:1-Siegtreffer ab.
Natsis hat derweil die Reichenbacher noch lange nicht abgeschrieben und hält sie sogar „noch für gefestigter als wir“. Und Spielleiter Schuler vom TSV RSK hat auch noch den neuen Tabellenfünften TV Nellingen auf der Rechnung: „Der TVN wird noch kommen“. Dessen Pressewart Peter Hirma freut sich erst einmal nach dem 3:0 gegen den TV Unterboihingen über den zweiten Sieg im zweiten Spiel des Jahres: „Der Start ist gut gelungen.“ Ein gelungener Schachzug war es auch, Amer Valjevac in der Winterpause von der zweiten Mannschaft hochzuziehen. Er hat in den beiden Spielen schon drei Tore erzielt.
Die Reichenbacher fiebern derweil schon dem Derby gegen den TV Hochdorf am kommenden Sonntag entgegen – ebenso wie die TVH-Kicker. Deren Abteilungsleiter Jürgen Fahrion muss aber erst einmal das 1:1 beim TSV Wendlingen verarbeiten. „Wir sind enttäuscht, weil wir in der unverständlich langen Nachspielzeit mit dem allerletzten Schuss den Ausgleichstreffer kassiert haben“, sagte er. „Das war bitter, wir hätten vorher schon das 2:0 machen müssen.“ Fahrion gibt derweil die Verlängerung mit Trainer Lukas Reiser über das Saisonende hinaus bekannt und begründet es, schon wieder gut gelaunt, so: „Er ist ein Hochdorfer und kommt menschlich bei den Jungs gut an – es passt.“
Wie die Nellinger, so rollen auch die Kicker der TSG Esslingen das Feld von hinten auf, wenn auch eine halbe Etage tiefer. Während Trainer Michael Lattacher das 3:2 gegen den VfB Oberesslingen/Zell direkt nach dem Spiel als „unverdient“ bezeichnete, sieht es Pressewart Dominic Hornisch mit einem Tag Abstand etwas positiver: „Oberesslingen/Zell erwischte den besseren Start und ehrlicherweise muss man sagen, dass es ohne Torhüter Robin Harnisch nach 20 Minuten auch schon 0:2 oder 0:3 hätte stehen können“, erklärte er, aber eben auch: „Zweimal einen Rückstand zu egalisieren und am Ende noch die Kraft aufzubringen, das Spiel komplett zu drehen und zu gewinnen – das ist auch eine Leistung, die du so erst mal bringen musst.“ Es war jahreswechselübergreifend der dritte Sieg im dritten Rückrundenspiel. „Es geht aufwärts“, frohlockte Hornisch.
Das Spitzenspiel der Staffel 1 zwischen dem Zweiten TSV Scharnhausen und dem Ersten SC Altbach am kommenden Sonntag wirft seine Schatten voraus. Die Altbacher machten es durch ihr 0:0 gegen den TSV Deizisau II etwas spannender und haben nur noch drei Punkte Vorsprung auf die Scharnhausener, bei allerdings einem Spiel weniger. Die hatten beim 2:0 im Ostfildern-Derby beim TV Nellingen II wenig Mühe, wie auch deren Pressewart Hirma zugab: „Es war kein schönes Spiel und wir waren chancenlos.“