Fußball-Nationalmannschaft 2:4 und 2:0 – wo steht das deutsche Team denn nun?

Von Marco Seliger 

2:4 gegen die Niederlande, 2:0 in Nordirland – der Neuaufbau der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist ein Auf und Ab. Eine Prognose fällt schwer – wir wagen sie dennoch.

Serge Gnabry (re.) bejubelt das 2:0 des deutschen Teams gegen Nordirland Foto: Getty
Serge Gnabry (re.) bejubelt das 2:0 des deutschen Teams gegen Nordirland Foto: Getty

Belfast - Es hatte wenig von bewusster Tiefstapelei, um die Erwartungen und Hoffnungen vielleicht ein bisschen zu dämpfen, als sich der DFB-Direktor Oliver Bierhoff am späten Montagabend in Belfast den möglichen Titelchancen der Nationalelf bei der EM 2020 widmete. „Ich glaube nicht, dass wir als Favorit zur EM fahren oder zum engsten Kreis gehören“, sagte Bierhoff also: „Du kannst zum Erfolg keine Abkürzung nehmen. Das geht auch bei uns nicht.“

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Und ob es abgesprochen war oder nicht, Joachim Löw gab hinterher eine ähnliche Einschätzung zum Besten: „Der Weg in die Spitze ist kein einfaches Unterfangen“, sagte der Bundestrainer und gab einen zeitlichen Rahmen für die Umbruchmission vor: „Holland hat drei Jahre gebraucht, da müssen wir noch hinkommen.“ Ob es wirklich so kommt, dass Löws Elf kein Titelkandidat ist, das wird man dann im Sommer 2020 sehen.

In Belfast fehlten wichtige Spieler

Für die pessimistischen Einschätzungen sprechen die Eindrücke der vergangenen schwachen Auftritte in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande (2:4) und nun am Montag in Nordirland (2:0) – wer nur diese fahrigen und teils mutlosen ­Darbietungen beobachtete, dem käme der EM-Titel tatsächlich nicht in den Sinn.

Andererseits gab es ja in den Monaten zuvor diese begeisternden, temporeichen Auftritte von Löws Elf, nachdem der Coach vor einem knappen Jahr den großen Umbruch ausgerufen hatte. Das 3:2 im März von Amsterdam gegen die Niederlande zählt dazu, ebenso wie die erfrischende Darbietung im vorigen Herbst in Paris gegen Weltmeister Frankreich (1:2).

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Löw führte nun am Montag in Belfast entlastend an, dass ihm in Leroy Sané, ­Ilkay Gündogan, Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer und Nico Schulz fünf Spieler gefehlt hätten, die beim 3:2 in den Niederlanden im März noch in der Startelf begonnen hatten. „Wir müssen die Automatismen in jedem Mannschaftsteil schärfen. Einspielen hat bei einer jungen Mannschaft Priorität“, sagte Löw und ergänzte: „Wenn einige dann gar nicht zu den Lehrgängen kommen, dann ist es schwierig.“

Wenn insbesondere Leroy Sané nach seinem Kreuzbandriss rechtzeitig fit werden sollte, dann wird womöglich tatsächlich vieles leichter. Fakt ist: Sollte Löw alle Mann an Bord haben und sollten sich gewisse Automatismen einspielen, kann seine Elf mit den Besten konkurrieren, das zeigte sich bei den besseren Auftritten gegen Frankreich und die Niederlande.

Fehler sind in der Entwicklung erlaubt

Löw spricht auf dem Weg zur EM gerne von der „Fehlerkultur“, die wichtig sei in der Entwicklung. Einspielen ist gerade ein weiteres Lieblingswort des Bundestrainers, der auch gerne vom „Vertrauen“ spricht, das er in seine Jungs habe.

Einiges erinnert in diesen Monaten ein bisschen an die Zeit rund um die WM 2010 in Südafrika, als Löw ebenfalls eine neue Mannschaft aufbaute (und es aufgrund der Verletzung des Ex-Kapitäns Michael Ballack auch musste). Als Löw eine junge Mannschaft formte, die von erfahrenen Stützen wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger geführt wurde – und die 2014 in Brasilien den Gipfel erklomm. Löw erinnerte dieser Tage selbst an die Zeit rund ums Jahr 2010 und zog die Parallelen. Mit dem unausgesprochenen Wunsch, der aktuelle Umbruch möge ähnlich verlaufen wie vor fast zehn Jahren.