Es war eine der schnellsten Trainerentlassungen in der Geschichte des Stuttgarter Bezirksliga-Fußballs: Nach gerade einmal drei Spieltagen hat sich der TSV Plattenhardt wie berichtet von Sascha Blessing getrennt. Übernommen hat der bisherige Assistent Slobodan Markovic, momentan noch als Interimscoach. Nächste Woche soll seine endgültige Beförderung erfolgen. Zuvor, vor dem mit Spannung erwarteten Filderstädter Derby an diesem Freitagabend (Humboldtstraße, 18 Uhr) beim SV Bonlanden, sagt der 36-jährige, was aus seiner Sicht bisher falsch gelaufen ist und was er ändern möchte.
Herr Markovic, nun gleich das Derby. Freuen Sie sich darauf allein oder haben Sie auch etwas Angst?
Ich bin jetzt mein drittes Jahr in Plattenhardt (Anmerkung der Redaktion: zuvor schon als A-Junioren-Trainer und Trainer der zweiten Mannschaft), sodass ich genau um die Bedeutung dieses Spiels im Fußball dieser Stadt weiß. Das kann sehr viel Spaß machen, aber natürlich ist der Druck in diesem Derby auch immer besonders hoch, besonders in der jetzigen Tabellenkonstellation.
Im Fall einer Plattenhardter Niederlage wäre der Gegner schon sechs Punkte voraus. . .
Und genau deshalb sollten wir dringend etwas Zählbares mitbringen. Ich kenne die neuen Mannschaften aus dem Kreis Böblingen noch nicht gut genug, sodass ich von Anfang an Bonlanden und den SV Vaihingen als härteste Rivalen im Titelrennen auf der Rechnung hatte. Und Bonlanden ist ja trotz der vielen Abgänge auch sehr gut gestartet.
Ihr eigener Start als Chefcoach war mit dem 0:0 gegen Münster am vergangenen Wochenende nicht optimal. . .
Wir haben das Spiel trotz mehrerer fehlender Leistungsträger 90 Minuten lang dominiert; das macht mich optimistisch. Was uns gefehlt hat, waren der entscheidende Pass und der Abschluss. Beides muss besser werden.
Werden Sie personell viel verändern?
Das kann ich gar nicht. Philipp Eiberger und Emre Göcer kommen zwar am Freitag von ihren Reisen zurück, sind aber erst nächste Woche ein Thema. Und Fatih Özkahraman (Anmerkung der Redaktion: der amtierende Bezirksliga-Torschützenkönig) wird nach seiner Verletzung frühestens übernächste Woche wieder einsteigen. Seine individuelle Qualität fehlt uns ganz extrem.
Hat Sie die schnelle Trennung von Sascha Blessing überrascht?
Wenn ich ehrlich sein soll, nicht wirklich, weil ich wusste, dass der Druck innerhalb des Vereins riesig ist. Wir haben die Rolle des Topfavoriten offensiv angenommen, und in den Spielen in Vaihingen und im Pokal beim MTV Stuttgart II hatten wir große Probleme, nachdem auch die Vorbereitung nicht optimal gelaufen ist.
Das heißt, dass nun auch Sie selbst unter besonderer Beobachtung sind?
Das ist mir durchaus bewusst, aber ich nehme die Herausforderung gerne an, und ich habe auch Ideen, was wir schnell verbessern können und müssen. Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen. Klar ist, dass wir defensiv stabiler werden sollten.
Wird der Verein personell noch einmal nachlegen?
Ganz klar nein. Wir haben einen Kader, der für das Ziel Aufstieg gut zusammengestellt ist. Diesen Jungs vertrauen wir jetzt bis mindestens zur Winterpause.
Gibt es Spieler, von denen Sie besonders viel erwarten?
Da ist zum einen Philipp Eiberger, den ich unheimlich gerne aufgrund seiner riesigen Erfahrung nicht nur als Spieler, sondern auch weiterhin als spielenden Co-Trainer als meinen verlängerten Arm auf dem Feld behalten möchte. Und zum anderen habe ich immer besondere Erwartungen an meinen Bruder Nemanja. Ihn habe ich vor dieser Saison zu meinem Club nach Plattenhardt geholt, obwohl er gleich zwei Angebote aus der Oberliga hatte. Jeder von uns beiden kennt den anderen auswendig, und ich weiß, dass wir noch viel Gutes von ihm sehen werden.