Fußball: neuer Trainer Ein „ganz harter Hund“ als Vorbild

Und dann plötzlich Trainer. Das Angebot kam für Roko Agatic überraschend, aber zeitlich passend. Foto: Yavuz Dural

Roko Agatic ist seit dieser Saison Trainer des A-Kreisligisten TSV Harthausen – für den Ex-Profi ein Debütjob, den er als Sprungbrett nehmen will. Dabei hat er in diesem Sommer sogar ein Bundesliga-Angebot ausgeschlagen.

Harthausen - Das große Vorbild von Roko Agatic heißt Mile Petkovic. Fast 25 Jahre lang war die kroatische Trainerlegende in der höchsten Fußball-Spielklasse des Adriastaats unterwegs, führte mehrere Vereine in die internationalen Wettbewerbe und förderte Talente wie Ivica Olic oder Mario Mandzukic, die später in der deutschen Bundesliga und der Welt Karriere machten. „Er war ein Schleifer, ein ganz harter Hund. So etwas, was man in Deutschland von Felix Magath kennt“, sagt Agatic mit einem Lächeln. Fachlich und taktisch habe er sich viel von seinem Ex-Trainer abgeschaut, der ihn im zarten Alter von 18 Jahren unter seinen Fittichen hatte, aber, so Agatic: „Ich selbst bin ganz anders; ich arbeite weicher und menschlicher mit meinen Spielern.“

 

Seit rund drei Monaten ist der 41-jährige Agatic als Cheftrainer für die Männer des TSV Harthausen in der Kreisliga A des Bezirks Neckar/Fils verantwortlich. Eigentlich wollte er in der Mannschaft weiter nur als Spieler agieren und nebenher die A-Junioren coachen. Als sich dann jedoch Sascha Gavranovic nach fünfeinhalb Jahren aus dem Brandfeld verabschiedete, gingen die Blicke plötzlich auf Agatic. Der in Filderstadt aufgewachsene Kroate, der einst in der Jugend des TSV Plattenhardt sein Fußball-ABC erlernt hat, erhielt das Angebot zur Beförderung. „Ich habe mich während der Corona-Pandemie am Meniskus operieren lassen. Und für die nächsten Jahre hatte ich sowieso vor, die notwendigen Lizenzen machen, um mal Trainer zu sein“, sagt Agatic. So habe es vom Zeitpunkt her gut gepasst.

Ex-Profi in erster und zweiter Liga

Später dürfe es gern auch einmal ein Job in der Landes- oder Verbandsliga werden, sagt der Ex-Profi mit Stationen in der ersten und zweiten Liga in Kroatien und Bosnien. Oder warum nicht sogar gar irgendeine hauptamtliche Stelle im Profibereich? Auf seiner Debütstation Harthausen handelt es sich freilich noch um eine Freizeitbeschäftigung. Hauptamtlich arbeitet Agatic als Hausmeister bei der Firma Bosch in Leinfelden, Seite an Seite mit seinem besten Kumpel Srdjan Savic und mit Mario Martinovic, die bis vor kurzem noch Mitspieler waren und nun Schützlinge im Team des neuen Coaches sind.

„Natürlich haben wir einen richtig starken Kader, mit dem wir in Richtung Bezirksliga blicken können. Es gibt da aber auch noch andere Kandidaten wie Türkspor Nürtingen oder den TSV Oberboihingen“, sagt Agatic, dessen Mannschaft mit acht Punkten aus vier Spielen solide aber nicht überragend gestartet ist und nun an diesem Sonntag (15.30 Uhr) die TG Kirchheim empfängt. Das Angebot, in diesem Herbst in der Futsal-Bundesliga für den Stuttgarter Futsal-Club aufzulaufen, hat Agatic im Sommer ebenso ausgeschlagen wie zwei andere ihm offerierte Trainerjobs der näheren Umgebung. Von wem? „Ich will nicht sagen, wer das war, um die jetzt dort tätigen Kollegen nicht bloß zu stellen“, sagt er.

„So etwas bin ich nicht gewöhnt“

Ein nicht geplantes kurzfristiges Comeback auf dem Feld hat Roko Agatic derweil vergangene Woche beim 1:1 in Großbettlingen gegeben, das Ganze an der Seite seines Co-Trainers Daniel Schlüter, der ebenfalls aktiviert wurde, weil das Trainergespann auf sechs Urlauber verzichten musste. „Das bin ich aus meiner Profizeit nicht gewöhnt, dass am vierten Spieltag noch ein halbes Dutzend Leute im Urlaub ist, aber auch auf so etwas kann ich mich einstellen“, sagt der bekennende Fan von Hajduk Split. Sein großes Vorbild, der „Schleifer“ Mile Petkovic, hätte in einer solchen Situation wahrscheinlich nicht ganz so gelassen reagiert.

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