Eine Schock-Verletzung hat im Oberliga-Spiel zwischen Kellerkind Calcio Leinfelden-Echterdingen und der TSG Backnang das Sportliche in den Hintergrund rücken lassen. Jonathan Swieter, Mittelfeldspieler beim Filderclub, war im Zweikampf mit dem heranstürmenden Backnanger Julian Geldner in ein Loch im Rasen getreten und liegengeblieben. Was zunächst noch vergleichsweise harmlos aussah, stellte sich schließlich als offener Knochenbruch im Knöchelbereich heraus. Nach einer 25-minütigen Spielunterbrechung kurz vor Ende der Partie wurde er mit dem Krankenwagen abtransportiert. Im Anschluss einigten sich beide Mannschaften auf einen Nichtangriffspakt, schoben sich während der verbleibenden, vierminütigen Nachspielzeit den Ball zu. Am Ende verloren die Italo-Schwaben das Spiel im heimischen Sportpark Goldäcker mit 2:4.
Nach dem Abpfiff will auch Francesco Di Frisco nicht über das Spielerische reden. Stattdessen lässt der Calcio-Coach mächtig Dampf ab. Im Visier seiner Kritik: das Spielfeld. „Ich bin auf 180“, schimpft er, „dieser Platz ist eine Frechheit.“ Seine Wut richtete sich explizit in Richtung der Stadt Leinfelden-Echterdingen, die für die Instandhaltung des Rasens verantwortlich ist und Di Frisco zufolge nicht bereit sei, das nötige Geld in die Hand zu nehmen. Die Diagnose bei Swieter gleicht einer Schreckensbotschaft: „Es sieht so aus, als wären alle Sehnen und Bänder am Fußgelenk gerissen. Das hieße, dass Jonathan vielleicht nie wieder laufen kann“, erläutert Di Frisco schockiert.
Zuvor war dessen Mannschaft zweimal durch Tasos Leonidis in Führung gegangen (12., 57.). Trotz Backnanger Feldüberlegenheit samt Chancenplus mussten bei den Gästen zwei Standards herhalten, um jeweils den Ausgleich zu erzielen. Per Foulelfmeter traf ausgerechnet Gentian Lekaj zum 1:1 (22.), der zwischen 2015 und 2019 für die Filderkicker die Schuhe schnürte. Vorausgegangen war ein eindeutiges Foulspiel des Kapitäns, Charalampos Parharidis, an Backnangs Giuliano Greco. Die neuerliche Calcio-Führung egalisierte dann Mika Müller, der einen Eckball von Vincent Sadler völlig unbedrängt im Tor unterbringen konnte (63.).
Danach geschah der verhängnisvolle Vorfall um Swieter, der in der Folge am Spielfeldrand behandelt wurde. Währenddessen spielten die Mannschaften beim Stand von 2:2 zunächst weiter. In den folgenden Spielminuten erzielte der eingewechselte Flavio Santoro für Backnang per Doppelpack den Endstand. Erst nutzte er einen sträflich großen Freiraum im Sechzehnmeterraum, setzte eine Flanke von Vincent Sadler per wunderschönem Seitfallzieher ins Netz (81.). Dann lief er nach einem Calcio-Ballverlust alleine auf Maximilian Otto im Tor der Heimelf zu und vollstreckte problemlos ins lange Eck (87.). „Man hat gemerkt, die Jungs waren nach der Verletzung von Johnny nicht mehr ganz da“, sagt Di Frisco.
Unterbrechungspause und Nichtangriffspakt
Rund 15 Minuten nach dem Schockunfall – kurz vor Spielende – traf schließlich der Notarzt und wenig später der Krankenwagen ein. Weil beide direkt auf dem Spielfeld hielten, kam es zu der längeren Unterbrechungspause. Dem Unverständnis zahlreicher Zuschauer zum Trotz pfiff der Schiedsrichter die Begegnung noch einmal an. In Anbetracht der Ereignisse ließen die beiden Mannschaften die letzten Minuten kampflos ablaufen.
Für Calcio bedeutet die Pleite einen neuerlichen Nackenschlag im Abstiegskampf. In der kommenden Saison können die Filder-Kicker wohl mit der Rückkehr in die Verbandsliga planen – und hoffentlich mit dem Comeback eines genesenen Jonathan Swieter.
Calcios „Spieler des Spiels“:
Tasos Leonidis. Sorgte mit seinem Doppelpack für ein lange offenes Spiel. Bei seinem ersten Treffer von unweit des Fünfmeterraums bewies er Kaltschnäuzigkeit, das zweite Tor erzielte er sehenswert aus der Distanz (Nominierungen 1).
Calcio Leinfelden-Echterdingen: Otto – Kuchler (65. Peric), Unger, Spahiu, Zweigle (77. Pepic), Ribeiro – Swieter (76. Körtge Corral), Seemann (65. Daler), Parharidis – Leonidis, Djermaovic (68. Kukic).
TSG Backnang: Caruso – Müller, Tichy, Özen (60. Santoro) – Doser, Sadler (90.+25 Raouafi), Greco (66. Gleißner), Geldner, Benkeser (90.+25 Bönisch) – Lekaj, Veselaj (60. Paterno).