Vor, während und nach der Weihnachtszeit ist es erstaunlich ruhig gewesen um den Fußball-Oberligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen. Keine Neuigkeiten, sei es Spielerverpflichtungen oder -abgänge, geschweige denn eine Entscheidung auf dem vakanten Trainerposten. Doch auf die Ruhe folgt nun der Knall beziehungsweise das Personal-Beben. Der sportliche Leiter Ioannis Tsapakidis ist überraschend nicht mehr im Amt, zum Trainingsauftakt an diesem Montag deutet sich als sportlicher Anleiter möglicherweise die nächste Überraschung an.
Unterschiedliche Ausrichtungen und Vorstellungen, wie es mit dem Verein zukünftig weitergehen soll, führt Ioannis Tsapakidis als Gründe an, warum „die Zusammenarbeit beendet und mein Vertrag gekündigt wurde“, sagt der 47-Jährige. Eine unterschiedliche Philosophie deshalb, weil sich der Verein an der Spitze neu aufgestellt hat. Anfang des Jahres hat laut Tsapakidis eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattgefunden, „von der ich über Dritte hörte, aber nicht eingeladen wurde, was ich schon etwas seltsam finde“, sagt er. Dort hat sich eine neue Führungsriege gebildet, unter anderem mit Gioacchino Di Frisco als Präsident, sein Bruder Innocenzo sowie Giuseppe Fantetti – jeweils als Stellvertreter.
Mit diesem Gremium habe er sich dann „gut und freundschaftlich“ ausgetauscht, deren Ansätze und Ideen aber nicht teilen können. „Grundsätzlich bin ich für neue Wege sowie veränderte Strukturen offen, ich muss sie aber auch vertreten können.“ Das war offenkundig nicht der Fall. Die Geister scheiden sich wohl vor allem an der Trainerfrage. Der neue Mann soll nämlich laut Tsapakidis ein alter Bekannter werden: Francesco Di Frisco. Genau dieser Francesco Di Frisco, der im November nach anhaltenden Misserfolgen nach acht Calcio-Amtsjahren sein Amt niederlegte. Das Calcio-Mitglied Di Frisco war aber nie ganz weg und bereits schon vor Weihnachten kursierte im Echterdinger Umfeld das Gerücht von dessen Rückkehr. „Sein Rücktritt hat mich damals überrascht, wollten wir doch gemeinsam zumindest die Vorrunde durchziehen. Nun wieder einzusteigen, finde ich den falschen Weg und kann diesen nicht mitgehen“, so Tsapakidis, der als Interimstrainer auf Di Frisco folgte, in fünf Spielen, darunter gegen die beiden Erstplatzierten, auch nur drei Zähler holte. Somit fristet der Neuling sein Oberliga-Dasein aktuell auf dem vorletzten Tabellenrang.
„Durch die Umstrukturierung wollen wir frischen Wind in den Verein bringen und die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen“, sagt der nun neue Vizepräsident Innocenzo Di Frisco. Die geleistete Arbeit von Tsapakidis, sozusagen als Mädchen für alles, weiß das Gremium aber sehr wohl zu schätzen. „Er hat maßgeblichen Anteil am Aufstieg in die Oberliga, für seine Arbeit sind wir ihm sehr dankbar“, so Di Frisco.
Tsapakidis’ Nachfolge tritt ein alter Bekannter im Umfeld von Calcio an: Achim Kiesel. Der 60-Jährige war von 2003 bis 2006 und von 2007 bis 2009 bei den Italo-Schwaben bereits als Sportlicher Leiter tätig. Zuletzt war er Marketingleiter bei Young Boys Reutlingen. Als die Anfrage von Calcio gekommen sei, sagt Kiesel, habe er schon aus alter Verbundenheit zum Club nicht „Nein“ sagen können. Zudem reize ihn die Aufgabe Oberliga. „Ich war noch nie in dieser Liga tätig, freue mich aber auf die spannende Aufgabe, die sicherlich nicht einfach werden wird.“ Seine erste Amtshandlung: einen neuen Trainer zu verpflichten. Während der Name Francesco Di Frisco schon vielerorts rumgeistert, spricht Kiesel indes noch von „keiner finalen Entscheidung“. Drei Kandidaten stünden weiterhin in der engeren Auswahl, einer davon sei Di Frisco. „Am Montag zum Trainingsauftakt wissen mir mehr“, so Kiesel.
All das betrachtet der 47-jährige Ioannis Tsapakidis, der im Juli 2022 bei den Italo-Schwaben anheuerte und diesen durch sein großes Engagement von einem Verbandsliga-Abstiegskandidaten zu einem -Aufsteiger formte, nun aus der Ferne. „Ich drücke dem Team und dem Verein auf seinem kommenden Weg die Daumen und bin stolz, was wir alles zusammen in den vergangenen zweieinhalb Jahren als kleiner Verein erreicht haben“, sagt der Ex-Sportdirektor von Calcio.