Mit Sarkasmus könnte man es so betrachten: Die tabellarische Situation der Oberliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen hat ja auch etwas Gutes – zwei, drei weitere Niederlagen noch, und der Verein hat wenigstens frühzeitig Planungssicherheit. Dann müssen sich die Verantwortlichen erst gar nicht mehr dem Spagat aussetzen, im Hinblick auf die nächste Saison zweigleisig unterwegs zu sein. Denn dann ist eh praktisch vollends klar, dass es künftig wieder eine Spielklasse tiefer um Punkte gehen wird.
Freilich, aktuell würde von den Beteiligten noch keiner solche Gedanken hegen. Und falls doch, so jene zumindest nicht aussprechen. Vor dem Auswärtsspiel an diesem Freitagabend (19.30 Uhr) beim FC Nöttingen sagt der sportliche Leiter Achim Kiesel trotzig: „Wir fahren dorthin, um zu gewinnen.“ Es wäre die Voraussetzung, um im Kampf um den Klassenverbleib tatsächlich noch einmal Hoffnung zu schöpfen. Andernfalls droht das rettende Ufer in noch weitere Ferne zu rücken. Schon jetzt sind die bestenfalls knapp auf der sicheren Seite stehenden Mitbewerber SV Fellbach und FV Ravensburg nurmehr mit dem Fernglas zu sehen. Der Abstand beträgt neun respektive acht Punkte – wobei die Fellbacher an diesem Spieltag beim abgeschlagenen Letzten Villingen zu Gast sind und Ravensburg zwei Spiele weniger absolviert hat.
Immerhin: Aus Kiesels Sicht „fehlen gerade nur Kleinigkeiten, um den Bock umzustoßen“. Konkreter gesagt: im Angriff die Durchschlagskraft und in der Abwehr die individuelle Leistungskonstanz. Beides wurde zuletzt beim 0:1 gegen den SSV Reutlingen zum Verhängnis. Für die nun nachfolgende Partie ist von mindestens einer personellen Konsequenz auszugehen: Der Innenverteidiger Julian Unger, der in allen drei Spielen seit der Winterpause patzte, dürfte eine Pause erhalten. „Für ihn tut es mir echt leid. Menschlich ist das ein Riesentyp. Aber für den Kopf vielleicht auch besser für ihn selbst, wenn er jetzt mal aussetzt“, sagt Kiesel. Die Tendenz geht dahin, dass stattdessen Adrian Körtge Corral von links in die Abwehrzentrale wechselt. Dessen Position könnte wiederum ein Genesener übernehmen: Viktor Ribeiro steht nach mehrwöchiger Verletzungspause vor seinem Comeback.
Insgesamt hat der Trainer Francesco Di Frisco auf den ersten Blick die breite Wahl: Auf der Ausfallliste sind lediglich Bleron Visoka (Beckenprellung) und der Ersatztorhüter Ali Bozatziolou (Muskelfaserriss). Beim genaueren Hinschauen kommt jedoch ein Handicap hinzu: Fünf Spieler des Kaders befinden sich derzeit aktiv im Fastenmonat Ramadan und sind entsprechend geschwächt – außer dem eh fehlenden Visoka auch der Spielmacher Nedim Pepic, der Torjäger Luan Kukic sowie Yilmaz Daler und Adin Kajan.
Nicht die besten Voraussetzungen also für die angepeilte Revanche. Zur Erinnerung: Im Hinspiel gingen die Echterdinger gegen den Tabellensiebten Nöttingen mit 1:6 unter. Es war damals nach einem noch durchaus viel versprechenden Saisonbeginn des Klassenneulings der Anfang eines Negativlaufs, aus dem die Mannschaft bis heute nicht mehr wirklich herausgekommen ist. Zwischenzeitlich, bis Anfang Dezember, gingen zwölf von 13 Spielen verloren. Und auch heuer blieb die erhoffte größere Wende bislang aus.
Was also, wenn der Weg letzten Endes wirklich direkt zurück in die Verbandsliga führen sollte? Wenn das mittlerweile benötigte Fußballwunder nicht mehr geschieht? Für den Fall hätte Kiesel, bei allem verbalen Winden ums unliebsame Thema, zumindest schon eine weitere kämpferische Ansage. Diese lautet: „Dann würden wir für eine ebenso schnelle Rückkehr nach oben arbeiten.“ Mit den aktuellen Spielern will er bis spätestens Mitte April Klarheit haben – unabhängig von der künftigen Ligazugehörigkeit. Die Absichtserklärung: Der Großteil soll bleiben.
Als sicher gilt nach jetzigem Stand nur der Abgang eines Leistungsträgers: Der Torhüter Maximilian Otto dürfte so oder so nicht zu halten sein – trotz noch bis 2026 laufenden Vertrags. Bei den beiden Donzdorf-Wunschkandidaten derweil weiterhin Warteschleife: Bei Melih Caliskan (22, Abwehr) zeichnet sich laut Kiesel inzwischen ab, dass er, wenn überhaupt, erst im Sommer bei Calcio einsteigen wird. Und der Angreifer Mert Özdemir? „Er ist ein Pokerspieler“, sagt Kiesel. An Angeboten fehlt es dem Youngster offenkundig nicht. Aus Echterdinger Warte bedeutet dies: mal schauen.