Sie hatten sich so viel vorgenommen. Sie wollten es deutlich besser machen, als noch bei der 0:4-Niederlage Ende August im Achtelfinale des Verbandspokals. Doch es kam ganz anders. Mit 0:7 (0:3) mussten sich die Oberliga-Fußballer des SV Fellbach vor rund 750 Zuschauern im heimischen Max-Graser-Stadion der TSG Balingen geschlagen geben. „Das war mit Abstand unsere schlechteste Saisonleistung“, sagte der Fellbacher Trainer Tomislav Zoric. Vor allem die Art und Weise, wie die Niederlage zustande kam, störte ihn.
Schon nach elf Minuten liegt der SVF mit 0:1 hinten
Aber der Reihe nach. Mit der TSG Balingen stellte sich am Freitagabend nicht irgendeine Mannschaft vor, sondern der Spitzenreiter, der bis dato alle seine elf Liga-Spiele gewonnen hatte. Und so traten die Akteure um den Trainer Murat Isik dann auch auf: nämlich spitzenmäßig. Schon in den ersten 15 Minuten wurde klar, dass die Gäste auch am zwölften Spieltag drei Punkte verbuchen wollten. Sie ließen den Ball laufen, sie spielten druckvoll, sie machten keine Fehler, und sie ließen ihren Gegenübern bei Ballbesitz keine Sekunde Zeit, über den nächsten Pass nachzudenken.
Und so dauerte es auch nur bis zur elften Minute, ehe die TSG mit einem Treffer von Pedro Almeida Morais in Führung ging. Der Treffer war, wie alle folgenden, kein Zufallsprodukt, sondern fein herausgespielt. 15 Minuten später besorgte der Kapitän Matthias Schmitz das 2:0 per Kopf. Nach der ersten Ecke stieg er am höchsten – Bleron Berisha im Tor des SVF hatte keine Abwehrchance. Das 3:0 war dann eine Demonstration, die ihresgleichen sucht. Gleich drei TSG-Spieler gewinnen im SVF- Strafraum den Zweikampf, ehe der Ball den Weg zu Enrique Katsianas-Sanchez findet, der ihn wuchtig unter die Latte knallte (31.).
Muhamad Sanyang vergibt zwei Großchancen
Zuvor, und das muss man den Fellbachern zugute halten, hatten sie zwei riesengroße Chancen gehabt – zum möglichen 1:1 respektive zum möglichen 2:2. Beide Male vergab sie allerdings Muhamad Sanyang. Das war es dann auch schon mit Hochkarätern bei den Fellbachern, obschon diese von der 38. Minute an in Überzahl agierten. Balingens Marko Pilic hatte nach einem angedeuteten Kopfstoß von Schiedsrichter Jonathan Woldai (Schiedsrichtergruppe Stuttgart) die rote Karte gesehen.
Zwölf der 15 Balinger Zugänge sind jünger als 21 Jahre
Wer nun hoffte, die Hinausstellung könnte den Fellbachern in die Karten spielen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Gerade einmal sechs Minuten waren nach Wiederanpfiff gespielt, da stand es nach einem Doppelpack von Enrique Katsianas-Sanchez binnen zwei Minuten bereits 5:0. Der Drops war gelutscht. Mit sechs Schüssen aufs Tor hatten die Gäste fünf Treffer erzielt. „Das ist halt Qualität“, sagte Murat Isik, der den Erfolg beim Aufsteiger hoch bewertete und vor allem in der Höhe nicht als selbstverständlich ansah. Schließlich hatte die TSG im Sommer nach dem Abstieg aus der Regionalliga einen ähnlich großen personellen Umbruch wie der SVF zu verkraften. „Von unseren 15 Zugängen sind zwölf jünger als 21 Jahre. Wir sind nach den Villingern und den Fellbachern die drittjüngste Mannschaft in der Liga“, sagte Isik, der sich schließlich noch über das 6:0 von Denis Latifovic per Foulelfmeter (66.) und das 7:0 von Jan Ferdinand nach einer Ecke (84.) freuen durfte.
Am nächsten Sonntag geht es bei der SG Sonnenhof Großaspach weiter
Zoric übernahm für das Auftreten der Seinen nach der Pause die volle Verantwortung, denn er hatte angesichts des 0:3-Rückstands angeordnet, alles nach vorn zu werfen – was gründlich in die Hose ging. Jetzt gilt es für die Fellbacher schnell den Blick nach vorn zu richten, denn bereits am nächsten Sonntag, 15 Uhr, steht das Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten SG Sonnenhof Großaspach um die beiden Ex-Fellbacher Niklas Pollex und Alexander Michalik an.
SV Fellbach: Berisha – Mallet (60. Strahl), Bauer (46. D’Aleo), Njie, Campanile, Hohloch – Binner, Egle (61. Moreno), Fossi – Causevic, Sanyang (63. Malonga).