Fußball-Oberliga: SV Fellbach Der neue Mann für die verrückte Mission
Der aus Korb stammende Tomislav Zoric, 30, ist der neue Trainer des Oberliga-Aufsteigers SV Fellbach. Er hat die A-Lizenz und war zuletzt beim VfB tätig.
Der aus Korb stammende Tomislav Zoric, 30, ist der neue Trainer des Oberliga-Aufsteigers SV Fellbach. Er hat die A-Lizenz und war zuletzt beim VfB tätig.
Für Nicole Sdunek war schnell klar, dass er der richtige Mann ist. Spätestens als die Abteilungsleiterin der Fußballer des SV Fellbach Tomislav Zoric nach einem ersten gemeinsamen Gespräch zum Aufzug begleitet hatte, war ihr klar, dass der 30-Jährige exakt zur „Fellbacher DNA“ passe – und der perfekte Trainer für den Neuaufbau nach großem personellen Umbruch (wir haben mehrfach berichtet) in der Oberliga sei. Allerdings musste die Abteilungschefin Mitte April noch zwei Tage warten, ehe sie die Zusage des A-Lizenz-Inhabers bekam. Dann war die Erleichterung groß. „Ich bin dankbar, dass er so verrückt ist“, sagt Sdunek und lacht. Denn auch die Mission, in die die Fellbacher Kicker nach dem Aufstieg in die Oberliga mit dem ersten Spiel am Wochenende 3./4. August starten, sei ja „eine verrückte“.
Den ersten Kontakt zu Tomislav Zoric, der aus Korb stammt, inzwischen aber mit seiner Frau und der dreijährigen Australian-Shepherd-Hündin Maja in Degerloch wohnt, hat der einstige Sportliche Leiter Markus Weiß hergestellt. „Wir kennen uns schon lange“, sagt Zoric. Bei seiner Vorstellung in der Runde mit Sdunek und dem Sportdirektor Frank Weinle sei man sich dann schnell gegenseitig sympathisch gewesen. „Was Tomi gesagt hat, war schlüssig und passend, mir war schnell klar, dass ich ihn als Trainer haben will“, sagt Sdunek. Dass die Abteilungsleiterin seinerzeit gleich mit offenen Karten spielte – prekäre finanzielle Situation, noch kein schlagkräftiges Team, unklare Ligazugehörigkeit – hat den neuen Mann an der Seitenlinie mehr beeindruckt denn abgeschreckt. „Ich fand unser Gespräch sehr transparent, ehrlich und vertrauensbildend“, sagt Zoric, der zuletzt als Co-Trainer Analyse beim VfB Stuttgart II tätig war. Zuvor war er beim Bundesligisten als Co-Trainer der U15, als Cheftrainer der U13 und als Co-Trainer der U17 in Verantwortung gestanden. Kein Wunder, dass er „VfBler durch und durch“ ist und das einzige Trikot, das er je besessen hat, eins vom VfB war. Der Name Hleb stand auf dem Rücken. „Er war in der Jugend mein Lieblingsspieler.“
Mittlerweile, zehn Wochen nach dem Gespräch mit Sdunek und Weinle, hat sich viel getan. Die Ligazugehörigkeit steht nach dem Meister-Coup fest, der Kader besteht mittlerweile aus 24 Akteuren, und finanziell werden deutlich kleinere Brötchen gebacken als zuletzt. Und auch das zunächst mitunter sehr kritische Umfeld von Zoric steht nun hinter ihm. „Natürlich konnten viele erst nicht verstehen, dass ich vom VfB II zum Krisenklub Nummer eins gehe. Aber inzwischen erfahre ich viel Unterstützung.“
Selbst mit dem Kicken hat Zoric beim SC Korb begonnen, bei dem er auch alle Jugendteams durchlief. Dann wechselte er zur Spvgg Rommelshausen, spielte ein Jahr beim TB Beinstein und heuerte schließlich beim FSV Waiblingen an. Letzteres hatte er seiner Schwester zu verdanken. Denn nachdem Zoric sein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Hohenheim, das er direkt nach dem Abitur begonnen hatte, wieder abgebrochen hat, hat sie ihm den Vorschlag gemacht, sich beim FSV für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu bewerben. Beim FSV hat er dann auch seine ersten Erfahrungen als Trainer im Jugendbereich gemacht. Ein Job, der in seiner Vita ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Weil es aber gleich gut geklappt habe, er immer ein enges und gute Verhältnis zu den Spielern aufbauen konnte, ist aus der Leidenschaft ein Beruf geworden. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Zoric, der inzwischen einen Masters-Abschluss in BWL hat, als hauptamtlicher Trainer gearbeitet.
Das ändert sich allerdings bald wieder. Von September an wird er hauptberuflich bei einem Wirtschaftsunternehmen arbeiten, Fußball rückt dann wieder ins zweite Glied. Zumindest was die Finanzen betrifft. Denn zeitlich ist der Aufwand fürs Hobby Nummer eins nach wie vor groß. Seit vergangener Woche bereiten sich die Fellbacher mit vier Trainingseinheiten wöchentlich die neue Runde vor. Nach dem Saisonstart werden es weiterhin drei, manchmal auch vier sein. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt da nicht. Ab und an spielt er mit seiner Frau Tennis. Ansonsten verbringt er die freie Zeit mit seinem engsten Umfeld, seinen Freunden, die er nicht aus den Augen verlieren möchte. Und deshalb geht er auch ab und an noch ins Training der Spvgg Rommelshausen. „In der zweiten Mannschaften spielen viele meiner Kumpels. Das macht dann auch immer Spaß“, sagt Zoric, der von sich sagt, ein eher ruhiger Zeitgenosse zu sein, der aber für jeden Spaß zu haben ist und auch mal über sich selbst lachen kann.
Ähnlich verhalte er sich auch als Trainer. Er sei umgänglich und ruhig, versuche immer ins Team reinzuhören, könne aber durchaus auch sein Temperament zeigen. Wie oft das künftig nötig sein wird, wird sich nach den ersten Spielen zeigen. „Natürlich starten wir als krasser Außenseiter in die Saison. Aber wir sind bestimmt kein Kanonenfutter“, sagt der neue Coach.
Kader
Zum vorläufigen Oberliga-Kader des SV Fellbach gehören folgende Spieler: Matteo Binner (Mittelfeld), Jamie Miller (Mittelfeld), Giuliano D’Aleo (Mittelfeld), Alper Arslan (Sturm), Patrick Fossi (Mittelfeld), Leonidas Tziros (Mittelfeld), Felix Dreher (Abwehr), Adao Gutzeit (eigene zweite Mannschaft/Abwehr), Levin Härtel (eigene A-Junioren/Torwart), Rafail Filippidis (eigene A-Junioren/Abwehr), Bleron Berisha (TSV Oberensingen/Torwart), Thomas Bauer (zuletzt USA-College/Abwehr), Niklas Weiß (pausierte, davor SVF/Abwehr), Yannik Egle (FV Ravensburg/Mittelfeld), Muhamed Sanyang (TSG Backnang/Mittelfeld), Leon Leuze (TSG Backnang/Mittelfeld), Yannick Mallet (TSG Backnang/Abwehr), Henry Strahl (SKV Rutesheim/Abwehr), Oscar Moreno (SSV Reutlingen U19/Abwehr), Joans Kohler (Stuttgarter Kickers/Mittelfeld), Benjamin Causevic (FC Hertha Wels II, Österreich/Sturm), Silas Ihde (SG Sonnenhof Großaspach/Torwart), Bleart Dautaj (SG Sonnenhof Großaspach/Sturm), Ibrahim Nije (1. CfR Pforzheim/Abwehr).