Jubel in Blau: Der TSV Heimsheim kehrt zurück in die Fußball-Bezirksliga. Foto: Andreas Gorr
Der TSV Heimsheim spielt nach dem 2:0 (1:0) im Relegationsspiel über den SGV Murr in der neuen Saison wieder in der Fußball-Bezirksliga. Lino Widmaier ist der Mann des Spiels.
Alle stürmten sie auf Lino Widmaier zu. Alle wollte den großen, schlaksigen Stürmer des TSV Heimsheim drücken, herzen und vielleicht sogar auch küssen. Der 22-Jährige hatte seinen Club mit zwei Toren zurück in die Bezirksliga geschossen – der TSV schlug im entscheidenden Relegationsspiel den SGV Murr verdient mit 2:0 (1:0).
„Ich bin fix und fertig, aber wahnsinnig stolz auf die Mannschaft“, freute sich TSV-Coach Oliver Kudera, „was sie geleistet hat – mega. Und der Sieg geht voll in Ordnung.“ Die Heimsheimer kehren zwei Jahre nach ihrem Abstieg wieder zurück eine Etage höher. Spielführer Tim Widmaier strahlte nach dem Schlusspfiff über beide Backen. „Hochverdient war das“, sagte er, „es war das anstrengendst Spiel, das ich je gemacht habe.“
Ein Mann mit (fast 100-prozentiger) Torgarantie: Lino Widmaier Foto: Andreas Gorr
Die Partie hatte verhalten begonnen, beide Teams wollte bei mehr als 30 Grad Celsius bloß keinen Meter vergebens laufen und bloß keinen Fehler machen. Die erste Gelegenheit besaß SGV-Spielführer David Werner, der von der Heimsheimer Strafraumkante einen tückisch angeschnittenen Ball in Richtung Tordreieck schlenzte – doch TSV-Schlussmann Heiko Dieter brachte gerade noch die Fingerspitzen dran (6.).
Heimsheim gibt den Ton an
Danach war von Murr nur wenig Produktives zu sehen. Der TSV Heimsheim war die aktivere Mannschaft, die mehr investierte – wenngleich die wirklich großen Torchancen so rar gesät waren wie Schatten auf dem Spielfeld. Der TSV suchte immer wieder Zielspieler Lino Widmaier, der vor allem von der linken Seite durch den eminent fleißigen Murat Gündüz mit Flanken gefüttert wurde.
Stolz, glücklich und geschafft: TSV-Trainer Oliver Kudera Foto: Andreas Gorr
Aber meist war die SGV-Abwehr Herr im eigenen Strafraum. Einmal bugsierte Vincenzo Demarco einen Ball über SGV-Keeper Kevin Pollich, doch die Kugel landete auf dem Tornetz. Heimsheim hatte das, was Diät-Kandidaten hassen: Übergewicht. Doch das 1:0 wollte nicht fallen. Den Schuss von Lino Widmaier parierte der Murr-Torhüter (37.) zwar noch, doch eine Minute später fiel das erste Tor auf dem Renninger Rasen. Wer war’s? Lino Widmaier. Der Stürmer setzte sich gegen Felix Sosalla durch, den ersten Schuss parierte Torhüter Pollich, beim akrobatischen Nachschuss war er machtlos. Das 1:0 zur Pause für Heimsheim war verdient.
Das 2:0 lässt lange auf sich warten
Ein schnell nachgelegtes 2:0 hätte bei TSV-Trainer Oliver Kudera und den vielen Heimsheimer Fans sicherlich den Schweißfluss gemindert, doch diesen Gefallen taten ihnen die Kicker auf dem Spielfeld nicht. Oliver Münzer war von Tim Widmaier steil geschickt worden, doch SGV-Keeper Pollich verkürzte gut den Winkel (53.). Tim Widmaier selbst hätte es richten können mit dem 2:0; nachdem Gündüz überragend vorgearbeitet und den Ball blitzblank aufgelegt hatte, verzog der TSV-Spielführer (62.). Oder Nico Österreicher, der den Ball vertändelte, anstatt zu schießen (67.). „Wir hatten so viele Chancen, aber nutzten keine“, sagte Kudera.
Unverschämt fleißig auf der linken Seite: Dauerrenner Murat Gündüz (re.) vom TSV Heimsheim. Foto: Andreas Gorr
Die allerbeste Gelegenheit zum erlösenden 2:0 für den TSV vergab jedoch Lino Widmaier, als er nach gut 80 Minuten alleine auf Murrs Schlussmann Pollich zumarschierte – sein Schieber verfehlte das Tor knapp. So viele Chancen, kein Tor – Michael Winkle vom SGV Murr hätte die Nachlässigkeit bestrafen können. Nach 88 Minuten tauchte er frei vor TSV-Tormann Dieter auf, der seinen strammen Schuss zur Ecke lenken konnte. Es war Murrs einzige Chance nach der Pause. „Ich hatte wirklich Angst, dass sich unser Chancenwucher noch rächt“, sagte Kudera. „Wir müssen das Spiel früher klar machen“, fand auch Tim Widmaier.
Der Jubelhaufen des TSV Heimsheim nach dem 2:0 von Lino Widmaier. Foto: Pressefoto Baumann
Und dann kam sie doch noch, die Erlösung. In der Nachspielzeit ergatterte der TSV-Angreifer nach einem Steilpass im Pressschlag gegen den SGV-Torhüter den Ball und lupfte ihn in Richtung leeres Tor – die Kugel sprang auf, ging an die Latte, fiel zu Boden und der Effet sorgte dafür, dass sie über die Linie trudelte, bevor Schlussmann Pollich sie schnappen konnte. Der Jubel in Blau kannte keine Grenzen. „Lino war überragend“, sagte Coach Kudera, „er hat super gespielt und viel fürs Team gearbeitet.“
Und was meinte Matchwinner Lino Widmaier zum Aufstieg des TSV Heimsheim? Nicht viel. „Ich freue mich auf die Bezirksliga“, sagte er kurz und knapp. Dann machte er sich auf, um mit dem Team zu feiern.