Als in der Winterpause durchsickerte, dass acht Stammspieler K.F.I.B. Sindelfingen nach internen Unstimmigkeiten verlassen würden, schrieben viele den Spitzenreiter schon ab. Der hatte bis dahin zwar jedes einzelne Spiel gewonnen, aber angesichts der Abgänge so vieler Leistungsträger schien es schwierig, dieses Niveau zu halten. Doch die Kicker, die stattdessen aufliefen, straften alle Zweifler Lügen und schafften es als Vizemeister in die Relegation zur Fußball-Kreisliga A, Staffel III, Stuttgart/Böblingen.
Rückblick auf eine wahnsinnig erfolgreiche Hinrunde: „Was uns stark gemacht hat, war, dass wir uns zu einem Team entwickelt hatten und nicht mehr nur individuell gut besetzt waren“, sagt Lirigezon Zogu, der inzwischen Kapitän der Mannschaft ist. Der Zusammenhalt habe gepasst, alle hätten sich untereinander bestens verstanden. Zehn Dreier aus zehn Partien sprachen eine deutliche Sprache. „Wir wussten, was wir draufhaben, und waren mit dem Saisonziel Aufstieg gestartet.“
Dann aber kamen die Querelen. „Das hätte niemals passieren dürfen und war absolut schade“, schüttelt Lirigezon Zogu den Kopf und nennt mangelnde Kommunikation als Ursache. „Alle Beteiligten hätten sich an einen Tisch setzen und ehrlich miteinander reden sollen. Sowohl der Vorstand als auch die Jungs, die dann gegangen sind. Dann hätten sie auch eine Lösung gefunden.“ Es sei ja kein riesiger Vorfall gewesen, der den Disput hervorrief, sondern viele Kleinigkeiten, die sich summierten. „Aber über die hätte man doch sprechen können“, findet der 24-Jährige.
Von der Startelf der ersten Halbserie blieben nur noch er selbst, Besart Bashota und Endrit Qerimi übrig. Dazu kamen mit Rinor Zogu und Adonis Gashi zwei Ersatzspieler, die nun ihre Chance von Beginn an erhielten und diese nutzten. Von den externen Neuzugängen etablierten sich Valon Gashi und Sokol Dani, die Rückkehrer Hakan Kantas, Genc Shuleta und Hysen Paqarizi trugen ebenfalls ihr Scherflein bei. Und so blieb Isa Boletini weiterhin eine ernst zu nehmende Truppe.
„Im Januar dachte jeder, bei uns sei es vorbei“, blickt Lirigezon Zogu zurück. „Freunde haben mich sogar gefragt, was ich noch bei diesem Verein will.“ Doch die Kicker ließen sich von diesen Stimmen nicht beirren. Ihre Pläne, oben mitzumischen, änderten sie nicht. „Für uns war das realistisch. Wir haben an uns geglaubt.“ Der Spielführer hatte zwei Möglichkeiten vor Augen: „Das Chaos hätte uns komplett kaputtmachen können, dann wären wir nur Sechster oder Siebter geworden“, nennt er das Worst-Case-Szenario. „Oder es würde dafür sorgen, dass wir uns zusammenraufen und jeder für den anderen kämpft.“ Genau so eine Jetzt-erst-recht-Mentalität ist eingetreten. Allerdings nicht aus Trotz. „Es war ein gesunder, innerer Ansporn. Wir wollten es uns selbst beweisen, nicht den Abgängen.“
Dennoch wussten die Sindelfinger natürlich nach dem plötzlichen Umbruch nicht, wo sie stehen. Das 0:0 gegen Kellerkind Oberjettingen II war gleich ein Dämpfer. „Aber bei allem Respekt: Wir hätten gewinnen müssen“, findet Lirigezon Zogu. Gleiches gelte für das 0:1 gegen den direkten Rivalen KSC Sindelfingen. Und das 3:4 beim späteren Meister SpVgg Holzgerlingen II durch zwei Gegentreffer in der Nachspielzeit sei extrem bitter gewesen. „Nach solchen schweren Rückschlägen sind wir aber immer zurückgekommen. Hut ab. Das hat uns ausgezeichnet.“
Nun besteht nach all dem, was passiert ist, die Möglichkeit, über die Relegation tatsächlich noch aufzusteigen. Am Sonntag um 17 Uhr geht es in Ehningen gegen den TSV Dagersheim III. „Das wird über die Zweikämpfe entschieden“, ist Lirigezon Zogu von einer spannenden Angelegenheit überzeugt, bei der er und seine Kollegen noch einmal alles reinhauen möchten. „Meistens ist der Kader zu diesem Zeitpunkt schon sehr dünn, aber wir haben alle Mann an Bord.“ Noch etwas also, das anders kommt, als von vielen erwartet.