Fußball, SF Kayh und FV Mönchberg Darum gab es keine Alternativen mehr zur Gründung einer Spielgemeinschaft

Die Abteilungsleiter Nick Notter von den SF Kayh (li.) und Matthias Mayer vom FV Mönchberg (re.) haben die ersten Herausforderungen gemeistert und blicken positiv in die Zukunft. Foto:  

Die Fußballer von FV Mönchberg und SF Kayh laufen ab der kommenden Saison als Spielgemeinschaft auf. Aus jahrelanger Rivalität wird eine Zusammenarbeit – und das war absolut notwendig.

Volontäre: Maximilian Schöbel (scm)

SV Böblingen gegen TSV Dagersheim oder auch VfL Sindelfingen gegen GSV Maichingen – es sind stets besondere Duelle im Fußball, wenn zwei Stadtteile aufeinandertreffen. Spiele, die oft jahrelang in Erinnerung bleiben und noch mal ein paar Prozent mehr Leistung aus den Kickern herauskratzen. Der Kreis Böblingen muss in Zukunft auf eines dieser Duelle verzichten.

 

Die SF Kayh und der FV Mönchberg machen unter dem neuen Namen SG Kayh/Mönchberg ab kommender Saison gemeinsame Sache im Aktivenbereich. Dieser Schritt schwebte schon länger in den Köpfen, und spätestens mit der Abmeldung der Reserve des FVM im Oktober war klar, dass sich etwas ändern muss.

SF Kayh und FV Mönchberg bekommen es nur noch als SG hin

„Es ist auf lange Sicht notwendig. Wir bekommen es nicht mehr anders hin“, sagt Abteilungsleiter Matthias Mayer. „Mitte November war dann klar: Wir ziehen das durch.“

Denn beiden Vereinen fehlt der Nachwuchs. Zwar gibt es schon ab der F-Jugend einen Zusammenschluss, der in höheren Altersklassen sogar von weiteren Gäuklubs ergänzt wird – aber dennoch gelingt es nicht, eine A-Jugend zu stellen. Aus dem Juniorenbereich kommt also kein junges Spielermaterial mehr in den Aktivenbereich nach.

Entscheidung zu einer SG Kayh/Mönchberg fiel nicht von heute auf morgen

Die Entscheidung zu einer SG fiel zwar überraschend schnell, aber nicht von heute auf morgen. „Wir haben Spieler, Verein und Umfeld mitgenommen und anhand der positiven Resonanz entschieden“, erklärt Nick Notter, Abteilungsleiter der SF Kayh. „Die größte Herausforderung zu Beginn war, die Strukturen des anderen Vereins zu verstehen. Erst dann konnten wir uns auf das Sportliche konzentrieren.“ Für den Spielbetrieb 2026/2027 sind zwei Aktivenmannschaften, sowie eine Reserve geplant.

Trotz des bereits Ende Januar unterzeichneten Vertrags gibt es bis zur kommenden Saison noch einiges zu tun. Angefangen bei den Trikots, die beide Wappen enthalten sollen. „Wir suchen gerade noch nach einer guten Farbkombination. Es wird aber kein eigenes Logo geben, die Vereine bleiben ja an sich bestehen“, begründet Notter.

SF Kayh und FV Mönchberg teilen Heimspiele und Training gleichmäßig auf

Weiterer wichtiger Aspekt: Schon bei den Gesprächen im Herbst war klar, dass eine Spielgemeinschaft nur dann funktioniert, „wenn wir Trainingsbetrieb und Heimspiele gleichmäßig aufteilen“, so Notter.

Bei der Zusammenlegung beider Mannschaften ist auch die Ressourceneinteilung ein großes Thema. Da beide Vereine jeweils nur einen Platz und eine Gästekabine zur Verfügung haben, und bei einem Heimspieltag bis zu drei Spiele stattfinden werden, suchen die Verantwortlichen nach möglichen Lösungen. „Ich denke da an ein Frühschoppen-Spiel um 11 Uhr auf dem einen Platz, und zwei Nachmittagsspiele auf dem anderen“, erklärt Mayer.

Fußballplätze von SF Kayh und FV Mönchberg trennen anderthalb Kilometer

Beide Sportstätten trennen anderthalb Kilometer Fußweg durch den Wald, es gäbe genug Zeit für interessierte Zuschauer, den Platz zu wechseln. Denn eines ist Mayer besonders wichtig: „Wir wollen die Mannschaften nicht auseinanderzerren. Da kicken Kumpels zusammen, die sollen danach alle ein Bier miteinander trinken können.“ Eine Tradition, die bereits bei den jüngsten Begegnungen zwischen den Noch-Kontrahenten zu tragen kam. Bei Duellen, in denen lange nicht mehr die große Rivalität früherer Zeiten herrscht und trotzdem ein Kribbeln bei allen Beteiligten vorhanden ist.

Am 12. April wird es das vorerst letzte Derby der beiden Herrenberger Stadtteile geben. „Ich will noch gar nicht daran denken. Es bringt nichts, aus Nostalgiegründen daran festzuhalten, und trotzdem finde ich es sehr schade, dass so ein Derby verloren geht“, beschreibt Notter.

Keine leichte Aufgabe: Jürgen Axt wird in der kommenden Saison die neue Spielgemeinschaft aus den SF Kayh und dem FV Mönchberg trainieren. Foto: Kevin Schuon

Letztes Duell SF Kayh gegen FV Mönchberg am 12. April

Auf das finale Nachbarschaftsduell wird einer ganz besonders blicken: Mit Jürgen Axt hat die SG Kayh/Mönchberg einen erfahrenen Trainer gewinnen können, für den die Zusammenlegung zweier Teams aber auch Neuland bedeutet: „Das ist eine sehr reizvolle Aufgabe auf die ich mich sehr freue.“

Nachdem der aktuelle Coach der SF Kayh, Arne Bauer, bereits im November angedeutet hatte, dass es seine letzte Saison auf der Kommandobrücke wird, und der FV Mönchberg nach der Trennung von Ralf Schneider zur Rückrunde auf eine interne Lösung gesetzt hatte, waren sich beide Vereine einig, dass eine externe Lösung her muss. „Für mich ist es ein perfektes Match. Jürgen Axt hat eine Idee und Empathie“, sagt Notter. „Für uns war es wichtig, einen erfahrenen Mann für diese Verschmelzung zu finden.“

Jürgen Axt schaut jetzt schon die Spiele von SF Kayh und FV Mönchberg an

Mit Blick in die Vergangenheit erinnert sich Axt, der zuletzt bis 2024 beim SV Bondorf unter Vertrag stand, noch gut an Spiele gegen seine neuen Schützlinge: „Die Auswärtsspiele waren immer unangenehm. Das lag zum einen an den Zuschauern, zum anderen an den versteckten Plätzen im Wald. Ich freue mich sehr, jetzt auf der Gastgeberseite zu stehen.“

Zur Vorbereitung versucht der künftige SG-Trainer, so oft es geht als Zuschauer neben dem Platz zu stehen und seine neuen Schützlinge genau unter die Lupe zu nehmen. Denn eines ist klar: „Ich werde eine große Auswahl haben. Jeder hat die Chance, sich zu zeigen.“

SF Kayh spielen um den Aufstieg in die Kreisliga A mit

Sportlich könnten die Vorzeichen vor der Rückrunde für beide Mannschaften unterschiedlicher nicht sein. Während der FV Mönchberg mit vier Punkten auf dem vorletzten Rang der Kreisliga B, Staffel VI, Stuttgart/Böblingen steht, haben die SF Kayh, die aktuell Relegationsplatz zwei belegen, die Chance, in die Kreisliga A aufzusteigen. „Natürlich wäre das reizvoller, aber ich nehme es so, wie es kommt. Ich denke, es gäbe nichts Schöneres für Arne Bauer als einen Aufstieg zum Abschied“, sagt Axt.

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