Fußball Spvgg Renningen Trainer Marcel Pfeffer: Niederlagen-Serien belasten brutal

Oben bleiben: Für die Spvgg Renningen (Foto: Noa Geiger/li.) soll es mehr als nur eine Saison in der Bezirksliga werden. Foto: Andreas Gorr

Marcel Pfeffer, der Trainer des Fußball-Bezirksligisten Spvgg Renningen, über den ersten Sieg des Aufsteigers, die Freuden und Sorgen eines Amateur-Coaches – und das Zusammenspiel mit der Partnerin.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Vergangenen Sonntag herrschte Jubel bei den Fußballern der Spvgg Renningen, nachdem das Team in der Nachspielzeit beim SV Salamander Kornwestheim mit 3:2 den ersten Dreier der Saison eingefahren hatte. Doch Trainer Marcel Pfeffer (42) ist klar, dass das erst der Anfang zum Unternehmen Klassenverbleib gewesen sein darf.

 

Herr Pfeffer, der erste Sieg ist errungen – fühlt man da als Coach eine Befreiung?

Auf jeden Fall. Wir haben uns den Saisonauftakt natürlich anders vorgestellt, aber wir mussten erst mal Lehrgeld bezahlen und haben gebraucht, uns zu adaptieren.

Aufsteiger tut sich oft schwer. Ein Blick zum TSV Heimerdingen in die Verbandsliga genügt.

Aber andererseits sagt man, Aufsteiger zehren von der Euphorie der Vorsaison. Aber wir hatten einen großen Umbruch im Kader, es kamen zehn neue Spieler, es gab ähnlich viele Abgänge, zum Teil in die zweite Mannschaft. Da mussten wir uns erst finden, weil die Vorbereitung mit Urlaubern und Verletzten nicht optimal lief. Wir haben mittlerweile unser System umgestellt: Zu Beginn der Saison waren wir deutlich mutiger nach vorn, aber eben auch anfälliger nach hinten.

Ein Sieg reicht nicht zum Ligaverbleib.

Klar, aber für die Jungs war das eine Befreiung, weil manche im Kopf schon gezweifelt haben. Das kann erst der Anfang gewesen sein. Wir müssen schauen, dass wir bis zur Winterpause den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze halten.

Sie sind seit vielen Jahren Trainer – welche Situation war die, die Sie am stärksten gefordert oder belastet hat?

Das war wohl bei der SKV Rutesheim. In meiner ersten Saison haben wir den Nichtabstieg geschafft, in der zweiten sind wir zwar gut gestartet, aber dann in einen Strudel geraten, aus dem wir nicht mehr rausgekommen sind.

Wie sehr macht Ihnen so eine Negativserie als Trainer zu schaffen?

Das ist brutal. Obwohl es ja ein Hobby und nur Amateur-Fußball ist, erwische ich mich in solchen Situationen, dass ich vor dem Fernsehen daheim plötzlich beginne, über verschiedene Spielsituationen nachzudenken. Und die Laune wird auch davon beeinflusst. Am Sonntag nach unserem Sieg habe ich bemerkt im Gespräch mit Kapitän Felix Dietrich, dass wir beide viel besser drauf waren als in den Wochen zuvor. Und meine Frau wird auch bestätigen, dass ich nach Siegen umgänglicher bin als nach Niederlagen.

Rückendeckung der Abteilungsleitung

Gibt es eine latente Angst vor einem Rauswurf? Bei der SKV Rutesheim ...

... habe ich im Herbst 2022 den Schlussstrich gezogen, weil ich festgestellt habe, ich kann nichts mehr bewirken, obwohl die Jungs mich überzeugen wollten, die Saison gemeinsam durchzuziehen. Aber mir war klar, dass es eine neue Konstellation geben muss. Mir hat der Glaube gefehlt, dann ist es nur fair, den Rückzug anzutreten.

Nochmal: Gibt es die Angst vor einem Rauswurf während einer Pleitenserie?

Ja klar, hat man solche Gedanken auch. Im aktuellen Fall sage ich mir: In welcher Situation habe ich die Spvgg Renningen übernommen und wo steht sie heute? So viel Selbstvertrauen in meine Arbeit habe ich. Ich denke, dass ich der Richtige bin. Aber klar ist auch: Hätten wir zehn Niederlagen am Stück gesammelt, müssten sich Abteilungsleitung und Trainer schon intensiv unterhalten.

Die Rückendeckung ist vorhanden?

Ja, die Abteilungsleitung mit Stefan Heimerdinger und Sven Heinkele hat mir klar zu erkennen gegeben: Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das gemeinsam hin.

Die SVR ist ein Traditionsclub, der große Zeiten hinter sich hat.

Das ist Segen und Fluch zugleich. Nur weil der Verein große Tradition hat, kann man nicht dämliche Parolen raushauen und unmögliche Dinge fordern – wir wollen uns zunächst in der Bezirksliga etablieren. Das ist unser Ziel.

Geld allein macht keinen Erfolg

Tradition schießt keine Tore – Geld schon, oder?

Hmm, ja definitiv. (Überlegt.) Es gibt schon einige Clubs, die ich nicht nennen möchte, die nach oben schießen, weil entsprechend Geld vorhanden ist – es gibt aber auch Beispiele, wo wenig Geld fließt und trotzdem erfolgreich gearbeitet wird. Geld macht die Sache sicher einfacher, aber es muss schon mehr dabei sein. Wenn man nur mit Scheinen wedelt, der Club aber nicht auf gesunden Füßen steht und kein Konzept besitzt, funktioniert das ein paar Jahre, ist aber nicht nachhaltig.

Wie wichtig sind moderne Hilfsmittel? Spiele werden aufgezeichnet und analysiert, es gibt viele Tools.

Ich mache das, seit ich in Renningen bin, mit dem Veo-System (Video-Aufzeichnung- und Analyse-System, d. Red.), das ist natürlich ein zusätzlicher Aufwand, aber ich mache das gerne – doch der Zeitaufwand muss mit Familie und Beruf vereinbar sein. Es gibt schon Abende, an denen meine Frau auf dem Sofa Fernsehen schaut, ich daneben sitze und auf dem i-Pad Videos schneide für die nächste Trainingseinheit. Da fragt sie mich auch mal, ob ich noch alle Latten am Zaun habe.

15 Stunden Arbeit pro Woche

Wie viele Wochenstunden benötigt der Trainerjob?

(Rechnet im Kopf.) Ich komme so in etwa auf 15 Stunden, da ist alles dabei rund ums Training und ums Spiel. Nicht eingerechnet ist die Kommunikation per Whatsapp mit Abteilungsleitung oder Team.

Wie viel Nähe zur Mannschaft muss sein, wie viel Distanz ist nötig?

Das ist ein schmaler Grat. Ich bin ein Trainer, der eher die Nähe pflegt, ich benötige den Kontakt und will wissen, wie die Spieler ticken, was sie umtreibt. Dazu gehört auch, mit ihnen gemeinsam außerhalb des Spielfelds Spaß zu haben. Ich werde nie ein Trainer sein, der alleine in der Kabine hockt und nach dem Duschen sofort abhaut.

Fällt es Ihnen schwer, einen Spieler, den Sie gut leiden können, auf die Ersatzbank zu beordern?

Das ist Teil des Jobs. Man muss Entscheidungen treffen und die eigenen Gedanken offen und ehrlich kommunizieren. Dann kann ich auch mal sagen: Es ist ein Bauchgefühl, weshalb du heute nicht von Beginn an spielst. Und wenn du in einer Niederlagenserie steckst, kannst du auch nicht immer mit dem gleichen Team anfangen.

Am Sonntag geht es gegen den letztjährigen Aufsteiger SV Pattonville.

Es wäre klasse, wenn wir nachlegen könnten. Aber ganz ehrlich: Wenn wir gewinnen, ist das noch nicht der Klassenverbleib, wenn wir verlieren sind wir noch nicht abgestiegen. Natürlich würde uns ein Sieg weiterhelfen.

Weitere Themen