Fußball Spvgg Weil der Stadt Trotz Erfolgen: Coach Hanjo Kemmler muss gehen
Fußball-Kreisligist Spvgg Weil der Stadt steht so gut wie selten zuvor da – dennoch wird Trainer Hanjo Kemmler entlassen. Anscheinend hatte er zu große Ambitionen.
Fußball-Kreisligist Spvgg Weil der Stadt steht so gut wie selten zuvor da – dennoch wird Trainer Hanjo Kemmler entlassen. Anscheinend hatte er zu große Ambitionen.
Wird ein Fußballtrainer in der Winterpause gefeuert, weil das Team auf einem Abstiegsplatz steht, sorgt das kaum für Aufsehen. Anders ist dies, wenn der Trainer vor dem Aus sportlich so erfolgreich war wie Hanjo Kemmler bei der Spvgg Weil der Stadt. Mitte Dezember teilte der Kreisliga-Dritte über den Instagram-Kanal mit, man habe „entschieden, die Zusammenarbeit mit Trainer Hanjo Kemmler mit sofortiger Wirkung zu beenden.“
Die Entscheidung sei „nach sorgfältiger Betrachtung der Gesamtsituation sowie der langfristigen Ausrichtung des Vereins“ gefallen. Dabei betonte der Verein, die Entscheidung stehe in keinem Zusammenhang zur sportlichen Lage der Mannschaft und dankte Trainer Kemmler für seine Arbeit in den zweieinhalb Jahren Amtszeit.
In den vergangenen 20 Jahren stand Weil der Stadt zur Winterpause nie so gut da: die Spvgg hat nur drei Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter der Kreisliga A 2. Dabei trotzte Kemmler einer grassierenden Verletzungssituation, in jedem Spiel musste er die Startelf verändern, hatte oft nur einen Spieler auf der Bank. Aus dem 36-Mann-Kader verpassten 26 Spieler mehr als die Hälfte der Spiele. Trotzdem gewann die Spvgg elf von 14 Spielen und blieb elf Partien in Serie unbesiegt.
Für Kemmler kam das Aus daher überraschend. „Da schluckt man schon ein bisschen“, erzählt der Trainer, der 2023 nach neun Jahren bei Landesligist FC Gärtringen zur Spvgg kam. Das Aus sieht er mitunter in seinen Ambitionen begründet. „Wenn man auf Platz drei steht, wäre ich ein schlechter Trainer, wenn ich nicht vorne angreifen wollen würde“, sagt er, die Bestrebungen des Vereins seien andere gewesen.
„Der Verein hat langfristige Ziele“, erklärt Adrian Strasser, stellvertretender Leiter der Abteilung. Die Entscheidung zur Trennung habe schon länger geschwelt. Zwar wolle auch der Verein Erfolg, jedoch nicht um jeden Preis, betont Strasser. Der ambitionierte Kemmler habe teilweise den kurzfristigen sportlichen Erfolg über die langfristige Entwicklung gestellt, die in der Kreisliga anderen Faktoren unterliege als in der Landesliga. Deshalb sei der Coach aus Sicht der Spvgg eher für Aufgaben in höheren Ligen bestimmt. Die Trennung von Kemmler, der mit der Abteilungsleitung bereits vor seinem Engagement bekannt war, fiel aus menschlicher Sicht schwer, beteuert Strasser.
Den Gedanken, mit der Trennung bis zum Sommer zu warten, gab es nicht, zumal der Nachfolger bereits parat steht. Roland Haizmann, bislang Abwehrchef und Co-Trainer, übernimmt das Amt als Spielertrainer und wird vom Sportlichen Leiter Roland Mlikota unterstützt. Im Sommer wollen die Verantwortlichen nach einem neuen Co-Trainer suchen, Haizmann soll langfristig die Geschicke bei der Spvgg verantworten.
„Ich mache jetzt erstmal nichts“, sagt der 43 Jahre alte Kemmler. Wenngleich er bereits Anfragen vorliegen hat, ein Wiedereinstieg ins Trainergeschäft ist für ihn frühestens im Sommer ein Thema. Offen ist auch die Zukunft seines jüngeren Bruders Kevin, der bisher unter ihm spielte und die Spvgg Weil der Stadt mit unbekanntem Ziel verlässt.