Der Ex-Profi Matthias Morys von der SG Schorndorf (vo.) stellte Julian Häusler (2. v. re.) vor höhere Fußball-Aufgaben für Verteidiger. Foto: Andreas Gorr
Fußball-Landesligist SV Leonberg/Eltingen hat eine starke Halbrunde gespielt – einen Anteil daran hatte Allrounder Julian Häusler, der lediglich eine kleine Schwäche aufweist.
Einer wie Mats Hummels ist Julian Häusler nicht, auch wenn sie die Farben Gelb und Schwarz eint. Der langjährige Innenverteidiger von Borussia Dortmund, der Weltmeister von 2014, war gefürchtet, wenn er im gegnerischen Strafraum auftauchte, weil er mit seiner Kopfballstärke immer wieder für Tore sorgte. „Meine Torgefahr ist ausbaufähig“, räumt der Defensiv-Allrounder des SV Leonberg/Eltingen ehrlich ein.
Mit einem Mats Hummels muss sich der Amateur-Kicker nicht messen, zugegebenermaßen war der Ex-Profi mit seinen 1,91 Metern auch sechs Zentimeter größer als der 28-Jährige aus Eltingen. Aber auch sein Trainer würde sich über mehr Präsenz in den Luftkämpfen vor des Gegners Tor freuen. „Julian könnte schon ein bisschen gefährlicher bei Standards sein“, sagt SV-Robert Gitschier, „es fehlt ein bisschen die Durchschlagskraft.“
Häusler hat die meisten Einsatzminuten
Hört man lediglich diese Sätze, könnte ein Fußball-Fan, der sich nicht so intensiv mit dem Landesligisten beschäftigt, daraus schließen, dass Julian Häusler keinen ganz so hohen Stellenwert beim Aufsteiger besitzt. Es wäre ein massiver Trugschluss. Julian Häusler wäre nicht der König des Kaders an Einsatzminuten, wäre der Mann bloß ein Mitläufer. Auf 1305 Präsenzminuten summiert sich sein Einsatz in dieser Saison – lediglich ein Spiel hat Häusler komplett verpasst. „Als wir gegen den TV Oeffingen gespielt haben, war ich im Urlaub“, verrät der Dauerbrenner des SV.
Duell im Derby: Julian Häusler (li.) gegen Markus Wellert (re.) von der SKV Rutesheim – Lukas Feigl (Mi.) als stiller Beobachter. Foto: Andreas Gorr
Für Robert Gitschier spielt der Defensiv-Allrounder eine eminent wichtige Rolle im Mannschaftsgefüge. „Er ist laufstark, besitzt eine klasse Dynamik und ist absolut topfit“, schwärmt der Chefcoach, „und er besticht mit Zweikampfstärke und Stellungsspiel.“ Der so Gelobte weiß auch um seine Stärken, und deshalb fühlt er sich auf seiner Position in der Defensive so wohl wie Königspudel im Hundesalon. „Rechts in der Viererkette spiele ich am liebsten“, sagt Julian Häusler, „da kann ich meine Schnelligkeit ausspielen und auch meinen Offensivdrang ausleben.“
Die rechte Seite in der Kette ist seit der A-Jugend sein Revier, genauso gut füllt Julian Häusler aber auch die Position als Innenverteidiger aus; selbst wenn der Kicker hinten links aufgestellt wird, reagiert er darauf nicht allergisch. Der Mann ist ein Alleskönner, was Gitschier besonders schätzt. „Wenn ich die Defensive umbauen muss, warum auch immer“, betont der Coach, „kann ich Julian eigentlich überall hinversetzen.“
Wendiger Gegenspieler: Die SV-Kicker Axel Weeber (Mi.) und Julian Häusler (re.) kümmern sich um Ivanilson Guerra Matias vom FV Löchgau. Foto: Baumann/Julia Rahn
Nun haben sich die Eltinger unisono gut präsentiert als Neuling in der Landesliga – nach 16 von 30 Spieltagen findet man sie auf Platz sieben im gesicherten Mittelfeld. Wobei die drei Niederlagen zuletzt vor Beginn der Winterpause gegen Ilshofen (0:4), Weinstadt (1:4) und Öhringen (0:1) „bei uns ein wenig auf die Stimmung gedrückt haben“, wie Julian Häusler einräumt, „wir sind eben nicht mehr als ein Aufsteiger. Wir wissen uns schon richtig einzuordnen.“
Der SV Leonberg/Eltingen (Bilanz: je sieben Siege und Niederlagen, zwei Remis) lieferte gute und weniger gute Vorstellungen ab, und Julian Häusler hatte es dabei mit Gegenspielern zu tun, die er ziemlich gut im Griff hatte und welche, die ihm den Schweiß aus den Poren trieb wie die pralle Sonne bei 40 Grad einem Bauarbeiter. „Im Spiel beim FV Löchgau war ich extrem gefordert“, verrät er – der pfeilschnelle linke Außenstürmer Ivanilson Matias (früher TSV Heimerdingen) lieferte sich nicht nur einen Sprint mit Ball gegen den Eltinger und stellte ihn mit fixen Übersteigern vor höhere Aufgaben. „Der hat mir echt zu schaffen gemacht“, gibt Julian Häusler zu. Oder Ex-Profi Matthias Morys, der beim 3:1-Erfolg der SG Schorndorf in Eltingen zwei Tore selbst schoss und eines vorbereitete. „Daran erinnere ich mich gar nicht“, sagt der SV-Mann mit einem Lächeln.
Unterm Strich hat Julian Häusler deutlich mehr Zweikämpfe gewonnen als verloren, was für einen Abwehrspieler essenziell ist. Vielleicht wird das mit der Torgefahr nach der Winterpause wieder besser – in der Meistersaison in der Bezirksliga feierte der 28-Jährige sechs Treffer. In ihm steckt doch eine Prise Mats Hummels. Wobei der nicht der Fußballer ist, den sich Julian Häusler spielerisch zum Vorbild genommen hat. Das ist Philipp Lahm, und der hat beim FC Bayern in 332 Spielen auch nur zwölf Mal getroffen.
Einsatzminuten und Saisontore
Die Dauerbrenner Ein Abwehrspieler steht vor drei Stürmern an der Spitze der Einsatzminuten. Einsatzminuten/Tore
1. Julian Häusler 1305/0
2. Ennio Ohmes 1238/8
3. Marco Seufert 1152/6
4. Sandro Seeber 1126/6
5. Julian Bär 1110/0
6. Joshua Trefz1077/0
7. Patrik Hofmann 1074/4
8. Alexander Schmidt 988/0
9. Axel Weeber 938/1
10. Lukas Feigl 886/0
Die Torjäger Drei Stürmer haben zwei Drittel aller 30 Tore des SV in dieser Saison erzielt – es gab lediglich acht Torschützen. Tore/Spiele