Fußball: SV Vaihingen II Nach zehn Jahren zurück in der Kreisliga A

Am vorletzten Spieltag war es so weit: Mit einem 4:1-Sieg über die Sportvg Cannstatt II sicherte sich der SV Vaihingen II die Meisterschaft. Foto: Günter Bergmann

Fußball-Meisterserie (letzter Teil). Der SV Vaihingen II kürte sich zum Meister in der Kreisliga B, Staffel 3. Über ein Team, das trotz bitterer Ausfälle über sich hinauswuchs.

Es war eine Saison zum Augenreiben. Nicht nur bei den Verantwortlichen des SV Vaihingen II, die vor der zurückliegenden Spielzeit der Fußball-Kreisliga B Stuttgart/Böblingen, Staffel 3, eher tiefstapelten. Dass sich das Team am Ende zum Meister krönen würde, das hatte an der Dürrlewangstraße kaum einer auf dem Zettel.

 

Auch der Blick auf das Endklassement dürfte hüben wie drüben für Verwunderung sorgen. 83 Treffer genügten dem Team zur Meisterschaft – ganze fünf Mannschaften haben mehr Tore erzielt. „Zur Wahrheit gehört aber auch: Wir haben umso weniger Gegentore kassiert“, sagt Christian Rieger, Meistercoach der Vaihinger und mittlerweile Ex-Trainer. Aus beruflichen Gründen will er kürzertreten, das Amt an der Seitenlinie hat nun das Spielertrainer-Duo Oliver Heringhaus/Jean Ebongue übernommen.

Geprägt hat die vergangene Saison also gnadenlose Effizienz. „Man könnte auch sagen: Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss“, meint Rieger mit einem Augenzwinkern. Noch vor der Saison war die Stimmung eine gänzlich andere. „Die Mannschaft hatte natürlich Potenzial, aber die Meisterschaft war sicher nicht eingeplant.“ Zumal die Punkterunde mit gleich mehreren Hiobsbotschaften gestartet war: Marcel Boer, hinter Daniel Ullrich zweiter Kapitän, riss sich in der Vorbereitung das Kreuzband, genauso wie der dritte Kapitän, Tusk Wiest. Und mit Gabriel Weber und Robin Wurzinger fielen zwei weitere Stammspieler schon früh langfristig aus.

Doch anstatt aufzustecken, wuchs die Mannschaft im Verlauf der Saison über sich hinaus. „Man kann es nicht an einzelnen Spielern festmachen; es hat sich ein starker Zusammenhalt entwickelt“, erzählt Rieger. Dass es wirklich ganz nach oben gehen könnte? Der Gedanke manifestierte sich erst spät. „Als wir die ersten drei, vier Spiele nach der Winterpause gewannen, haben wir angefangen, daran zu glauben.“ In der Folge sollten die Vaihinger nur noch im Derby gegen den TSV Rohr II entscheidende Punkte liegen lassen (3:3) – ein Makel, der den Coach auch nach der Saison noch ärgerte. „Das ist das Derby schlechthin, unsere Plätze grenzen direkt aneinander.“ Im Hinspiel kassierte Vaihingen sogar mit 0:3 seine höchste Saisonniederlage. Im Kampf um die Meisterschaft musste das Team auch gegen den am Ende zweitplatzierten TSV Musberg II zwei Rückschläge hinnehmen – im Hinspiel gab es ein 0:1, im bereits unbedeutenden Rückrundenduell am letzten Spieltag ein 0:2.

Auch mit der Sportvg Feuerbach II lieferten sich die Vaihinger einen heißen Kampf um Platz eins – beide Duelle gewann der spätere Meister. „Feuerbach war für mich eigentlich die stärkste Mannschaft der Liga und trotzdem haben wir zweimal verdient gewonnen“, erzählt Rieger. Und nach dem 4:2 im Rückspiel war der Traum vom Aufstieg endlich spruchreif: „Ich hab‘ den Jungs gesagt: Jetzt holen wir das Ding.“ Gesagt, getan. Mit am Ende zwei Punkten Vorsprung kürten sich die Vaihinger zum Sieger der Staffel. Nach zehn Jahren kehrt die Vaihinger Zweitbelegschaft damit in die Kreisliga A zurück. „Es fühlt sich überragend an, so etwas Historisches geschafft zu haben“, erzählt Rieger, der als Urgestein des SV Vaihingen jene letzte Kreisliga A-Saison noch als Spieler miterlebt hat. Jetzt also zieht er sich aus dem Tagesgeschäft zurück, dem Verein will er aber weiterhin treu bleiben. Seinen Nachfolgern traut er den Job zu, warnt aber vor dem Qualitätsunterschied: „Rohr, Sillenbuch und der MTV Stuttgart sind nach einem Jahr Kreisliga A direkt wieder abgestiegen. Das wird nicht so einfach.“

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