Fußball: Thomas Lösch musste immer der Kopf wehtun Die Stimme und das Auge der Mannschaft

Thomas Lösch hält das Trikot des SV Fellbach in Ehren: Mit den Seniorenfußballern feierte der Schmidener zweimal die württembergische Meisterschaft. Foto: Eva Herschmann
Thomas Lösch hält das Trikot des SV Fellbach in Ehren: Mit den Seniorenfußballern feierte der Schmidener zweimal die württembergische Meisterschaft. Foto: Eva Herschmann

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir wollen in dieser Serie Akteure vorstellen, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Thomas Lösch, 63, der nicht nur als Vorsänger in der Kabine von sich reden machte.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach/Schmiden - Der Schnellste ist Thomas Lösch nie gewesen. „Und Ausdauer war auch nicht meine Stärke. Mein Motto war immer, nicht die Füße müssen nach dem Spiel schmerzen, sondern der Kopf muss wehtun“, sagt der 63-Jährige, der das Fußballspielen beim TSV Schmiden begann und seine Laufbahn beim SV Fellbach beendete. Mit seiner Begeisterung für den Rasensport hat Thomas Lösch seinen 14 Jahre jüngeren Bruder Markus angesteckt, der es als Spieler bis in die Bundesliga schaffte und seit 2012 Chefscout des VfB Stuttgart ist. Sowie seinen Sohn Manuel, 34, viele Jahre lang Kapitän beim Landesligisten TV Oeffingen.

Zum 60. Geburtstag bekam Thomas Lösch von Dieter Reichmann und Jochen Pflüger, seinen früheren Mitspielern beim SV Fellbach, ein Trikot geschenkt. „Sie hatten nur noch eines mit der Nummer 7. Ich habe in Fellbach als Libero das Hemd mit der 5 getragen.“ Die „7“ gehörte damals Dieter Reichmann, mit dem Thomas Lösch beruflich den Doppelpass in der Logistikabteilung eines Waiblinger Entsorgungsunternehmens spielt. Das rote Fellbach-Shirt hält der Schmidener in Ehren. Ebenso wie viele Erinnerungen an die erfolgreiche Zeit beim SVF, vor allem mit den Seniorenfußballern, mit denen er in den Jahren 1993 und 1994 zweimal württembergischer Meister wurde.

Thomas Lösch besaß auch abseits des Rasens Qualitäten

Auf dem Spielfeld wurde Thomas Lösch von seinen Mannschaftskollegen für sein Auge und seine genauen Pässe geschätzt. Auch abseits des Rasens besaß er besondere Qualitäten. Beim TSV Schmiden, bei dem er als Zehnjähriger in der D-Jugend begann, hatte Thomas Lösch neben dem Umgang mit dem Spielgerät „von den Alten“, wie er sagt, auch das Absingen diverser Kabinenlieder gelernt. Die meisten davon haben wenig oder gar nichts mit Fußball zu tun. „Aber sie sind lustig“, sagt Thomas Lösch, der nicht nur den Fußball schätzt, sondern auch die Geselligkeit.

Als Jugendfußballer musste sich Thomas Lösch mit dem TSV Schmiden Jahr für Jahr mit Platz zwei hinter dem damals dominierenden VfR Waiblingen zufrieden geben. Dafür gelang ihm bereits in seinem ersten Jahr bei den Männern unter dem legendären Trainer Rudi Bälz der Aufstieg in die Bezirksliga. „Eine Supermannschaft“, sagt Thomas Lösch, der als junger Spieler so erfahrene Nebenleute wie die Brüder Manfred und Werner Kolb, Rainer Weinle oder Eugen Geiger hatte. „Rudi Bälz wusste genau, wie er jeden anpacken musste, und er hat viel Spaß ins Team gebracht. Als wir 2015 das 40-Jahr-Jubiläum gefeiert haben, waren der Rainer Weinle, der Rudi Bälz und ich die letzten.“

Bei seinem ersten Landesliga-Einsatz bekam er einen Zehn-Minuten-Zeitstrafe

Mit 25 Jahren wechselte Thomas Lösch zum SV Fellbach. Sein erstes Landesliga-Spiel bestritt er gegen den TV Neckarweihingen. „Trainer Karlheinz Schlotterbeck hat mich nach der Pause eingewechselt, aber ich war gleich erst mal wieder draußen. Ich bekam sofort eine Zehn-Minuten-Zeitstrafe wegen Foulspiels.“ Dem Einstand folgten in den nächsten Jahren mit kurzer Unterbrechung viele Einsätze für den SV Fellbach, und zumeist stand Thomas Lösch fortan in der Startelf – bis zu seinem ersten Abschied von der ersten Mannschaft nach einem Kreuzbandriss mit 31 Jahren.

Seine Mitspieler, „ein tolles Team“, sagt er, hatte Thomas Lösch noch auf andere Weise aufhorchen lassen. „Ich hab’ mich gewundert, dass es in der Umkleide so still war. Die kannten tatsächlich keine Lieder, aber das habe ich geändert. Ich hab’ den Fellbacher Fußballern das Singen beigebracht“, sagt Thomas Lösch, der sich als stimmgewaltiger Vorsänger den Spitznamen Plácido verdiente. In Anlehnung an den spanischen Tenor mit Nachnamen Domingo.

Das Projekt Aufstieg beim TSV Schmiden klappte nicht

Beim TSV Schmiden hatte der Name Lösch schon lange einen guten Klang. Walter und Siegfried Lösch, die Onkel von Thomas Lösch, waren in den 60er-Jahren erfolgreich. Und die nächste Generation mit Thomas Lösch, dem Bruder Markus, der nach der Jugend beim TSV und beim SVF bei den Stuttgarter Kickers, beim 1. FC Nürnberg, bei Eintracht Frankfurt oder Fortuna Düsseldorf spielte, und dem Vetter Stefan Lösch, Jahrgang 1963, ließ aufhorchen. 1986 wollte der TSV Schmiden mit Spielertrainer Reiner Alhaus in die Bezirksliga und holte Thomas Lösch vom SVF zurück. Das Projekt Aufstieg klappte nicht, und der Schmidener wechselte nach einer Saison zum zweiten Mal zum SV Fellbach, der da gerade in die Bezirksliga abgestiegen war. Ein Jahr später feierten Fellbachs Kapitän Thomas Lösch und sein Team dann die Meisterschaft und den Wiederaufstieg in die Landesliga.

Den größten Erfolg seines Fußballerlebens erreichte er unter Trainer Roland Sandmeyer mit den SVF-Senioren und dem doppelten Gewinn der württembergischen Meisterschaft. „Das war eine geile Zeit mit Klaus Meister, Klaus Zinser, Heinz Hahn, Reiner Alhaus, Jochen Pflüger oder Dieter Reichmann“, sagt Thomas Lösch, der nach dem Titelgewinn erneut einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitt. Seine Stimme hat darunter nicht gelitten. „Wenn sich die Ehemaligen treffen, wird noch immer gesungen.“




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