Fußball: TSV Weilimdorf II Blind Date mit jubelndem Ausgang
Meisterserie, Teil drei:
Der TSV Weilimdorf II schafft durch den Titelgewinn in der Kreisliga B, Staffel 5, eindrucksvoll den sofortigen Wiederaufstieg.
Meisterserie, Teil drei:
Der TSV Weilimdorf II schafft durch den Titelgewinn in der Kreisliga B, Staffel 5, eindrucksvoll den sofortigen Wiederaufstieg.
Das erste Aufeinandertreffen zwischen Mannschaft und dem Trainer war just das erste Saisonpflichtspiel, die erste Bezirkspokal-Runde gegen Sarajevo Stuttgart. Der Ausgang? Wenig vielversprechend. Mit 1:2 ging das Kennenlernspiel verloren. Jürgen Zeyer dachte sich damals: „Oh je, das kann ja heiter werden“, sagt der Trainer lachend im Rückblick. Schließlich gab ihm die Abteilungsleitung den sofortigen Wiederaufstieg als Ziel mit auf den Weg. Und siehe da, er sollte Recht behalten. Es wurde wirklich heiter, im positiven Sinne – und letztlich sehr erfolgreich. Der TSV Weilimdorf II um Trainer Zeyer feierte mit nur einer Niederlage und einem Remis den Titel in der Kreisliga B, Staffel 5 – mit neun Punkten Vorsprung auf den Vize FC Reka Stuttgart.
Praktisch wie bei einem Blind Date fanden die Weilimdorfer Kicker und Coach Zeyer, der zuvor seinen Heimatverein ASV Aichwald II (Kreisliga B) und den TSV Köngen (Kreisliga A) trainierte, zueinander. Weder der Verein noch Zeyer wussten, auf was sie sich da eingelassen hatten. Rückblickend war es dann wohl (Fußball-) Liebe auf den ersten Blick. Die Chemie habe frühzeitig gestimmt und das Team habe es ihm schnell leicht gemacht, sich zu integrieren und anzukommen, sagt Zeyer, der immer noch beeindruckt davon ist, dass Spieler im Alter von 18 bis 35 Jahren, „mir als 63-Jährigen zuhören“.
Ein großes Plus der Truppe – sie setzt sich größtenteils aus Weilimdorfer Eigengewächsen zusammen – sei ihr besonderer Zusammenhalt. Dieser habe sich besonders bei engen Spielen gezeigt, beispielsweise gegen den SSV Zuffenhausen (4:4) und den Lokalrivalen SG Weilimdorf II (4:3). Konkret: „Ich habe erkannt, dass die Mannschaft unbedingt alles gegeben will und die Mannschaft hat erkannt, dass ich voll bei der Sache bin.“
In den Spitzenspielen gegen den hartnäckigsten Verfolger Reka – 2:1 und 1:0 gewonnen – zeigte sich eine weitere Qualität der Mannschaft: Die beste Leistung abzurufen, wenn sie gefragt ist. Das Hinspiel sei der kämpferisch beste Saisonauftritt, das Rückspiel der technisch beste gewesen, sagt Zeyer. Er beschreibt seine Belegschaft wie folgt: Für die Staffel habe man einen guten Fußball gespielt, weil man einige gute Spieler in den Reihen habe. Konkret hält der Übungsleiter besonders die Achse mit Andi Moderau, Max Hoffmann, Dominik Hordes, Fatih Mert, Johannes Michel, Denis Windhager und Sascha Kraft für „prägend und stabilisierend“. Kraft war auch mit 21 Treffern bester interner Schütze des 122-Tore-Sturms. Ein positiver Nebeneffekt der hohen Trefferquote – fast 4,4 pro Begegnung: Neben Kraft trugen sich weitere 19 Akteure in die Torschützenliste ein. Die treffsichere Vielfalt hält der Coach in Hinblick auf die kommende Kreisliga-A-Saison, dort in der Staffel 1, für nicht unerheblich. „Wenn Sascha mal Ladehemmungen hat, stehen andere Akteure bereit, die einnetzen können.“
Über Taktik beziehungsweise Spielsysteme verliert Zeyer kaum Worte. Nur soviel: Für ihn sind eine offensive Herangehensweise und ein gutes Tempo nach vorne wichtig. Für die kommende Mission Klassenverbleib – beim letzten Aufstieg ging es umgehend wieder runter – spiele die Strategie eine untergeordnete Rolle. Vielmehr hält Zeyer die Wettkampfhärte für das Schlüsselelement im Kampf gegen den Abstieg. In der B-Liga habe es sechs, sieben Spiele gegeben, bei denen die Spieler an ihre Grenze hätten gehen müssen, nun werde dies so gut wie an jedem Spieltag nötig sein, um zu bestehen. „Darauf müssen wir uns einstellen und sofort bei der Sache sein.“ Am Team wird sich wohl so gut wie nichts ändern, der Kader bleibt zusammen.
Für das eingangs erwähnte Aufeinandertreffen zwischen Mannschaft und Trainer zeichnete Martin Hoffmann verantwortlich. Der sportliche Leiter der Weilimdorfer Zweitvertretung leitete das Team während der Vorbereitung an und verpflichtete auch Zeyer. Hoffmann hat aber nicht nur ein glückliches Händchen bewiesen, sondern ist auch die „gute Seele und sehr wichtig für die Truppe“, sagt Zeyer, dem ein zweites Kunststück gelang, über dessen Bedeutung er nicht Bescheid wusste: zwei Siege gegen den Lokalrivalen SG Weilimdorf II. „Ich wusste vorher überhaupt nicht, dass Weilimdorf zwei Clubs hat“, sagt der Erfolgscoach schmunzelnd. Freilich, der Ortsrivale sah es sportlich. Er brachte eine Kiste Bier mit herzlichen Glückwünschen zur Meisterschaft vorbei.