Ginge es in ihrer Sportart nach Haltungsnoten, wer weiß, wo die Fußballer des TSV Weilimdorf in der Tabelle stehen würden. Bestimmt nicht so weit unten. Aber das war dann auch an diesem Sonntag wieder nur ein schwacher Trost. Unter der tatsächlich relevanten Rubrik, bei den Toren, alles wie gehabt: nächstes Spiel, nächste Niederlage. Das aktuelle, wenngleich achtbare 0:1 im Auswärtsspiel beim Spitzenreiter Young Boys Reutlingen bedeutet für den Landesliga-Aufsteiger die sechste in Serie, zum vierten Mal dabei mit nur einem Treffer Unterschied. „Es ist sehr, sehr bitter, dass wir nach so einer Leistung erneut mit leeren Händen nach Hause fahren“, sagte der Trainer Oliver Stierle.
Klar ist damit, dass die Nord-Stuttgarter die Hinrunde mit lediglich 15 Punkten auf dem Konto beenden. Am nächsten Wochenende, wenn der letzte Spieltag der ersten Saisonhälfte auf dem Terminplan steht, haben sie spielfrei – und müssen fürchten, als Zuschauer vollends in die Abstiegszone durchgereicht zu werden. Für eine Stimmungsaufbesserung noch vor der Winterpause bleiben aber immerhin die beiden dann bereits ersten Aufgaben der Rückserie in Fellbach (29. November) und zuhause gegen Rottenburg (6. Dezember), vor denen nun der Erfolgsdruck steigt.
Einstweilen ließ sich der eigene Auftritt in zwei Phasen unterteilen: 15 schlechte Minuten und 75 gute Minuten. Der erste Teil sollte zum Verhängnis werden. Dem frühen Gegentor von Ante Galic lief der inzwischen Tabellenzwölfte bis zum Schluss vergeblich hinterher. Der Reutlinger Routinier traf bei seinem Comeback nach dreiwöchiger Pause wegen einer Gehirnerschütterung just per Kopf (10.). „Danach haben die Jungs es prima gemacht“, konstatierte Stierle. Aber: „Das Spielglück ist momentan einfach nicht auf unserer Seite.“
Kompakt verteidigend, drehten die Weilimdorfer ihrem hoch favorisierten Gegner den Spielfluss ab. Fazit von dessen Sportdirektor Marcel Laaß: „Viel Krampf von uns. Unsere mit schlechteste Saisonleistung.“ Vorne fehlte dann jedoch auch Stierles Elf die Durchschlagskraft. Nach einem vermeintlichen Foul an Bastian Joas verweigerte der Schiedsrichter den von den Gästen geforderten Elfmeter. Und die beste Ausgleichschance vergab Daniel Baierle. Sein Kopfball flog übers Tor.
Sinnbildlich war schließlich Baierles verletzungsbedingtes Ausscheiden: Vor Wochenfrist hatte der Angreifer einen Cut über dem linken Auge erlitten, diesmal über dem rechten. Ohne Schrammen geht es für den Klassenneuling gerade nicht.
Weilimdorfer „Spieler des Spiels“
Enis Küley (Nominierungen: 4). Ja, schon wieder er – bereits zum vierten Mal in der laufenden Runde unter dieser Rubrik. Der 28-Jährige war erneut Dreh- und Angelpunkt im Weilimdorfer Spiel, bis ihn sein Trainer in der Endphase notgedrungen auswechselte. Der Grund: Wadenkrämpfe.
Young Boys Reutlingen: Goranov – Wagner, Cabraja, Ioannidis – Lennerth, Haussmann, Gaiser (58. Silov), Aktepe, Diescher – Iggoute (90.+2 Qadeer), Galic (78. Tasdögen).
TSV Weilimdorf: Barisic – Raheem, Zinram-Kisch, Bozoglu, Milenkovic (75. Addo) – Krasniqi (89. Kugiumtzidis), Küley (78. Bouich) – Genc, Joas, Scarcelli – Baierle (36. Berretta).