Fußball: TSV Weilimdorf Vom Chaotenhaufen zum Meister

Mit einem 5:1-Triumph gegen den TSGV Waldstetten machte der TSV Weilimdorf die Meisterschaft vorzeitig klar. Foto: Eibner-Pressefoto/Jani Pless

Meisterserie, Teil sieben. Der TSV Weilimdorf legte in der vergangenen Saison eine zuvor ungekannte Reife an den Tag, profitierte aber auch vom Rückrunden-Einbruch der Konkurrenz.

Sport: Dominik Grill (grd)

Wo geht die Reise dieser Truppe noch hin? Die Mannschaft des TSV Weilimdorf hat seit der Übernahme durch Trainer Manuel Fischer vor zwei Jahren eine kometenhafte Entwicklung genommen und sich kürzlich zum Meister der zweiten Fußball-Landesliga-Staffel gekürt. Einst eilte ihr der Ruf eines charakterlich schwierigen Teams voraus, das sich nach dem Aufstieg aus der Bezirksliga 2016 in der Landesliga regelmäßig nur knapp über Wasser halten konnte. Jetzt also der historische Triumph – erstmals in ihrer Geschichte treten die Weilimdorfer in der kommenden Saison in der Verbandsliga an.

 

„Ich habe immer gesagt: Erst kommt die Entwicklung des Einzelnen, dann die der Mannschaft und dann kommen die Ergebnisse“, erzählt Fischer über seinen Trainingsansatz, mit dem er die Rumpeltruppe anpackte. Durch den Ex-VfB-Profi an der Seitenlinie wehte bald ein anderer Wind an der Giebelstraße. Mit einem strengen Strafenkatalog und klarer Linie nahm er die Mannschaft an die kurze Leine. Über die Anfangszeit vor zwei Jahren sagt er: „Es war ein holpriger Start. Die vielen Veränderungen haben ihren Tribut gezollt.“

In seiner ersten Saison brauchte die Mannschaft mehrere Monate, um in die Spur zu kommen. Dann aber marschierte die Mannschaft um Kapitän Bastian Joas auf den zweiten Platz, ehe in der Aufstiegsrelegation der VfR Heilbronn die Oberhand behielt (1:0). In der jetzt abgelaufenen Saison dürfte die Zielsetzung also von Beginn an klar gewesen sein – zumindest intern, denn Fischer, der ewige Mahner und Tiefstapler, wollte das Wort „Meisterschaft“ lange nicht in den Mund nehmen. Erst am viertletzten Spieltag war es so weit: Mit dem 3:1-Sieg gegen den SV Böblingen im Rücken und neun Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten Waldhausener, stellte Fischer klar: Wenn nicht alles schief ginge, lasse man sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen. Gesagt, getan: Mit einem 5:1-Sieg beim TSGV Waldstetten machte Weilimdorf Meisterschaft und Direktaufstieg fix.

Weilimdorf ist der lachende Dritte

Im Verlauf der Saison konnte die Roten auch auf unfreiwillige Schützenhilfe der härtesten Konkurrenz zählen. Zum einen ist da der JC Donzdorf. Im Winter waren dessen Zeiten als Krösus der Liga abrupt beendet. Der Verein, zu jenem Zeitpunkt vor dem zweitplatzierten TSV auf dem ersten Platz liegend, konnte seine Spieler nicht mehr bezahlen und zog sich aus der Liga zurück. Zuvor hatten die Donzdorfer unter anderem die Fischer-Truppe mit 5:1 aus dem Stadion gefegt. Auf die Frage nach dem „Was wäre, wenn …“ möchte der Übungsleiter in gewohnter Fischer-Manier nicht eingehen. Auch wenn er Anfang des Jahres, kurz nach Bekanntwerden des Donzdorfer Schiffbruchs, noch durchblicken ließ: „Ich hätte es gerne sportlich geklärt.“

Stattdessen übernahm Weilimdorf kampflos die Tabellenspitze. Und nach der Winterpause ließ auch der einzig verbliebene, ernsthafte Konkurrent ordentlich Federn: Der SV Waldhausen lag in der Rückrundentabelle schlussendlich nur auf Platz acht. Das direkte Aufeinandertreffen der beiden Teams im letzten Saisonspiel verkam – statt eines dramaturgischen Höhepunkts im Titelrennen – zum sportlich unbedeutenden Saisonausklang. Der bereits als Meister feststehende TSV Weilimdorf verabschiedete sich mit einem 5:1 aus der Landesliga – Waldhausen hatte zuvor schon den zweiten Platz fix gemacht.

Am Ende krönte sich Weilimdorf mit neun Punkten Vorsprung überlegen zum Meister. Die mit 92 Toren beste Offensive, angeführt vom Liga-Schützenkönig Joas (28 Treffer), und die gemeinsam mit Waldhausen sicherste Defensive (39 Gegentreffer) unterstreichen die dominante Saisonleistung. „Im Gegensatz zum Vorjahr haben wir es geschafft, Konstanz reinzubringen und spielerisch überlegen zu sein“, blickt Fischer zufrieden zurück. Neben der Donzdorf-Klatsche habe es nur einen weiteren Ausrutscher gegeben – beim Derbygegner MTV Stuttgart im letzten Spiel vor der Winterpause, ebenfalls ein krachendes 1:5.

Nun also geht der TSV Weilimdorf mit Fischer in die dritte Spielzeit – und das durchaus überraschend, standen die Zeichen vor wenigen Monaten doch noch auf Abschied. Ein nicht lockerlassender Michael Bachmann, Sportlicher Leiter des TSV, und Zugeständnisse bezüglich des Absolvierens von Hospitanzen bei Profi-Clubs und des geplanten A-Trainer-Scheins sorgten schließlich für das erhoffte Umdenken beim Erfolgscoach. Diesen vorgesehenen nächsten Karriereschritt geht er nun also parallel zu seiner Arbeit beim künftigen Verbandsligisten. „Im Gesamtpaket hat es dann einfach gestimmt“, sagt Fischer, der seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat. Und in der kommenden Saison? „Wollen wir auch der Verbandsliga unseren Stempel aufdrücken“, stellt der Chef der einstigen Rumpelfußballer klar.

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