Fußball: TV Echterdingen Nach 0:5-Heimdebakel: Trainer Haug vor dem Aus?
Statt der erhofften Wende erlebt der Landesligist TV Echterdingen gegen den TSV Ehningen einen schwarzen Tag. Hinzu kommt der womöglich nächste Langzeitverletzte.
Statt der erhofften Wende erlebt der Landesligist TV Echterdingen gegen den TSV Ehningen einen schwarzen Tag. Hinzu kommt der womöglich nächste Langzeitverletzte.
Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. In der Endphase verzichtete der Stadionsprecher Alfons Kasper auf eine weitere Durchsage des Zwischenergebnisses. Als der Ball abermals im Tornetz lag, beließ er es bei einem knappen: „Den neuen Spielstand entnehmen Sie bitte der Anzeigetafel“ und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Wobei: Wirklich nach Spaßlaune dürfte beim Fußball-Landesligisten TV Echterdingen spätestens seit diesem Sonntag keinem mehr sein. Zu niederschmetternd war das sportliche Geschehen. Das Spiel, in dem der Absteiger nach seinem missratenen Saisonstart den Umschwung hatte einleiten wollen, geriet zum Debakel. Die bittere Wirklichkeit: ein 0:5 gegen den TSV Ehningen – und damit Schockzustand in den Goldäckern. Es wurde ein schwarzer Nachmittag, nach dem sich nun auch die Trainerfrage stellt.
Ein Treuebekenntnis zum Coach wollte der Echterdinger Fußballchef Phillip Wunsch direkt nach dem Spiel jedenfalls nicht abgeben. Ob Valentin Haug auch noch am nächsten Wochenende in Waldstetten als Verantwortlicher an der Seitenlinie stehen wird? „Dazu kann ich im Moment gar nichts sagen“, sagte Wunsch und sprach sichtlich mitgenommen von einem „ernüchternden Tiefschlag“. Allgemeiner Tenor beim Filderclub: autsch, das muss man jetzt erst einmal sacken lassen. Vorab, nach bislang drei Niederlagen aus drei Pflichtspielen im neuen Wettbewerbsjahr, hatte Wunsch „schnellstmöglich Punkte“ gefordert. Davon aber war die Mannschaft letztlich etwa so weit entfernt wie der 1. FC Heidenheim vom Gewinn der Champions League.
Ordentliche erste 20 Minuten, dazu ein freilich auch erwartbares stetes Bemühen – das war am Ende alles, was es an Positivem zu vermerken galt. Und das war viel zu wenig. Schon in Hälfte eins taumelten die Gastgeber dann in einer Fortsetzung ihrer Pleiten-Pech-und-Pannenserie, die im heimischen Stadion gar schon seit neun Monaten währt. Der letzte Punktspielsieg dort datiert vom November des vergangenen Jahrs (2:0 gegen den FC Esslingen).
Aktuell stellte eine abermalige womöglich schwere Verletzung in den guten Vorsätzen einen ersten Dämpfer dar. Für den Innenverteidiger Marc Mägerle war bereits nach elf Minuten Schluss. „Da ist irgendwas im Knie kaputt“, ahnt Haug bedeutungsschwer. Ausgerechnet auf der Position also, auf der eh schon Notstand herrschte, nun ein weiterer Einschnitt. Mangels adäquater Ersatzmöglichkeiten schickte Haug daraufhin den Youngster Marius Nita in die Abwehrzentrale, mithin für ihn eher fremdes Terrain. Dass dieser Versuch schief ging und zur Halbzeitpause vom Trainer dann bereits wieder beendet wurde, passte schließlich ins düstere Gesamtbild.
Auf dem Spielfeld war es, als habe Mägerles Unfall eine Kettenreaktion ausgelöst. Von diesem Zeitpunkt an kam für die Echterdinger verhängnisvoll das eine zum anderen. Beispiel 0:1, das Giuseppe Pirracchio mit einem Foulspiel einleitete – den aus Haugs Sicht strittigen Elfmeter verwandelte Marcel Berberoglu (27.). Beispiel 0:2, das auch noch vor der Pause fiel, angeschoben durch ein Dribbling Lars Jägers über den halben Platz, bei dem ihn kein Echterdinger entscheidend attackierte – beim Schuss des von Jäger bedienten Ender Özcan kam Christian Heinrichs Klärungsversuch zu spät, nämlich hinter der Torlinie (33.). Beispiel dann Durchgang zwei insgesamt. In jenem konterten die ihrerseits noch verlustpunktfreien Gäste die Echterdinger vorführungsreif aus. Überhaupt wirkten sie durchgängig handlungsschneller und spritziger.
Die weitere Trefferstatistik im Zeitraffer, wohl auch im Sinne des Stadionsprechers Kasper kurz und knapp: 0:3 Gökhan Akyüz (55.), 0:4 erneut Özcan (68.), 0:5 Tino Dannecker (80.). Der vierte Ehninger Streich darf dabei als Tor des Monats durchgehen. Özcan beförderte den Ball per Bogenlampe aus 45 Metern über den Keeper Marko Gaspar hinweg in den verwaisten Kasten.
„Mit dem zweiten Gegentor haben wir den Faden komplett verloren“, konstatiert Haug, für dessen Elf Caglar Celiktas die beiden einzigen klaren Gelegenheiten vergab. Der im Formtief steckende Torjäger avanciert weiterhin zur Symbolfigur der Krise. Irgendwie symptomatisch für ihn und das Team allgemein: Als Celiktas zum Eckball antrat, rutschte er aus und die Kugel hoppelte über die Torauslinie.
Bleibt die Frage, wie es weitergeht? Wie wollen die Echterdinger die Kurve kriegen? Gilt im Fall von Haug: Ende statt Wende? Oder erhält der Coach noch eine weitere Chance? Er selbst sagt: „Keine Ahnung. Ich verliere meinen Kampfgeist prinzipiell nicht – aber man muss sich jetzt schon Gedanken machen.“ Voraussichtlich im Rahmen einer Krisensitzung Anfang dieser Woche. Ergebnis offen.
Merdan Babatas (Nominierungen: 1). Zumindest in der ersten Hälfte einer der Lichtblicke im Echterdinger Team. Der 19-Jährige, Neuzugang aus Pforzheim, gefiel bei seinem Liga-Startelfdebüt mit mutigen Vorstößen auf der rechten Außenbahn.
TV Echterdingen: Gaspar – Heinrich, Mägerle (11. Nita, 46. Phil Schmidt), Milutinovic, Pirracchio – Steffen Schmidt – Babatas, Oguz (69. Herderich), Dölker (81. Karakus) – Kalchschmidt – Celiktas (69. Handanagic).
TSV Ehningen: Böhmler – Berberoglu, Bildl, Sautter, Sigloch (81. Dagli) – Grausam (65. Nothacker) – Jäger, Dannecker, Özcan (74. Horvat), Zukic (63. Avci) – Akyüz (56. Boughanmi).