Fußball-Verbandsliga: Calcio Leinfelden-Echterdingen Wider Willen auf FC-Bayern-Spuren

Ein Lattentreffer von Luan Kukic (blaues Trikot) – das war die einzige Ausbeute einer enttäuschenden Calcio-Elf. Foto: Günter Bergmann

Der Filderclub setzt seinen Zick-Zack-Kurs mit einer 0:3-Schlappe beim Aufsteiger Oberensingen fort, gleichbedeutend mit dem Verlust der Tabellenführung. Auch für die Verantwortlichen stellen sich Fragen.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Manchmal sprechen Bilder mehr als Worte. Und ließen sich Ratlosigkeit und Enttäuschung in physikalischen Einheiten messen, im Fall der Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen hätte der Zeiger des dazugehörigen Messgeräts wohl die Skala gesprengt. So hockte der Trainer Francesco Di Frisco noch eine knappe halbe Stunde nach dem Abpfiff wie ein in den Ringstaub geschickter Boxer auf dem Boden des Kabinengangs, offensichtlich bemüht, Gedanken zu sortieren. Daneben starrte der Sportchef Ioannis Tsapakidis ungläubig auf sein Handy. Die Ergebnisse der Konkurrenz? „Immerhin, der tabellarische Schaden für uns ist gering geblieben“, befand Tsapakidis – um anzufügen: „Eigentlich könnte man trotzdem mit dem Kopf gegen die Wand schlagen.“

 

0:3! Das war das eigene Resultat. Ein 0:3 beim Aufsteiger TSV Oberensingen. Eine Abfuhr von einem zuletzt kriselnden Gegner aus der Abstiegszone. Damit sind die Echterdinger nicht nur nach gerade mal einer Woche ihre Spitzenposition im Klassement wieder los, weiter geht auch der abenteuerliche Zick-Zack-Kurs. Während der Filderclub im eigenen Stadion seit sieben Monaten ungeschlagen ist, legte er auswärts nun zum dritten Mal nacheinander eine Bruchlandung hin, flankiert von zunehmenden Fragezeichen in den Gesichtern der Verantwortlichen. Wie die Leistungsschwankungen zu erklären sind? „Ich habe keine Antwort“, sagte Di Frisco, nachdem er sich vorab noch explizit um ein Schärfen der Sinne bemüht hatte. Aktuelles Beispiel Saarbrücken gegen Bayern. Die eindringliche Mahnung an die Seinen: bitte nicht nachmachen. Allein, geholfen hat es nichts.

Blutleere erste Hälfte

Zum Verhängnis wurden dem Favoriten drei Komponenten. Erstens: der blutleere eigene Auftritt der ersten Hälfte. Ohne Mumm und Esprit spulten die Gäste ein Magerkost-Pensum ab, das auch unter den Zuschauern grübeln ließ: Das sollte der Tabellenführer sein? Ehrlich? Bis zu dessen überhaupt erstem Torschuss vergingen bezeichnenderweise 45 Spielminuten.

Zweitens: ein seinerseits mit eiskalter Abschlusseffizienz aufwartender Gegner. Drittens: ein, allen eigenen Personalsorgen zum Trotz, mit Leidenschaft verteidigender Gegner. Eben diese Leidenschaft suchten Di Frisco und Tsapakidis in ihrem Aufgebot vergeblich. „Bei uns demgegenüber Totalausfall, zu wenig Herz“, musste der Calcio-Coach konstatieren. Als er nach der Pause zuvorderst mit Ugur Capar und Viktor Ribeiro frischen Wind einwechselte, war es bereits zu spät. Eine von den Echterdingern selbst mit beflügelte Oberensinger Elf gab sich keine Blößen mehr. Ein Lattentreffer von Luan Kukic sollte die einzige Ausbeute des Aufstiegsanwärters sein.

Für die Nürtinger Teilstädter galt umgekehrt: ebenfalls lange Flaute vor dem gegnerischen Tor, dann aber gleich die beiden ersten Versuche drin. Ein Doppelschlag des Angreifers Patrick Werner, einmal per Kopf, einmal per Abstauber, stellte die Weichen (27./31.). Und spätestens als der einstige Landesliga-Torschützenkönig Yannik Kögler nach der Pause mit dem dritten Streich in eine vermeintliche Calcio-Besserungsphase platzte (57.), war klar, dass es ein schwarzer Gäste-Nachmittag wird. Bei den Gegentreffern Nummer zwei und drei patzte der Youngster Philipp Seemann beziehungsweise machte der Kapitän Lukas Zweigle eine schlechte Figur.

Eine Liga als Überraschungsei

Freilich, personelle Rochaden hat Di Frisco in dieser Saison bereits einige hinter sich. Ob auf der Suche nach Formkonstanz nun die nächste folgt, auch das ist eine der Fragen, mit der es sich zu beschäftigen gilt. Einstweilen lautet die ernüchternde Erkenntnis für Tsapakidis: „Gemäß Tabelle sind wir weiter eines der Spitzenteams, treten aber nicht wie ein Spitzenteam auf.“ In einer Liga, die sich gerade insgesamt als wöchentliches Überraschungsei präsentiert, fügt sich die eigene Mannschaft unfreiwillig passend ein. Außer ihr kassierten am aktuellen Spieltag auch die Vorderplatz-Mitbewerber Dorfmerkingen, Schwäbisch Hall und TSV Berg unerwartete Niederlagen.

Das war dann allerdings nur ein bedingter Trost, ebenso wie die Tatsache, dass die Echterdinger bis zur Winterpause nun noch drei Heimspiele und nur eine weitere Auswärtsbegegnung haben. Schlusskommentar Di Frisco: „Für heute bin ich eigentlich nur noch sprachlos.“ Sprach's doch und hockte immer noch auf dem Boden, als die Ersten seines Pleitenteams bereits frisch geduscht wieder nach draußen kamen.

Calcio-„Spieler des Spiels“

Ugur Capar. Auch wenn er keine Wende mehr herbeiführen konnte, nach seiner Einwechslung brachte der dribbelstarke Ballvirtuose Schwung ins bis dahin triste Calcio-Spiel. Somit eine der wenigen zumindest ansatzweise positiven Erscheinungen an einem verkorksten Echterdinger Nachmittag. (Nominierungen: 1)

TSV Oberensingen: Rodrigues – Bauer, Lenhardt, Horeth, Lennerth – Zaglauer, Memic (40. Honigmann), Herberth (88. Herl), Linder – Kögler (70. Zukic) – Werner (85. Methner).

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Rudnicki – Wetsch (46. Capar), Adzem, Parharidis, Zweigle – Kajan, Seemann (59. Peric), Swieter (67. Schick) – Rangelov (60. Emirzeoglu), Kukic, Arslan (58. Ribeiro).

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