In den vergangenen Jahren sorgte Calcio Leinfelden-Echterdingen bis zur Ende der Wechselfrist häufig für Schlagzahlen. Es kam entweder zu kurzfristigen, namhaften Verpflichtungen oder einer großen Anzahl von neuen Akteuren, die teilweise schon erste, aber wenig vielversprechende Gehversuche bei höherklassigen Clubs getätigt haben. Aber dann bei den Italo-Schwaben nicht so einschlugen wie gewünscht. Und diesmal? Diesmal stellt sich die Lage ganz anders dar. Zugänge? Fehlanzeige. Abgänge, deren drei. Der Routinier und Oberliga-erfahrene Pero Mamic gab seinen Abschied beziehungsweise die Rückkehr in seine Heimat Kroatien bereits in der Vorrunde bekannt, Abwehrspieler Maximilian Kuchler hat sein Ja-Wort dem Liga-Konkurrenten TSV Weilimdorf gegeben. Und kurz vor Ablauf der Wechselfrist an diesem Montag ist nun auch noch der Kapitän Jovan Djermanovic abgewandert.
Der ehemalige Krösus Calcio befindet sich seit einiger Zeit auf Sparkurs – notgedrungen. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Routiniers, die ihren Preis haben, auch abgegeben werden müssen. „Damit haben wir im Sommer begonnen, haben namhafte Spieler ziehen lassen, um Kosten zu sparen, auch wenn sie zum Teil noch Vertrag hatten“, sagt Trainer Francesco Di Frisco, der den kurzfristigen Abgang seinen Spielführers „sehr bedauert“.
Im Fall Djermanovic hat der Verbandsliga-Vize FC Holzhausen zugeschlagen. Besser gesagt zuschlagen müssen, was Calcio wohl gerade recht kam und sicherlich eine ordentliche Ablösesumme beschert. Holzhausen hatte Bedarf im Angriff. Ihr Fließband-Torschütze Jannik Michel (328 Spiele, 282 Tore) hat sich nämlich bei einem Hallenturnier verletzt, wurde an der Achillessehne operiert und fällt im Kampf um den Aufstieg in die Oberliga aus. Der Tabellenzweite war zwanghaft auf Stürmersuche und wurde bei Calcio fündig. Wobei der nun Ex-Calcio Angreifer Djermanovic aufgrund von Verletzungen in dieser Runde noch keine Bäume ausgerissen hat. Seine Bilanz: Zehn Spiele, zwei Tore.
Dennoch: erst Mamic weg, nun Djermanovic – dem ursprünglich offensiv geprägten Team vom Sportpark Goldäcker gehen ganz vorne die Optionen aus. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem erst 19-jährigen Davide Vittorio. „Einer der wenigen gelernten Stürmer im Team, der aber einiges drauf hat“, sagt Di Frisco, für den klar ist: „Mit der jungen Truppe geht es ausschließlich darum, den Klassenverbleib zu schaffen.“ Mit dem Zwischenzeugnis Platz acht ist das bislang ganz gut gelungen. Wobei: „Es wird ein hartes Stück Arbeit, doch ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen. Die Jungs geben alles“, konstatiert Di Frisco.
TSV Weilimdorf testet neue Defensive
Beim abstiegsbedrohten Liga-Neuling TSV Weilimdorf hat sich zwar einiges in der Winterpause getan, aber bis Transferende am Montag um 23.59 Uhr blieb ein Wunsch von Coach Oliver Stierle unerfüllt: ein neuer Innenverteidiger. „Ich hätte gerne eine weitere Alternative gehabt, es hat sich aber nichts angeboten“, bedauert der TSV-Coach. Nun ist eben Testen angesagt bei den Nord-Stuttgartern. Aktuell probiere er viel aus, stelle so manchen Spieler auch auf eine für ihn ungewohnte Position. Ziel der Testphase: die Stabilisierung der Defensive. Mit 45 Gegentoren stellen die Weilimdorfer die zweitlöchrigste Abwehr der Liga. Nur der Drittletzte TSG Tübingen hat zwei Tore mehr kassiert. „Wir müssen kompakter stehen, nur so können wir den Klassenverbleib schaffen“, weiß Stierle. Als möglicher Innenverteidiger kommt Winterzugang Maximilian Kuchler (Calcio) in Frage, ebenso ist er ein Kandidat fürs defensive Mittelfeld. Möglicherweise auch an der Seite von Christian Stagel, gekommen vom Landesligisten FV Löchgau. Ein Mittelfeldallrounder, der eine Alternative zu Maximilian Wojcik darstelle. Letzterer hat sich erneut eine muskuläre Verletzung zugezogen, falle wohl noch sechs bis sieben Wochen aus. Ähnliches gilt für den Kapitän Bastian Joas. Aufgrund von Hüft- und Rückenproblemen wird dieser zum Start am 28. Februar beim VfR Heilbronn „auch fehlen“. Deshalb war die Verpflichtung des 28-jährigen Roman Kasiar „absolut notwendig“, sagt Stierle. Für Kasiar, der für die Stuttgart Kickers, Bautzen, Meuselwitz und den VfR Aalen insgesamt 30 Spiele in der Regionalliga absolviert hat, bedeutet das Heilbronn-Spiel ein Wiedersehen mit der jüngsten Vergangenheit. In der Vorrunde trug er noch das Trikot des Vereins aus der Kätchenstadt, traf in 14 Partien viermal. Joel Heske (FSV Waiblingen II) erweitert indes das Weilimdorfer Torhüterangebot.
Verlassen haben den Verein Berzan Ural (1. CfR Pforzheim), Angelo Kakou (VfR Heilbronn), Josip Biljeskovic (Türkspor Stuttgart) und Deniz Kiral (unbekannt). Fadel Boukari tritt kürzer und spielt künftig für die Weilimdorfer Zweitvertretung.