Fußball Verbandsliga Das Feuer brennt – der TSV Heimerdingen will nachlegen

Kampf um jeden Ball: Die Heimerdinger Christian Stagel Alberto (2. v. li.) und Lars Ruckh (re.) gegen den TSG-Torschützen Enes Isik. Foto: Baumann/Julia Rahn

Der Verbandsliga-Aufsteiger aus Heimerdingen erkämpft sich mit einem nicht unverdienten 3:1(1:1)-Erfolg über die TSG Balingen II die ersten Punkte der Saison – und hofft nun auf eine Initialzündung.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Völlig losgelöst. Als der Hit von Peter Schilling über Major Tom 1982 veröffentlicht wurde, da existierte von den Fußballern des TSV Heimerdingen kein Einziger; nicht einmal als gedanklich-reizvolles Experiment. Der Song erlebte zur Fußball-EM im Sommer eine explosive Renaissance, und am Freitagabend hüpften die Kicker des Clubs rhythmisch im Kreis zur Melodie wie ein Naturvolk, das mit einer rituellen Prozedur Regen erbittet.

 

Es war ein Freudentanz, ein Ausdruck purer Erleichterung. Nach fünf Spielen ohne zählbaren Erfolg hatte der Aufsteiger gegen die zweite Mannschaft des Regionalligisten von der Schwäbischen Alb endlich den dringend benötigten Sieg unter Dach und Fach gebracht. „Das war ein gutes Spiel, wir haben uns belohnt und großen Teamgeist bewiesen“, sagte Spielertrainer Pascal Dos Santos Coelho, der sich beim Warmmachen eine muskuläre Wadenverletzung zugezogen hatte und unerwartet passen musste. „Wir haben gesehen, was in der Mannschaft steckt“, sagte der 31-Jährige.

Bei jedem Beteiligten war ein immenser Druck nach dem hart erkämpften Erfolg abgefallen, die Freude wurde bis in die Kabine getragen, wo erstmals in dieser Saison nach einer Partie ein Sieg gefeiert werden konnte. „Man hat richtig gemerkt, wie jeder losgelöst war“, erzählte Kapitän Sebastian Bortel, „dieser erste Dreier war so, so wichtig.“ Und Flügelflitzer Robin Reichardt, der erstmals nach seiner Schulterverletzung in der Startelf gestanden hatte, brachte die 95 Minuten auf einen Nenner. „Wir haben gesehen, dass wir in der Liga mithalten können“, sagte der 28-Jährige erkenntnisfroh.

Ausgleich wirft die TSV-Kicker nicht um

Die fünf Niederlagen in Folge hatten das mentale Gerüst des TSV zwar angeknackst, aber nicht völlig zerstört. Auf dem kleinen Kunstrasen an der Weissacher Straße hatten Rückschläge die Truppe nicht vom Kurs weg katapultiert wie bei der einen oder anderen Begegnung zuvor. Den kurzfristigen Ausfall von Spielertrainer Coelho steckte das Team ebenso weg wie den postwendenden Ausgleich von Enes Isik (14.) nach der überraschenden Führung von Marc Geist (13.), der einen Abpraller verwertete, nachdem Casian Ulici den Ball an die Latte des TSG-Tores geköpft hatte. „Der Ausgleich hat uns nicht umgeworfen“, stellte Bortel erfreut fest.

Dabei hatten die Heimerdinger in der Anfangsphase einen Pakt mit Glücksgöttin Fortuna geschlossen, die Gäste ließen einige gute Möglichkeiten zur Führung ungenutzt – die größte war der Lattenschuss von Paul Gaiser (2.). In der gesamten ersten Hälfte ließ die TSV-Defensive den Angreifern viel zu viel Raum, immer wieder kombinierten sich die Balinger durch und kamen zum Schuss. Die eigenen Bemühungen verpufften, weil oft der letzte Pass zu ungenau oder an die falsche Adresse gerichtet war.

Wichtige Umstellung nach der Pause

„Wir haben in der Pause von raumorientierter Verteidigung zur mehr mannorientierten umgestellt“, sagte Pascal Coelho, „so haben wir mehr Zugriff bekommen.“ Eine wichtige, weil erfolgreiche Maßnahme. Es entwickelte sich ein offenes Match, Chancen blieben jedoch Mangelware – bis sich der eingewechselte Ivanilson Matias nach einem Pass von Lars Ruckh im Strafraum durchtankte und unhaltbar abzog zum 2:1 (72.). Nun ging es richtig zur Sache, es wurde hektischer, um jeden Ball wurde gekämpft wie um Fleischbrocken bei der Raubtierfütterung in der Stuttgarter Wilhelma. Balingen drängte, Heimerdingen konterte – schließlich erzielte Andrej Ulici nach einem weiten Pass plus Missverständnis zwischen TSG-Torhüter Duha Dogan und Abwehrmann Samuel Schneider das erlösende 3:1 (90+5). Ende gut, alles gut.

Ein befreiender Erfolg, der aufgefrischtes Selbstvertrauen nach der Pleitenserie bringt. „Wir haben gesehen: Wir können es“, betonte Robin Reichardt, „das baut auf.“ Womöglich ein gutes Omen fürs nächste Flutlicht-Heimspiel des TSV am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen den SSV Ehingen-Süd. „Das Feuer in uns brennt“, sagte Spielertrainer Coelho, „wir wollen jetzt nachlegen.“ Das 3:1 könnte eine Initialzündung gewesen sein ... TSV Heimerdingen: Emmrich – Milos, Bortel, Geppert, Pellegrino – Reichardt (75. Stumm), Stagel Alberto (83. Keseroglu), Becker, C. Ulici (62. Matias) – Ruckh (90+1. A. Ulici) – Geist (70. Buschermöhle).

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