Zwei Stuttgart/Filder-Verbandsligisten, zwei gegensätzliche Ergebniskurven. Während Calcio Leinfelden-Echterdingen an diesem Spieltag seinen Vormarsch in Richtung obere Tabellenhälfte fortsetzen will, kämpft der TSV Weilimdorf gegen den Abwärtstrend – und muss dabei bange nicht nur auf die eigene Spielklasse schauen. Kommt es in dieser Saison zu einer Rekordabsteigerzahl?
TSV Weilimdorf – SSV Ehingen-Süd (Samstag, 14.30 Uhr)
Klar, die Saison ist noch lang. Und ändern kann sich noch viel. Nach momentanem Stand ergäbe sich aber ein Szenario, das taugt, allen um den Klassenverbleib Bangenden den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben: Wäre jetzt Schluss, müssten aus der Verbandsliga sage und schreibe sechs oder sieben Teams direkt absteigen. Schuld daran ist die Situation in der übergeordneten Oberliga, in der sich die württembergischen Mannschaften in der Abstiegszone drängeln (Hollenbach, Türkspor Neckarsulm, Bietigheim-Bissingen, Normannia Gmünd, Göppingen). Demnach wäre selbst der von den Weilimdorfern belegte elfte Rang im 17er-Feld ein potenzieller Schleudersitz. Um sorgenfrei zu sein, auch ohne Relegationsgefahr, sollte man mindestens als Neunter über die Ziellinie gehen.
Oder, wie es Michael Bachmann, der sportliche Leiter der Nord-Stuttgarter, etwas zugespitzter formuliert: „Wer vorzeitig gesichert sein will, muss um den Aufstieg mitspielen.“ Und das werden die Seinen als Klassenneuling natürlich nicht – zumal sie zuletzt vier Spiele in Folge verloren haben. Die Frage, die sich aktuell stellt, ist nun: Kriegt die Mannschaft in ihren verbleibenden vier Begegnungen des Kalenderjahrs noch einmal die Kurve?
Vorwürfe möchte Bachmann nach den jüngsten Niederlagen gegen das Establishment aus Holzhausen (0:1), Schwäbisch Hall (2:3) und Berg (2:5) keine machen. „Das wären Bonuspunkte gewesen“, sagt er. Was aus seiner Sicht rückblickend „weh tut“, sind die Verluste aus der Anfangsphase der Saison – als sich die Weilimdorfer den jetzigen Schlusslichtern aus Heilbronn (3:4) und Esslingen (1:3) geschlagen geben mussten. Ein Hinweis, den sich Bachmann dabei nicht verkneifen mag: „Damals, als der Trainer noch Manuel Fischer hieß und nicht Oliver Stierle.“
Was war und immer noch ist, ist die Baustelle namens „Abwehrverhalten“. Kein Teilnehmer in der Staffel hat mehr Gegentore kassiert als die Kicker von der Giebelstraße. Folglich vor allem in diesem Bereich sieht Stierle den Ansatzpunkt. „Die Jungs wollen dann oft zu viel und rennen mitunter blind nach vorn. Da müssen wir konzentrierter werden“, fordert er. Gegen den Tabellennachbarn SSV Ehingen-Süd wartet in dieser Hinsicht sogleich die nächste größere Prüfung. Die Gäste von der Donau haben in Simon Dilger einen der seit Jahren besten Torjäger der Liga in ihren Reihen.
Demgegenüber muss Stierle in jedem Fall umbauen. Außer den gesperrten Bastian Joas (ein Spiel nach Gelb-Rot) und Eldin Sadikovic (zwei Spiele nach Rot) fällt von der bisherigen Startelf auch Andrew Addo (auf einer Trauerfeier) aus. Zudem steht der Torhüter Matej Barisic (krank) auf der Kippe. Zwei andere kehren fürs Wochenende ins Aufgebot zurück: Matar Njie, der sich über Leistungen in der zweiten Mannschaft wieder empfohlen hat – und überraschend auch Anthony Jeremy Raheem. Jener hatte sich wie berichtet von sich aus beruflich bedingt in die „Zweite“ abgemeldet. Nun das Comeback „oben“. „Er kann zwar weiter unter der Woche kaum trainieren, ist aber mit seiner Geschwindigkeit einfach eine Waffe“, sagt Stierle.
Unterdessen stehen bei Fadel Boukari und Yasin Kadir Yilmaz die Zeichen auf Abschied. Beide hatten zuletzt unter Stierle keine Rolle mehr gespielt. Und bei beiden geht die Tendenz dahin, dass sie sich in der Winterpause neue Vereine suchen. Ob im Gegenzug Verstärkungen kommen, wie von Stierle gewünscht, wird sich zeigen. Bachmann sagt zu diesem Thema: „Wir werden schauen, ob etwas passt und was machbar ist. Aber ich bin kein Weihnachtsmann.“
FC Esslingen – Calcio Leinfelden-Echterdingen (Samstag, 14.30 Uhr)
Umgekehrt verläuft die Kurve bei Calcio. Erst der schwache Start mit nur einem Sieg aus den ersten sieben Spielen, inzwischen aber ist der Oberliga-Absteiger in Tritt gekommen. Die Haben-Bilanz aus den nachfolgenden sechs Begegnungen: 15 von 18 möglichen Punkten. Die Rädchen in der vor der Saison weitgehend neu formierten Mannschaft greifen immer besser ineinander. „Ich habe immer gesagt, dass wir die Ruhe bewahren müssen. Dass wir eben dies getan haben, macht sich nun bezahlt“, sagt der Trainer Francesco Di Frisco.
An diesem Samstag könnte nun erstmals in der laufenden Runde der Sprung in die obere Tabellenhälfte gelingen. Zum Vorletzten FC Esslingen fahren die Echterdinger als klarer Favorit. Diese Begegnung sowie die darauffolgende zuhause gegen die TSG Tübingen, mithin einen weiteren Gegner aus der Abstiegszone, betrachtet Di Frisco als Aufgabenpaket. Seine Einschätzung: „Wenn wir auch diese beiden Spiele gewinnen, werden wir in Ruhe Weihnachten feiern können.“ Mit sechs weiteren Zählern wäre vollends der Turnaround geschafft. Steigerungsbedarf sieht der Coach dabei nach wie vor in der Chancenverwertung. Vor dem Tor lässt die Mannschaft weiterhin zu viel liegen.
Die aktuell allerdings größere Sorge: In Dan Constantinescu droht einer der Schlüsselspieler auszufallen. Wohl eine Bänderdehnung, erlitten zuletzt beim 3:0 gegen den VfR Heilbronn. Ohnehin weiterhin raus sind die Patienten Ali Bozatziolou, Jovan Djermanovic, Patrik Seemann und Sangar Aziz. Demgegenüber gibt es ein Wiedersehen mit David Micko. Der Youngster spielte in der vergangenen Saison noch für Calcio, ehe er nach Esslingen wechselte.
Bei den Gastgebern ist seit vier Wochen ein neuer Trainer im Amt. Dominik Eitel (zuvor C-Junioren-Coach im Verein) hat den nach nur neun Punktspielen entlassenen Tobias Hofmann ersetzt.