Fußball- Verbandsliga Ein Olympionike macht die Kicker fit
Matthias Bühler, der neue Athletik-Coach der Fußballer des SV Fellbach, war als Hürdenläufer achtmal deutscher Meister und zweimal Olympia-Teilnehmer.
Matthias Bühler, der neue Athletik-Coach der Fußballer des SV Fellbach, war als Hürdenläufer achtmal deutscher Meister und zweimal Olympia-Teilnehmer.
Wenn die Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach an diesem Samstag, 15.30 Uhr, beim Aufsteiger TSV Weilimdorf ihr erstes Ligaspiel in der neuen Saison bestreiten, dann sitzt außer den beiden Coaches Kiriakos und Nicos Gountoulas auch Matthias Bühler auf der Trainerbank – als neuer Athletikcoach der kickenden Belegschaft. Der 38-Jährige, der aus Haslach im Kinzigtal stammt, 2018 in den Stuttgarter Norden gezogen ist und inzwischen seit drei Jahren der Liebe wegen in Uhlbach heimisch geworden ist, kommt ursprünglich von der Leichtathletik. Und dort hat er auch große Erfolge als Hürdenläufer gefeiert. So war er unter anderem achtmal deutscher Meister über die 110-Meter-Distanz – zuletzt 2020 in Braunschweig. Seine Bestzeit steht bei 13,34 Sekunden, sein größter Erfolg war der elfte Platz bei den Weltmeisterschaften 2015 in Peking. Außerdem hat er 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro an den Olympischen Spielen teilgenommen.
Jetzt kümmert sich der ausgebildete IT-Systemkaufmann, der nach dem Ende seiner Laufbahn 2022 immer als (Personal-)Trainer tätig sein wollte, also um die Fitness der Fellbacher Kicker. „Viele Zufälle haben geholfen, dass ich jetzt hier bin“, sagt der 1,89 große Modellathlet, der sich nach seiner Ausbildung voll auf den Sport konzentriert hat. Erst hat ihn der Sanitärhandwerker, der am Haus in Uhlbach zur Problemlösung bestellt war, zu den ortsansässigen Fußballern vermittelt. Danach war es seine Heilpraktikerin Ariane Ziegler, die Ehefrau des ehemaligen VfB-Torwarts Marc Zielger, die den Kontakt zum SVF herstellte, bei dem der Sohn in der U12 als Torwart kickt, den er auch schon individuell trainiert hat. Irgendwann habe Oliver Hirschmann, der stellvertretende Fußball-Abteilungsleiter, bei ihm angerufen und ihn für die erste Mannschaft angeheuert.
Zweimal in der Woche ist der Hürdenlauf-Spätstarter („Ich habe erst mit 17 Jahren begonnen“) seit Vorbereitungsbeginn im Training der Verbandsliga-Fußballer dabei – und am Wochenende auch bei den Spielen. „Ich mache es aus vollem Herzen, sehe mich als Teil der Mannschaft“, sagt Bühler, der verheiratet ist und drei Stiefkinder im Alter von 22, 19 und 15 Jahren hat. Im Fokus seiner Arbeit steht außer der Verbesserung der Athletik (Sprint, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit) auch die allgemeine Entwicklung der Fußballer und die Verletzungsprophylaxe. „Athletiktraining ist viel mehr als nur laufen“, sagt der Wahl-Uhlbacher, der von 2013 bis 2018 in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona gelebt und trainiert hat – unter anderen mit Aries Merritt, der 2012 in London über 110 Meter Hürden Olympiasieger geworden war und der im gleichen Jahr in Brüssel in 12,80 Sekunden einen neuen Weltrekord aufgestellt hatte. „Ich habe in Amerika extrem viel über mein eigenes Training gelernt und natürlich von den Trainern, die die Top-Athleten angeleitet haben“, sagt Bühler. So auch, wie man die Belastung richtig steuert, um den Athleten gesund aufzubauen. „Manchmal ist da weniger mehr“, sagt Bühler, der beim SVF einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. Sein Ziel sei es, dass die Spieler ihre maximale Leistung die ganze Saison über ohne schwerwiegende Verletzungen abrufen können.
Schon jetzt sieht der Fan der TSG Hoffenheim und von Borussia Dortmund die SVF- Fußballer auf einem guten Weg. „Athletisch sind alle sehr gut dabei, ich denke, ich kann noch viel aus jedem herausholen.“ Bei den vielen Kickern, um die er sich gleichzeitig kümmern muss, sei das Thema zwar komplex und man brauche ein sehr gutes Gefühl, „die Herausforderung macht mir aber riesigen Spaß“, sagt Bühler, der sich selbst als eher ruhigen Typen bezeichnet, der gerne zu Hause ist und der zum Ausgleich am PC zockt.
Sein großes Vorbild in Sachen Athletik, Einstellung und Denkweise ist derweil der portugiesische Fußballer Cristiano Ronaldo. Er sei auch mit inzwischen 40 Jahren extrem professionell. „Er muss eigentlich ein Vorbild für alle Fußballer sein. Von ihm können sich alle ein bisschen etwas abschneiden“, sagt Bühler, der auch schon mal eine neue Übung selbst ausprobiert und auch seine Trainingsmethoden ständig hinterfragt.
Die Fellbacher Trainer sind bislang mit der Arbeit ihres Athletiktrainers sehr zufrieden. Und auch bei den Spielern kommt dieser sehr gut an. „Matthias schiebt auch schon mal Überstunden und gibt den Jungs nach dem Training hilfreiche Tipps, wenn sie Probleme oder Fragen haben“, sagt Nicos Gountoulas, der gemeinsam mit seinem Bruder Kiriakos am Samstag in Weilimdorf auf folgende Spieler verzichten muss: Henry Strahl, Jonas Kohler, Ibrahim Njie, Adao Gutzeit, Marko Knezevic (alle angeschlagen), Luka Bozic (Urlaub), Tobias Brücher, Makdad Abdalah (beide noch nicht spielberechtigt) sowie Niklas Weiß. Der Abwehrspieler hat im letzten Testspiel die rote Karte gesehen und muss nun sechs Spiele pausieren.