Fußball Verbandsliga Ein Punkt für den TSV Heimerdingen – zu wenig zum Freuen

Kampf gegen den Abstieg: TSV-Schlussmann Lukas Emmrich ist vor dem Pfullinger Robin Hiller am Ball – Leon Baumeister (re.) und Salvatore Pellegrino (li.) sind stille Beobachter. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Der TSV Heimerdingen und der VfL Pfullingen trennen sich im Kellerduell der Fußball-Verbandsliga 1:1 – was bei den Gastgebern für reichlich Verdruss sorgt.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Marius Riedmiller hätte zum Joker werden können, zum Matchwinner für den TSV Heimerdingen. Wenn, ja wenn er den Ball nur ein klein wenig anders getroffen hätte bei seiner knallharten Direktabnahme – doch der Schuss des zehn Minuten zuvor eingewechselten Stürmers knallte in der 87. Minute an den Pfosten. Und es blieb bei 1:1 (1:1) der Gastgeber in Kellerduell mit dem VfL Pfullingen.

 

„Das hat er überragend gemacht, alles absolut richtig“, stöhnte TSV-Coach Andreas Broß, „aber dann geht das Ding leider nur an den Pfosten.“ Dieses Unentschieden gegen das Schlusslicht war ein doppelter Punktverlust für den TSV Heimerdingen und ein Punktgewinn für die Gäste – nach der Pause hatte die Mannschaft um Kapitän Sebastian Bortel ein ordentliches Chancenplus. Nur die Belohnung in Form eines Tores fehlte.

Letztlich war das Remis zu wenig, um im Kampf gegen den Abstieg dem rettenden Ufer ein gutes Stück näher zu kommen, sechs Zähler fehlen auf den Relegationsplatz. Andererseits ist ein Punkt ein Punkt. Es fiel den Heimerdingern nicht ganz leicht, die Gefühle über den Ausgang der Partie vor 222 Zuschauern richtig zu sortieren. „Gefühlt ist das 1:1 zu wenig“, sagte TSV-Fußballchef Uwe Sippel und blickte auf den malträtierten Rasenplatz, „wir waren das bessere Team, haben es aber nicht auf die Anzeigetafel bekommen. Der Pfostenschuss war irgendwie symptomatisch für unsere Bemühungen.“

Abseits beim Pfullinger Treffer?

Sagen wir es so: Das Glück hatten die Heimerdinger an diesem unangenehm kalten Samstag nicht auf ihrer Seite. Etwa beim 0:1 (36.), das genauso überraschend kam wie der erste Wimbledon-Sieg von Boris Becker 1985 – der VfL Pfullingen hatte zuvor mit gefälligen Fernschüssen seine Präsenz belegt, was jeweils leichte Übungen für TSV-Keeper Lukas Emmrich waren. Das Schlusslicht blieb harmlos. Doch in Minute 36 sahen viele VfL-Kapitän Matthias Dünkel nach einem Schuss von Aris-Cosmin Dragulin vor Emmrich irritierend im Abseites – aber der Assistent an der Linie sowie Schiri Antonio Agazio konnten nichts Irreguläres erkennen. Der Ball kullerte unberührt über die Linie. „Ein blödes Tor war das“, knurrte Sippel.

Der TSV fällt nicht in die Schockstarre

Immerhin: Der Rückstand führte bei den Heimerdingern nicht zu einer lähmende Schockstarre. Nur zwei Minuten später schlug Filip Milos eine Flanke in den Pfullinger Strafraum, die genau vor die Füße von Max Stumm abgewehrt wurde – und der zog so humorlos ab wie Profi-Boxer Mike Tyson seine Gegner einst auf die Bretter schickte. Das 1:1 war hochverdient, da der TSV zehn Minuten zuvor die Führung hatte liegen lassen wie ein Taxifahrer, der freiwillig auf ein üppiges Trinkgeld verzichtet. Rudolf Buxmann hätte frei stehend aus sechs Metern abziehen können, doch er stoppte den Ball und verzog dann unter Bedrängnis.

Nach der Pause hatten die Gastgeber deutlich mehr Spielanteile, doch den Dosenöffner für das 2:1 fanden sie nicht. In der Abwehr standen sie um das Innenverteidiger-Bollwerk mit Bortel und Leon Baumeister überwiegend sicher, im Spiel nach vor jedoch vereitelten immer wieder Kleinigkeiten eine Torchance. Mal war es die falsche Entscheidung nach rechts oder nach links zu passen, mal waren es Abstimmungsprobleme. „Wir haben zwar gut Druck gemacht“, befand Trainer Broß, „aber wir haben unsere Standards nicht gut umgesetzt und sind nicht mit letzter Konsequenz in den Strafraum.“

Broß ärgert sich über annulliertes Tor

Eine Szene ließ den 53-Jährigen dann ebenso verärgert wie hilflos die Schultern zucken. Nach einer Flanke hatte Bortel am zweiten Pfosten den Ball ins Netz geköpft (67.), dabei hatte Schiri Agazio im Spielerpulk am Fünfmeterraum ein Schubsen eines TSV-Kickers gesehen – er gab das Tor nicht. „Keine Ahnung, was er da gesehen hat“, brummte Broß, „wenn viele Spieler zum Kopfball hochsteigen, gibt’s immer Kontakt.“ So blieb es beim Remis. Lars Ruckhs Schuss strich knapp drüber (72.), Filip Milos’ Kopfball flog einen halben Meter am Pfosten vorbei (80.), und auch Riedmiller war es nicht vergönnt, Matchwinner zu sein. Weil man im Abstiegskampf stets das Positive betonen muss, auch wenn ein 1:1 gegen das Schlusslicht schmerzt, fand der neue TSV-Coach einen Ansatz. „Engagement und Einstellung haben gestimmt“, sagte Andreas Broß, „auf diesem Weg machen wir weiter.“ TSV Heimerdingen: Emmrich – Milos, Bortel, Baumeister, Pellegrino – Stumm (77. Matias), Stagel Alberto, Buschermöhle, C. Ulici (66. Reichardt) – Buxmann (77. Riedmiller), Ruckh.

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