Ein gefühlter Rückzug auf Raten ist es schon in den vergangenen Wochen gewesen. Wer ihn als Pressevertreter an den Telefonhörer kriegen wollte, der brauchte jedenfalls einen langen Atem. „Jetzt sollen auch einmal andere reden“, liefert Francesco Di Frisco als Begründung. Mittlerweile ist auch klar, warum. Während die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen in dieser Saison noch mitten im Abstiegskampf stecken, ist für die nächste eine Entscheidung gefallen: Der Trainer hört auf, womit beim Filderclub eine Langzeitära enden wird.
Neun Punktspiele noch mit den Echterdingern, dann ist Schluss. Mit der Heimpartie an diesem Sonntag (15 Uhr) gegen den SSV Ehingen-Süd beginnt quasi die Abschiedstour – diesmal endgültig, wie Di Frisco betont. Diesmal zu „100 Prozent“. Und damit anders als in der Vergangenheit, als der inzwischen 38-Jährige schon zweimal den schnellen Rücktritt vom Rücktritt folgen lassen hat. In den Spielzeiten 2021/2022 und 2024/2025 war er jeweils nur für wenige Tage beziehungsweise Wochen raus, um bei seinem Dauerverein dann doch wieder an der Seitenlinie die Kommandos zu geben.
Aktuell befindet Di Frisco sich in seiner zehnten Calcio-Saison, womit er längst der Rekordtrainer der Italo-Schwaben ist. Aber irgendwann ist’s bekanntlich mit allem mal genug. „Es wird der Mannschaft gut tun, wenn es nach so langer Zeit einmal neue Impulse und eine neue Ansprache gibt“, sagt Di Frisco – und fügt an: „Ich kann guten Gewissens gehen. Ich habe mit dem Verein alles erreicht.“
Fast alles, gekrönt vom erstmaligen Oberliga-Aufstieg vor zwei Jahren. Was noch fehlt, ist der aktuelle Klassenverbleib, mithin die Verhinderung eines nun zweiten Abstiegs in Serie, nachdem sich das baden-württembergische Oberhaus in der vergangenen Saison als zu große Herausforderung erwiesen hat. Die Rettung in der laufenden Runde bleibt als die gerade alles andere überlagernde Aufgabe. Mit ihren zuletzt beiden Siegen gegen Schwäbisch Hall (1:0) und beim TSV Berg (3:1) haben die Echterdinger einen wichtigen Zwischenspurt hingelegt, der kurz durchschnaufen lässt. Mehr aber auch nicht.
Vom definitiv sicheren neunten Rang trennt sie nun noch ein Zähler. Der von ihnen im Moment belegte zehnte Platz könnte am Ende den Gang in die Abstiegsrelegation bedeuten. Die auch Di Frisco bekannte Faustformel: 40 Punkte, und damit alles gut? Sie ist heuer mit hoher Wahrscheinlichkeit außer Kraft gesetzt. Schuld ist die sich abzeichnende Rekordabsteigerzahl.
Insofern werden die Echterdinger sich mit ihren bislang 32 Punkten noch ordentlich strecken müssen. Zu bangen hat Di Frisco dabei um den Einsatz seines nach wie vor angeschlagenen Winterneuzugangs Gustavo Borges Da Silva. Dagegen könnte es bei Casian-Matei Ulici für ein Startelf-Comeback reichen.
Der Gegner hat zuletzt eine rasante Talfahrt hingelegt – Bilanz seit Jahreswiederbeginn: sechs Spiele, sechs Niederlagen, Absturz auf Platz 13 –, reist aber dennoch als schwer einzuschätzende Größe an. Der Grund: ein vor zwei Wochen vollzogener Trainerwechsel. Seit der Entlassung von Kevin Ruiz fungiert bei den Donaustädtern der bisherige Assistent Jan Deiss als spielender Interimscoach. Stand jetzt wird er auch noch am Sonntag in verantwortlicher Rolle sein. Auch wenn sein Einstand krachend schief gegangen ist: Am Karsamstag zogen die Ehinger im Kellerduell mit dem FSV Waiblingen klar den Kürzeren. Endstand: 0:3.