Stets anspielbar: FCE-Stürmer Dorde Smiljic (Mitte) setzt den Körper rein und macht die Bälle im Mittelfeld fest. Foto: Michael Treutner
Der FC Esslingen verliert sein letztes Verbandsliga-Heimspiel gegen den Zweiten FC Holzhausen mit 2:4, zeigt nach frühem Rückstand aber eine Reaktion – und richtet den Blick nach vorne.
Nach dem nur noch theoretisch abzuwendenden Verbandsliga-Abstieg war die Enttäuschung beim FC Esslingen noch greifbar. Das letzte Heimspiel gegen den Zweiten FC Holzhausen hätte deshalb schnell zu einem tristen Pflichttermin werden können. Doch trotz eines völlig missratenen Starts und trotz der am Ende feststehenden 2:4 (1:3)-Niederlage bewiesen die FCE-Kicker Charakter.
FC Esslingen verschläft die Anfangsphase komplett
Die Esslinger verschliefen die ersten 20 Minuten, verfielen noch einmal in alte Muster und lagen früh mit 0:2 zurück. Danach aber stemmte sich die Mannschaft gegen den Favoriten, gegen die eigene Enttäuschung – und gegen das Gefühl, dass diese Saison längst zum Abhaken ist. „Die ersten 20 Minuten sind skandalös gewesen und alles danach war total in Ordnung“, sagte FCE-Trainer Dominik Eitel.
Auch Kapitän Aleksandar Mojasevic wollte die Lage nach dem Abstieg nicht beschönigen und sprach dabei nicht von Frust, sondern eher von Enttäuschung: „Wenn wir am Ende nicht über dem Strich stehen, haben wir es auch nicht verdient. In der Rückrunde haben wir zu viele Spiele verloren, die man hätte gewinnen müssen.“ Umso wichtiger war es ihm, dass sich das Team im letzten Heimspiel noch einmal ordentlich präsentierte: „Wir wollten Haltung zeigen und uns nicht abschlachten lassen. Das wäre das falsche Signal gewesen.“
FCE-Kapitän Aleksandar Mojasevic fordert Haltung von seinem Team. Foto: Robin Rudel/Archiv
Der FCE begann fahrig, leistete sich individuelle Fehler und lud die Holzhausener in der Anfangsphase mehrfach ein. Schon nach sieben Minuten traf Jovan Djermanovic zum 0:1, vier Minuten später erhöhte Tim Steinhilber mit einem platzierten Schuss auf 0:2. In dieser Phase verhinderte FCE-Torhüter Paul Ulmer Schlimmeres. Doch statt Trübsal zu blasen, arbeitete sich der FCE in die Partie hinein. Nach 22 Minuten setzte sich Florian Nikl außen durch und fand in der Mitte Dorde Smiljic, der ruhig blieb, zwei Holzhausener Abwehrspieler umkurvte und zum 1:2-Anschluss einschob. Die Esslinger waren nun wacher und mutiger. Zwar stellte Henry Seeger nach einer starken Kombination der Gäste noch vor der Pause auf 3:1, doch auch dieser Rückschlag änderte nichts daran, dass der FCE nun deutlich präsenter war.
Nach Fehlstart agiert der FC Esslingen mit dem FC Holzhausen auf Augenhöhe
Nach der Pause knüpften die Esslinger daran an: Nach einer Ecke von David Micko köpfte Florian Nikl in der 58. Minute zum 2:3 ein. Danach war der FCE nicht nur zurück im Spiel, sondern phasenweise sogar näher am Ausgleich als Holzhausen an der Entscheidung. Die Esslinger pressten früh, störten den Favoriten im Aufbau und brachten die Gäste immer wieder in die Bredouille. Holzhausen tat sich deutlich schwerer, zwingende Torchancen herauszuspielen. „Charakterlich war das gut“, sagte Eitel und ergänzte: „Nach einem 0:2-Rückstand, auf großem Platz, gegen einen guten Gegner und bei der Hitze sich da noch so reinzuwerfen bis zum Ende – das war stark.“ Nach der schwachen Anfangsphase ist der FCE laut Eitel dem Gegner „komplett auf Augenhöhe begegnet, und das gegen eine Mannschaft, die die wenigsten Gegentore der Liga kassiert hat“.
Dass es am Ende trotzdem nicht zu einem Punkt reichte, passte wiederum zur Saison des FCE. Statt des möglichen Ausgleichs fiel in der Nachspielzeit die Entscheidung auf der anderen Seite. Der erste richtige Torschuss des Favoriten in Hälfte zwei landete direkt im Tor: Holzhausens Lysander Skoda traf zum 4:2-Endstand.
FCE-Coach Dominik Eitel richtet den Blick auf die Landesliga
Der Treffer war der bittere Schlusspunkt eines FCE-Auftritts, der mehr verdient gehabt hätte. Denn die Esslinger zeigten, dass sie den Abstiegsfrust zumindest für 90 Minuten sichtbar beiseiteschieben konnten. Die Gedanken waren nach dem Schlusspfiff aber bereits in der Landesliga. „Wir wollen ganz klar den Blick wieder nach oben richten“, betonte Kapitän Mojasevic. Auch Trainer Eitel sieht den Verein trotz des Rückschlags nicht am Ende einer Entwicklung. Durch die „qualitativ starken Neuzugänge“ soll es wieder zu mehr Konkurrenzkampf kommen. „Dann ist der FCE wieder auf einem Weg, wo es spannend wird“, sagte Coach Eitel.
Und genau dieses Gefühl soll in der Landesliga wieder entstehen: „Hier geht es nach oben, hier entsteht was.“ Der Abstieg ist damit nicht das Ende einer Entwicklung, sondern der Beginn eines neuen Anlaufs.