Fußball Verbandsliga Fünf vor Zwölf beim TSV Heimerdingen
Verbandsliga-Aufsteiger TSV Heimerdingen kassiert eine 0:5(0:3)-Klatsche bei Türkspor Neckarsulm und bleibt ohne Punkte – Fußball-Chef Uwe Sippel sieht dringenden Gesprächsbedarf.
Verbandsliga-Aufsteiger TSV Heimerdingen kassiert eine 0:5(0:3)-Klatsche bei Türkspor Neckarsulm und bleibt ohne Punkte – Fußball-Chef Uwe Sippel sieht dringenden Gesprächsbedarf.
Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg. So lautete das Fazit der Verantwortlichen von Türkspor Neckarsulm zur Partie gegen den TSV Heimerdingen. Das Team aus dem Unterland will vehement nach oben, mit dem 5:0-Erfolg über den Neuling setzte sich der Club auf Platz zwei fest. Die eingeschlagene Richtung stimmt. Und der TSV Heimerdingen?
Der weiß auch, wo er hinwill – nämlich in der Liga bleiben. Dafür muss der letztjährige Landesliga-Meister mindestens Zwölfter werden, um sich zumindest über die Relegation retten zu können. Aber obwohl das Team um Spielertrainer Pascal Dos Santos Coelho das Saisonziel Nichtabstieg genau kennt, irrt es wie Odysseus durch die Welt und findet den Weg partout nicht. Fünf Spiele, null Punkte, 3:17 Tore. Schlusslicht.
„Das war ernüchternd und enttäuschend“, stöhnte der Spielertrainer nach dem 0:5 in Neckarsulm, „den Saisonstart haben wir uns anders vorgestellt.“ Die Partie bei Türkspor war relativ schnell entschieden. Nach 13 Minuten zirkelte Mustafa Uslu den Ball in den Winkel des TSV-Tores zum 0:1, kurz vor der Pause bescherte ein Doppelschlag den nahenden K. o. der Heimerdinger. Cristian Giles Sanchez (früher Stuttgarter Kickers) erzielte akrobatisch nach einer Flanke das 2:0 (38.), Gianluca Trianni nutzte eine individuellen Fehler in der Viererkette zum 3:0 (40.) für die Gastgeber.
„Wir hatten Chancen“, ärgert sich Pascal Coelho, „aber oft hat der letzte Pass gefehlt.“ Casian Ulici und Robin Reichardt hatten ihre Möglichkeiten, vor allem aber verpasste Lars Ruckh kurz vor der Pause eine Top-Chance, als er frei am 16er abzog, aber das Tor verfehlte. „Wenn das 1:3 vor der Pause fällt“, sagte Coelho, „sieht die Welt anders aus.“ Zwar gab sich der Aufsteiger nach dem Seitenwechsel nicht geschlagen, zweimal verhinderte Türkspor-Keeper Matej Barisic einen TSV-Treffer – dann buchte Trianni mit seinen Toren zum 4:0 (61.) und 5:0 (71.) endgültig die drei Zähler für Neckarsulm.
Pascal Dos Santos Coelho sah die Heimerdinger Fußballwelt trotz der neuerlichen Demütigung nicht ganz so finster, als dass man sich fürchten müsste. „Wir hatten gute Aktionen, haben uns Chancen erspielt, nur waren wir nicht effizient“, meinte der 40-Jährige, der darauf hinwies, dass das Auftaktprogramm mit Ausnahme der TSG Tübingen (1:2) starke Gegner gebrachte hatte: TSG Hofherrnweiler (0:2), TSV Oberensingen (1:4), SF Dorfmerkingen (1:4) und Neckarsulm. Coelho zog die Parallele zum Oberligisten FSV 08 Bissingen, der mit fünf Niederlagen in Folge gestartet war und nun vier Siege hintereinander folgen ließ. „Das ist unser Vorbild – wir können uns ebenfalls berappeln“, versicherte der Spielertrainer.
Der eine oder andere belesene TSV-Fan mag ob der Worte an Goethes Faust denken, „die Botschaft hör’ ich wohl – allein es fehlt mir der Glaube.“ Denn um den Motor endlich zu starten, muss Mechaniker Coelho nicht nur ein Teil wechseln sowie drei Schrauben drehen – es hakt an vielen Einzelteilen. „Das Torverhältnis von 3:17“, sagt Uwe Sippel, „belegt, dass wir nicht nur ein Problem haben, sondern einige. Es liegt an allen Mannschaftsteilen.“ Deshalb kommt der Fußball-Chef zum Schluss: „Es ist fünf vor Zwölf.“
In dieser Woche wird es ein Gespräch zwischen Abteilungsleitung und Trainerteam geben – man darf davon ausgehen, dass es nicht nach 20 Minuten beendet sein wird. Ein Thema kommt dabei aber nicht auf die Tagesordnung: die Entbindung von Pascal Dos Santos Coelho von seinen Aufgaben als Spielertrainer. „Nein. Nein. Nein. Eine Trainerdiskussion werden wir nicht führen“, betonte Uwe Sippel, „aber eine Aussprache ist nun dringend nötig.“ Der Abteilungschef will zudem mit erfahrenen Spielern wie Kapitän Sebastian Bortel oder Sturmführer Lars Ruckh über die vertrackte Situation reden.
„Wir sind schon sechs Punkte weg vom Relegationsplatz“, warnte Sippel, „wir dürfen den Anschluss nicht verlieren.“ Der 59-Jährige kennt das Ziel des TSV – deshalb sollte die Mannschaft gegen den Vorletzten TSG Balingen II am Freitag (19 Uhr) die ersten Punkte an der Weissacher Straße abliefern. TSV Heimerdingen: Emmrich – Matias (65. Reichardt), Bortel, Geppert (71. Buschermöhle), Pellegrino (65. Keseroglu) – Stumm (46. C. Ulici), Stagel Alberto, Milos (74. A. Ulici), Becker – Geist, Ruckh.