Fußball-Verbandsligist beantragt Lizenz Entscheidung gefallen: Kriselnder SV Fellbach will in die Oberliga

Der SV Fellbach hat die Lizenz zur Oberliga erfolgreich beantragt. Mika Müller (rechts) ist einer der vielen aktuellen Spieler, die im Fall der Fälle nicht mehr dabei sein werden. Foto: Günter Bergmann

Obwohl beim möglichen Meister der Verbandsliga der Großteil des Teams gehen wird, plant der Club für den Aufstieg – womit man auch beim Verfolger Calcio Leinfelden-Echterdingen weiß, woran man ist. Dessen Sportdirektor zweifelt an der Sinnhaftigkeit.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Nun ist die Katze aus dem Sack. Der SV Fellbach hat die Lizenz für die Fußball-Oberliga beantragt und laut Oliver Hirschmann von der Abteilungsleitung auch schon Rückmeldung vom Württembergischen Fußball-Verband (WFV) bekommen. Diese lautet: „Alle Auflagen erfüllt, die Zulassung ist erteilt“, berichtet Hirschmann in einer Mail. Fehlen also nur noch die sportlichen Kriterien für die fünfthöchste Spielklasse. Diese kann der Verbandsliga-Spitzenreiter am Samstag mit einem Heimsieg im finalen Ligaspiel gegen den SSV Ehingen-Süd perfekt machen. Gelingt dies nicht, gibt es noch den Umweg über die Aufstiegsspiele der Vizemeister – diese finden am 12. und 15. Juni statt.

 

Die aktuelle sportliche Qualität steht außer Frage. Das Team um den Trainer Mario Marinic begeistert mit attraktivem, erfolgreichen Offensivfußball – und das, obwohl die Spieler seit einigen Monaten ihre vereinbarten Zahlungen nicht mehr erhalten. Grund: die Schieflage des Sponsors Wohninvest, der mittlerweile vor der Insolvenz steht. Doch das Erfolgsteam wird es in der nächsten Spielzeit wie berichtet nicht mehr geben, es bricht auseinander. Der mögliche Meistermacher Marinic geht, und der Großteil der Mannschaft hat bereits bei anderen Clubs unterschrieben. Aus der ersten Elf bleibt nur der Mittelfeldspieler Matteo Binner, vom erweiterten Stamm Patrick Fossi und Felix Dreher sowie die Bankdrücker Alper Arslan. Giuliano D’Aleo, Jamie Miller, Leonidas Tziros. Dazu kommen unter anderen Adao Gutzeit (SV Fellbach II), Rafail Filippidis (eigene U 19) und Henry Strahl (SKV Rutesheim), Niklas Weiß (zurück aus Berlin), Thomas Bauer (FCA Walldorf).

So könnte die künftige Spielklasse für den SV Fellbach nun zwar Oberliga heißen, aber es ist sehr schwer vorstellbar, dass die Mannschaft der Saison 2024/25 auch nur annähend an das benötigte sportliche Liga-Niveau herankommen wird. Vielmehr ist Stand jetzt zu befürchten, dass der mögliche Verbandsliga-Meister von der ersten Minute an zum gegentorflutartigen Opfer wird. Nicht zuletzt deshalb war im Umfeld bis zuletzt spekuliert worden, dass der Verein auf einen Lizenzantrag und somit ein eventuelles Aufstiegsrecht verzichten wird.

Warum man sich nun anders entschieden hat? „Wir sehen es mittlerweile nicht mehr als Himmelfahrtskommando, sondern vielmehr als Mega-Challenge“, sagt der SVF-Sportdirektor Frank Weinle, „und hoffen, dass es sich auch in diese Richtung entwickeln wird“. An potenziellen neuen Spielern mangele es nicht. „Wir haben viele Anfragen von Akteuren, die gerne in der Oberliga spielen und das ganze als Plattform nutzen wollen“, berichtet Weinle. So stünden 60 Prozent des Teams, nun gehe es an den Feinschliff. Auch mit Hilfe des Netzwerks des neuen Trainers Tomislav Zoric (war Co-Trainer der U 17 und U 21 des VfB Stuttgart) sollen nun gezielt Spieler verpflichtet werden, damit eben besagtes Negativszenario ausbleibt. Klar sei aber auch, so Weinle: „Die finanziellen Möglichkeiten der Vergangenheit haben wir nicht mehr.“

Auf eine gewisse Überraschung stößt die Entscheidung beim Titelkontrahenten Calcio Leinfelden-Echterdingen (zwei Punkte zurück). Zwar hatte man beim Filderclub so eine Vorahnung. „Die Anzeichen deuteten darauf hin“, sagt der Calcio-Sportdirektor Ioannis Tsapakidis, der eine Fellbacher Vergangenheit als sportlicher Leiter und Trainer hat. Aber: „Generell fehlen mir die Sinnhaftigkeit und das Verständnis für die Fellbacher Lizenzbeantragung“, sagt Tsapakidis. Aus seiner Sicht hätte sich der Verein früher zur Oberliga bekennen sollen, dann wäre „vielleicht der ein oder andere talentierte, junge Spieler trotz finanzieller Einbußen geblieben“. Doch so sei es aus seiner Sicht eben ein Himmelfahrtskommando. „Wir haben Ende Mai, so wie man hört steht die Mannschaft noch gar nicht, geschweige denn wird sie Oberliga-Niveau haben“, sagt Tsapakidis.

Für die Seinen gilt nun: Am letzten Spieltag müssen die eigenen Hausaufgaben in Maichingen gemacht werden – begleitet von der Hoffnung auf einen Fellbacher Patzer gegen Ehingen. Andernfalls bleiben den Echterdingern die erwähnten Aufstiegsspiele gegen den noch zu ermittelnden badischen Qualifikanten.

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