Fußball-Verbandsliga Nach erneutem Chancenwucher: Calcio intensiviert die Torjäger-Suche

Immerhin er traf sehenswert: Echterdingens Bester am Freitagabend, Philipp Seemann (rechts). Foto: Archiv/Günter Bergmann

In Waiblingen kommen die Echterdinger trotz einer Vielzahl an Möglichkeiten und zwischenzeitlicher Überzahl nur zu einem 1:1. Ein Spieler erhält Trainerlob, einer Trainerschelte.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Am Ende stand der Beste des Abends sinnbildlich für die Befindlichkeit seiner Mannschaft. Eine gute Stunde lang hatte Philipp Seemann seinen wohl stärksten Saisonauftritt gezeigt. „Er war der Chef auf dem Platz“, lobt sein Trainer Francesco Di Frisco. Allein, wirkliche Freude wollte weder beim Spieler noch beim Fußball-Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen insgesamt aufkommen. Während für Seemann wegen muskulärer Probleme dann vorzeitig Schluss war, hatten die Seinen ein ernüchterndes Fazit zu ziehen: Leistung überhaupt gut, Chancenverwertung aber abermals schlecht. Und so kam das Filderteam trotz zwischenzeitlicher personeller Überzahl zum zweiten Mal innerhalb von sechs Tagen gegen einen Aufsteiger nicht über ein Unentschieden hinaus. Wie schon zuhause gegen den VfB Friedrichshafen, so lautete auch im Auswärtsspiel beim FSV Waiblingen das Ergebnis 1:1.

 

Zwei Punkte also nur statt der erhofften sechs. Gemessen an den Tormöglichkeiten der Begegnung war es ein Resultat, das den Kopf schütteln ließ. Viel Schelte will Di Frisco zwar nicht betreiben. „Sehr gut gefallen hat mir die Mentalität, dass wir erneut nach einem Rückstand zurückgekommen sind“, sagt er mit Blick auf sein nach dem Abstieg weitgehend neu formiertes Team – auch diesmal standen acht Zugänge in der Startelf. Offensichtlich wurde aber natürlich auch für den Coach, wo die größte Problemzone ist. Ein Himmelreich für einen Knipser, einen Zentrumsstürmer mit ausgeprägtem Torriecher. Nicht von ungefähr sondieren die Echterdinger kurz vor Ablauf der Wechselfrist am Montag weiter intensiv den Spielermarkt. „Vorne wollen und müssen wir in jedem Fall noch etwas tun“, sagt Di Frisco, wobei, wenn man ihm glauben darf, es die ganz heiße Spur „bislang nicht gibt“. Es liefe also auf einen Last-Minute-Transfer hinaus. Oder alternativ auf jemand, der aktuell vertragslos und in dieser Saison noch ohne Einsatz bei einem anderen Verein ist. In diesem Fall machte auch noch eine spätere Verpflichtung Sinn.

Einstweilen, am Freitagabend in Waiblingen, war es schließlich bezeichnend, dass den nur einen eigenen Treffer kein nomineller Angreifer, sondern ein defensiver Mittelfeldmann erzielte: eben Seemann. Der 20-Jährige fackelte in der 32. Spielminute nicht lang und drosch den Ball aus 15 Metern volley in den Dreiangel. Damit glich er immerhin den unglücklichen Calcio-Rückstand aus der Anfangsphase aus. Die Gäste hatten auf einen Abseitspfiff gewartet, der aber nicht kam. Darauf in Bedrängnis, blieb dem Keeper Ali Bozatziolou nur noch ein Befreiungsschlag ins Seitenaus. Aus dem folgenden Einwurf entstand das Gegentor. Der Schütze: Marvin Zimmermann (12.).

Ansonsten ließen die Echterdinger eine Seemann’sche Humorlosigkeit beim Abschluss schmerzlich vermissen, auch in einer 24-minütigen Phase mit einem Mann mehr auf dem Rasen. Waiblingens Ex-Kickers-Kicker Leon Braun sah für ein taktisches Foul Gelb-Rot (52.), ehe es später auch den Calcio-Akteur Qlirim Zekaj mit der Ampelkarte traf (76.) – ihn schon zum zweiten Mal in dieser Saison. „Berechtigt. Ein doofes Foul von ihm an der Mittellinie“, kommentiert Di Frisco, der sein Team die meiste Zeit drückend überlegen sah. Allein vier seiner Kicker vergaben jedoch frei vor dem Tor (Schlotterbeck, Andrei-Lucian Ulici, Mamic, Djermanovic). Darüber hinaus scheiterten Pero Mamic und Seemann gegen die mit drei Ex-Calcio-Spielern (Buqaj, Popescu, Cardinale) angetretenen Gastgeber am Torgebälk. Und, quasi die Zugabe: In der Nachspielzeit fischte der Waiblinger Torhüter Mario Peric auch noch einen Kopfball des eingewechselten Julian Unger bravourös aus dem Eck.

Die Gelegenheit, es besser zu machen, mithin für Saisonsieg Nummer zwei, kommt nun erst am 10. September, dann in den Goldäckern gegen den FC Holzhausen. Am nächsten Wochenende haben die Echterdinger spielfrei. In Bezug auf die Verletzung Seemanns vielleicht ganz gut.

Calcio-„Spieler des Spiels“

Philipp Seemann (Nominierungen: 2). Nicht nur wegen seines Treffers der beste Echterdinger. Der Youngster war Rackerer und Lenker in einem, gewann viele Zweikämpfe und kurbelte das Angriffsspiel seiner Mannschaft an.

FSV Waiblingen: Peric – Körner, Stölzel, Kolb – Bönisch, Buqaj (88. Scheible), Braun, Popescu (74. Dörich) – Bernsee Villiers – Cardinale (90.+3 Kowalski), Zimmermann.

Calcio Leinfelden-Echterdingen: Bozatziolou – Schlotterbeck (87. Eltayeb), Constantinescu, Olteanu, Andrei-Lucian Ulici (70. Unger) – Philipp Seemann (64. Vittorio), Mamic – Casian-Matei Ulici (87. Tompson), Zekaj, Vieira – Djermanovic.

 

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