Der TSV Weilimdorf hat überraschende Abgänge zu verzeichnen, die die Stabilität in der Abwehr nicht gerade fördern. Sehr wichtig werden die drei Auftaktpartien.
Oliver Stierle plaudert aus seiner Zeit beim damaligen Drittligisten Stuttgarter Kickers. Völlig kaputt sei er nach jeder Partie gewesen, sagt er. Aber nicht körperlich vom vielen Laufen, sondern „vom ununterbrochenen Reden“, klärt der Trainer des abstiegsgefährdeten TSV Weilimdorf auf. Dies hat er auch während der Vorbereitung seinen Akteuren gebetsmühlenartig erzählt. Für Stierle ist Reden nämlich Gold und mit eine Maßnahme, um den eigenen brüchigen und durchlässigen Defensivverbund zu festigen.
45 Gegentore aus 18 Begegnungen sind deutlich zu viel und mit verantwortlich, dass der Aufsteiger trotz guter Leistung zu oft – bislang elfmal – als Verlierer vom Platz ging und im Tabellenkeller steckt. „Ich hab’ damals ständig den Mund offen gehabt, meine Mitspieler auf kritische Situationen hingewiesen, sie auch mal zusammengefaltet“, sagt Stierle. Bei seinen aktuellen Akteuren? Kommunikation als gegenseitiges Hilfsmittel in der Verteidigung – bislang Fehlanzeige. Nun wohl aber schon. Auch, weil in Weilimdorf nun dauerhaft eine Veo (Kamera) zur Verfügung steht, Testspiele aufgezeichnet und analysiert werden. Die Spieler hätten in den einzelnen Situationen gesehen, dass eine kleine Anweisung schon gereicht hätte, um kritische Momente zu entschärfen, berichtet Stierle. Ebenso, wie löchrig die Abwehr zum Teil sei und sie kompakter stehen müsste.
Doch Video ist eine Sache, die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz. Und, Fortschritte erkannt? Sicherlich, sagt Stierle, phasenweise sei aufgeblitzt, „dass sie verteidigen können“. Zum Beispiel, man höre und staune, ausgerechnet bei der 2:7-Pleite gegen Türkspor Neckarsulm. Gespielt wurden dreimal 35 Minuten. „Wir hatten nur 14 Spieler dabei, haben den Oberligisten in der ersten halben Stunde aber zur Verzweiflung gebracht, kaum etwas zugelassen, bis die Kraft ausging“, sagt Stierle.
Nun sind die Weilimdorfer also zumindest ein Stück weit auf dem Weg hin zu mehr Stabilität. Doch Kommunikation ist nur ein Teil, ein anderer das Personal. Und dabei musste Stierle mehrmals schlucken. Der pfeilschnelle Anthony Raheem war nach seinem berufsbedingten Rückzug in die eigene „Zweite“ für den zweiten Teil der Saison wieder fest eingeplant auf der rechten Abwehrseite des Verbandsliga-Teams. Doch auf den Rückzug folgte überraschend der komplette Ausstieg. Der 26-Jährige hat ein Jobangebot in Konstanz angenommen. Zur Knappheit in der Abwehr offerierte ihm nach vier Wochen Vorbereitung auch noch Eldin Sadikovic: „Trainer, ich bin wegen des Studiums raus.“ Zwar hat sich in Maximilian Kuchler (Calcio Leinfelden-Echterdinger) ein neuer Abwehrrecke als Startelfoption angemeldet, aber dennoch haben „wir hinten zu wenig und vorne ein Überangebot an Personal“.
Jedoch ist beim TSV Weilimdorf Kommunikation ja mittlerweile ein Hilfsmittel. So machte der Zweite-Mannschaft-Coach Jürgen Zeyer Stierle auf Yutaro Takasaki aufmerksam. Und siehe da: Der Japaner, ebenfalls sehr schnell, habe auf rechts einen guten Eindruck hinterlassen, sei sehr nah an der Startelf. Stierle hat es ihm auch mitgeteilt – mit Hilfe von Takasakis deutscher Freundin. Sie fungiert als Dolmetscherin.
Im Luxusbereich Offensive fehlt zwar weiterhin der Kapitän Bastian Joas (Hüft- und Rückenprobleme). Dazugekommen ist aber der Mittelfeldallrounder Christian Stagel-Alberto (FV Löchgau) – ausgestattet mit „Übersicht und einem feinen Füßchen“. Zudem der Ex-Oberliga-Spieler Roman Kasiar, der im Sturm Bälle festmachen kann und in den Testspielen getroffen hat. Er kommt vom Konkurrenten VfR Heilbronn. Und eben beim Liga-Schlusslicht starten die Weilimdorfer am Samstag (14 Uhr). Dann folgen weitere wichtige Spiele gegen die Kellerkinder Esslingen und Tübingen. „Erst dann schau’ ich auf Tabelle“, sagt Stierle. Natürlich weiß er, dass Stand jetzt sechs oder sieben Teams absteigen müssten. Weilimdorf wäre dabei.
Infos zum Weilimdorfer Kader
Zugänge:
Joel Heske (20, Torwart, FSV Waiblingen II), Roman Kasiar (28, Angriff, VfR Heilbronn), Maximilian Kuchler (25, Abwehr, Calcio Leinfelden-Echterdingen), Christian Stagel-Alberto (24, Mittelfeld, FV Löchgau), Yutaro Takasaki (23, Abwehr, eigene zweite Mannschaft).
Abgänge:
Josip Biljeskovic (Türkspor Stuttgart), Fadel Boukari (eigene zweite Mannschaft), Deniz Kiral (Ziel unbekannt), Angelo Goncalo Ferreira Kakou (VfR Heilbronn), Eldin Sadikovic (pausiert), Anthony Raheem (Umzug nach Konstanz), Berzal Ural (1. CfR Pforzheim), Yasin Kadir Yilmaz (SV Böblingen).