Fußball Verbandsliga Resignation ist beim TSV Heimerdingen eine Todsünde

Gegen den FC Esslingen war der TSV Heimerdingen beim 2:5 völlig von der Rolle: TSV-Kicker Max Buschermöhle (li.) gegen FC-Akteur Jonas Eichinger. Foto: Baumann

Fußball-Verbandsligist TSV Heimerdingen macht sich keine Hoffnungen auf den Ligaverbleib mehr – jedoch erwartet Trainer Daniel Riffert weiter vollen Einsatz von jedem.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

An der Weissacher Straße in Heimerdingen steht kein Wolkenkuckucksheim. Am Ortsende befindet sich das Sportgelände des TSV Heimerdingen und dort sehen sie der Realität knallhart ins Auge – auch wenn es weh tut. „Wir haben zu wenig Punkte geholt, wir sind sportlich abgestiegen“, sagt Trainer Daniel Riffert.

 

Wäre die Verbandsliga ein Spielcasino, würde der Croupier zu den Fußball-Freunden des TSV Heimerdingen sagen: „Rien ne va plus – nichts geht mehr!“ In vier Spielen wären theoretisch die elf Punkte auf den Relegationsplatz zwar noch aufzuholen, doch die Abstiegsregelungen in den Amateurligen sind vertrackt – je nachdem, wie viele Clubs aus der Oberliga im Fahrstuhl abwärts sitzen, müssen auch mehr aus der Verbandsliga runter in die Landesliga. „Ob Platz zwölf überhaupt zur Relegation reicht, das ist nicht sicher“, erläutert der TSV-Coach.

Maximal unzufrieden: Trainer Daniel Riffert Foto: Baumann

Sich wehrlos dem Schicksal ergeben und die Saison abzuwickeln wie ein Unternehmen, das insolvent gegangen ist? Nicht mit Daniel Riffert. Nach dem blamablen 2:5 gegen Abstiegskonkurrent FC Esslingen am vergangenen Freitag war der 36-Jährige bereits in der Pause laut geworden, und er steigerte die phonetische Intensität seiner Sätze nach dem Schlusspfiff in ein wahres Wortgewitter inklusive Donnergrollen. „Nach dieser Leistung kann kein Spieler mehr vor sich selbst in den Spiegel schauen“, knurrte Riffert, „wenn die Mannschaft die letzten vier Wochen so lustlos runterspielt, bin ich weg.“

Donnergrollen nach Partie gegen Esslingen

Die Drohung hat mehr rhetorischen Charakter, jeder weiß, dass Riffert beim TSV eine feste Größe darstellt und er nach dieser Runde wieder in sein Amt als Sportdirektor zurückkehrt. Den Job als Feuerwehrmann hat er nur aushilfsweise übernommen, weil nach dem Rauswurf von Spielertrainer Pascal dos Santos Coelho Ende Oktober der vorgesehene Retter Andreas Broß (sieben Punkte in drei Partien) nicht über die Vorrunde hinaus als Coach arbeiten wollte – und der künftige Trainer Markus Koch aus privaten Gründen erst zur neuen Saison einsteigen konnte.

Andreas Broß stand lediglich für drei Spiele an der Seitenlinie, holte dabei aber sieben Punkte. Dann stieg er aus persönlichen Gründen wieder aus. Foto: Baumann

Daniel Riffert drückte mit seinem deutlichen Weckruf vor der Partie an diesem Sonntag (15 Uhr) bei den Youngs Boys Reutlingen damit unmissverständlich aus, dass er von jedem Einzelnen im Kader erwartet, auf der Zielgeraden der Saison alles zu geben, was fußballerisch und mental abrufbar ist. „Wie der Verein Verpflichtungen gegenüber den Aktiven besitzt, so haben auch die Spieler bestimmte Verpflichtungen gegenüber dem Verein“, stellt der Mann klar, der den TSV als Chefcoach in der vergangenen Saison in der Landesliga zum Titel geführt hatte.

Vier Abgänge stehen fest

Auch Fußball-Chef Uwe Sippel erwartet, dass sich das Team am Riemen reißt – auch mit Blick auf die kommende Spielzeit. Denn noch sind nicht alle Verträge für die Landesliga-Runde wasserdicht ausverhandelt. Fest stehen bislang die Abgänge von Andrej Ulici (Calcio Leinfelden-Echterdingen), Christian Stagel Alberto (FV Löchgau), Kerim Keseroglu (Auszeit) und Max Buschermöhle, der beruflich in seine Heimat Bremen zurückkehrt.

Christian Stagel Alberto (li.) wird den TSV in Richtung FV Löchgau verlassen. Foto: Baumann

Die Verbandsliga im Rücken, die Landesliga vor Augen. „Wir waren vor dem Start aus meiner Sicht wirklich gut vorbereitet“, analysiert Uwe Sippel die zurückliegenden Monate, „in Summe ist aber zu viel gegen uns gelaufen.“ Die Gründe für die Misere sieht der 60-Jährige vor allem in der Verletztenliste, die manchmal fast so lang war wie eine Einkaufsliste einer achtköpfigen Familie.

Die Führungsspieler fehlen

Stürmer Haris Gudzevic zog sich gleich zu Beginn der Runde einen Kreuzbandriss zu, Sturmtank Lars Ruckh folgte in der Winterpause mit derselben niederschmetternden Diagnose. Stammtorhüter Lukas Emmrich fällt ebenfalls seit dem Winter verletzt aus, der wuchtige Martin Kuchtanin laboriert die gesamte Runde an einer lästigen Muskelverletzung. Vor der Saison wurde der erfahrene Abwehrmann Gabriel Fota nach Pflugfelden abgegeben, der Spielertrainer (und Fädenzieher) Pascal dos Santos Coelho war erst verletzt, schließlich trennten sich im Spätherbst die Wege.

Den Ausfall von Routinier und Sturmtank Lars Ruckh im Winter konnte der TSV nicht kompensieren. Foto: Baumann

Führungsspieler und die nötige Kreativität im Offensivausbau waren so selten wie ein erfrischender Regen in der Savanne – und um das Dilemma noch zu verschärfen fehlte den Stürmern immer wieder die Kaltschnäuzigkeit, Torchancen auch in Treffer umzusetzen. „So wenige Tore wie in dieser Saison habe ich in 15 Jahren TSV Heimerdingen noch nicht erlebt“, klagt Daniel Riffert, „aber die Chancen waren vorhanden.“ In der Rückrunde wurde dieses Versäumnis zum sportlichen Todesurteil – lediglich acht Tore in zehn Begegnungen verbuchte der TSV auf der Habenseite.

Das zweite Abenteuer Verbandsliga neigt sich an der Weissacher Straße dem Ende entgegen. Daniel Riffert hat ein Minimalziel ausgerufen, das unbedingt erreicht werden soll: „Wir wollen nicht Letzter werden!“

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