Fußball-Verbandsliga Slalomlaufen auf dem Parkplatz

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Beim SV Fellbach halten sich die Spieler in der Zwangspause einzeln in Form, und Hakan Aslantas dreht vor und in der heimischen Garage in Kirchheim/Teck ein Video.

Jetzt ist der ehemalige türkische Erstliga-Spieler nicht mehr im Stadion, sondern nur noch daheim in Kirchheim: Hakan Aslantas (Mitte)   bei der Vorstellung im Winter  mit dem Abteilungschef Mathias Fischer (rechts) und dem  Abteilungskassier Cüneyt Karacuha. Foto: Privat
Jetzt ist der ehemalige türkische Erstliga-Spieler nicht mehr im Stadion, sondern nur noch daheim in Kirchheim: Hakan Aslantas (Mitte) bei der Vorstellung im Winter mit dem Abteilungschef Mathias Fischer (rechts) und dem Abteilungskassier Cüneyt Karacuha. Foto: Privat

Fellbach - Hakan Aslantas hat es als ersten erwischt. Der namhafte Zugang bei den Verbandsliga-Fußballern des SV Fellbach, den der Abteilungsleiter Mathias Fischer in der Winterpause vorgestellt hat – und für den der Kassier Cüneyt Karacuha seine Schatulle nicht öffnen musste, weil der Hauptsponsor den Coup finanzierte –, dreht an diesem Mittwoch ein Trainingsvideo. Der 34-Jährige, der vom türkischen Zweitligisten Eskisehirspor gekommen war, um mitzuhelfen, den Abstieg zu verhindern, hilft mit, dass seine Mitspieler trotz Zwangspause fit bleiben.

Hakan Aslantas hat sich vorbereitet. „Erst mache ich ein kleines Warmlaufprogramm, dann einige Bauch- und Rumpfübungen und anschließend noch ein paar Ballübungen wie Slalomlaufen um Mini-Hütchen“, sagt der ehemalige Profi-Fußballer deutsch-türkischer Abstammung. Er hat sich in der Garage in Kirchheim/Teck ein kleines Fitnessstudio eingerichtet. Dort und auf dem Parkplatz davor wird er das Video drehen, das der Trainer Giuseppe Greco dann in die mannschaftsinterne Gruppe mit dem SVF-Wappen auf einem beliebten Kommunikationskanal stellen will, damit alle was davon haben.

Nachdem Spiel- und Trainingsbetrieb aufgrund der Corona-Krise eingestellt worden waren, wollte Hakan Aslantas in die Türkei fliegen. Doch noch am Stuttgarter Flughafen hat er sich anders entschieden und ist wieder nach Hause gefahren. „Es war klar, dass ich in der Türkei erst einmal zwei Wochen in Quarantäne muss und es danach überhaupt nicht klar ist, wie und wann ich wieder nach Deutschland zurückfliegen kann“, sagt der erfahrene Verteidiger. Aus diesem Grund ist Hakan Aslantas dann hiergeblieben, hält sich fit und kümmert sich darum, dass das auch die Teamgefährten bleiben.

„Es ist eine schwere Zeit so ganz ohne Fußball“, sagt Hakan Aslantas. Zumal der ehemalige türkische Erstliga-Spieler davon überzeugt ist, dass der SVF gerade dabei war, in die Spur zu kommen – nach dem 3:0-Auswärtssieg bei der SKV Rutesheim, immerhin auf dem sechsten Platz. „Wir haben schwach angefangen, aber ich bin sicher, wir hätten jetzt eine Serie hingelegt. Wir hätten es sportlich geschafft, den Abstieg zu verhindern – und wenn es am letzten Spieltag gewesen wäre“, sagt Hakan Aslantas, früher türkischer U-18-Nationalspieler und gelernter Stürmer – in der C- und B-Jugend hat er viele Tore erzielt. Bei ihm hatte einst der mittlerweile verstorbene Thomas Albeck, damals Jugendkoordinator beim VfB Stuttgart, „ab und an noch Konzentrationsfehler“ festgestellt. Das war 2003, lange her. Hakan Aslantas hat sich danach voll auf den Fußball konzentriert. Jetzt leidet er darunter, dass der Ball ruht.

In der SVF-Gruppe versuchen sie, die Stimmung hochzuhalten. Deshalb hatte Giuseppe Greco, der sein Büro zum Fitnessraum umfunktioniert hat, die Idee mit dem Video, das jeder Spieler drehen soll. „Auch der Trainer macht mit. Irgendwie müssen wir die Zeit ja sinnvoll nutzen.“ Schriftlich hat der Chefanweiser den Seinen nun regelmäßig Übungen vorgegeben. Mit dem linken Fuß den Ball 50-mal gegen eine Wand spielen, Flaschen aufstellen, mit dem Ball herumdribbeln, jonglieren. „Was eben daheim oder draußen geht, aber das Einüben von Mannschaftsverhalten, Zweikämpfe fehlen einfach.“

Giuseppe Greco rätselt darüber, wie und ob es überhaupt weitergehen wird. Die Modelle, die derzeit im Raum stehen, werden auch beim SVF heiß diskutiert. „Bei uns hat sich ganz klar herauskristallisiert, dass keiner eine Annullierung oder das Einfrieren mit Auf- und Absteigern will. Das gibt nur Ärger. Entweder gibt es dann nur Aufsteiger, und wir spielen in der nächsten Saison mit 20 Teams pro Liga, oder aber Playoffs um Auf- und Abstieg, was die sportlichste Lösung wäre und uns die liebste“, sagt Giuseppe Greco. Dafür müsste aber der Trainingsbetrieb bald wieder erlaubt werden. „Wenn wir am 19. April nicht wieder angefangen dürfen zu trainieren, haben wir später nur noch verletzte Spieler. Wir brauchen die Vorbereitung, sonst hagelt es Muskelfaserrisse“, sagt der SVF-Trainer.

Bis dahin drehen die Fellbacher Fußballer weiterhin Trainingsvideos und halten sich getrennt fit. Auch Ricardo Leonel Carvalho Neves. Der Portugiese hat es noch mit dem letzten Flieger in seine Heimat geschafft. „Sobald er von mir die Nachricht bekommt, dass es wieder losgeht, setzt er sich ins Flugzeug und kommt zurück“, sagt Giuseppe Greco.