Fußball-Verbandsligist SV Fellbach Paukenschlag: Erfolgstrainer Marinic hört auf

Der Fellbacher Cheftrainer Mario Marinic will seine Mannschaft vor seinem Abschied noch zum Meistertitel führen. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Vor dem Auswärtsspiel an diesem Freitag bei der abstiegsbedrohten TSV Oberensingen, gibt der Trainer der Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach bekannt, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag „schweren Herzens“ nicht verlängern wird.

Die Befürchtung hatten viele. Jetzt ist sie zur Gewissheit geworden. Mario Marinic, der Trainer der Verbandsliga-Fußballer des SV Fellbach, wird seinen am Ende der Saison auslaufenden Vertrag beim finanziell arg ins Straucheln geratenen Spitzenreiter nicht verlängern. Das teilen die Abteilungsvorderen in einer Presseerklärung vor dem Spiel an diesem Freitag, 19.30 Uhr, bei der TSV Oberensingen mit. „Mit Mario Marinic verlässt uns nicht nur ein herausragender Trainer, sondern auch eine Persönlichkeit, die einen außerordentlichen Teamspirit und Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft geschafften hat“, wird die Abteilungsleiterin Nicole Sdunek zitiert. Außer Marinic werden auch die Co-Trainer Alexander Kustermann und Darko Milosevic ihre Tätigkeiten beenden.

 

Viele SVF-Spieler stehen aktuell mit Klubs in Verhandlungen

Marinic selbst sagt, dass ihm die Entscheidung „sehr schwer“ gefallen sei. Andererseits dürfte dem B-Lizenz-Inhaber offenbar keine andere sinnvolle Möglichkeit mehr geblieben sein, als die Reißleine zu ziehen. In Niklas Koroll (zum 1. CfR Pforzheim) und Fabijan Domic (zum 1. FC Normannia Gmünd) haben bereits zwei Leistungsträger ihren Abschied verkündet. Und dem Vernehmen nach stehen etliche weitere Spieler mit anderen Klubs in Verhandlungen, nachdem ihnen vonseiten des SVF bis heute keine Vertragsverlängerungen angeboten wurden.

Marinic steht ausnahmslos für den Leistungssport

Für den Noch-Coach ist das Projekt, in Fellbach gehobenen Amateurfußball auf die Beine zu stellen, erst einmal gescheitert. Und dabei ist das Team nach dem dritten Platz in der vergangenen Saison in dieser auf dem besten Weg, erstmals in der Vereinsgeschichte die sportliche Qualifikation für die Oberliga zu schaffen. Doch außer der finanziellen Schieflage, die längst ein offenes Geheimnis ist, scheinen der Abteilung auch oberligataugliche Strukturen zu fehlen. „Da braucht es Power von allen Seiten und auf allen Ebenen, und die sehe ich nicht“, sagt Marinic, der vor seinem Amtsantritt 2022 zehn Jahre bei der TSG Backnang (Verbands- und Oberliga) unter Vertrag stand – zuletzt als erfolgreicher Spielertrainer. „Das Ziel, für das ich vor zwei Jahren beim SVF angetreten bin und mich eingesetzt habe, ist nicht mehr zu realisieren. Deshalb habe ich jetzt schweren Herzens die Konsequenzen gezogen“, sagt Marinic. Er stehe ausnahmslos für den Leistungssport und einen Verein, der eine klare sportliche Zielsetzung vertritt. „Wenn ich etwas mache, dann mit 100-prozentiger Leidenschaft. Ich wünsche dem SVF, dass er seine DNA findet, die mit einer tollen Jugendarbeit ein solides Fundament stellt.“

Marinic will mit seinem Team noch den Meistertitel holen

Alles in allem seien es auf jeden Fall zwei sehr lehrreiche Jahre gewesen mit unvergesslichen Erlebnissen und einer unfassbaren sportlichen Entwicklung. Aber eben auch mit einem Ende, das so nicht abzusehen war. „Bis zum Saisonende werde ich vollen Einsatz und Herzblut an den Tag legen, so wie ich das bisher getan habe“, sagt der Cheftrainer. „Ich hoffe, dass die Mannschaft, die charakterlich ihresgleichen sucht, das bekommt, was ihr zusteht: den Meistertitel.“

Frank Weinle hat die Planungen für die neue Runde aufgenommen

Derweil hat der SVF-Sportdirektor Frank Weinle die Planungen für die neue Saison mit Hochdruck aufgenommen – und zwar für eine erste Mannschaft in der Verbands- respektive Oberliga sowie für eine zweite Mannschaft in der Bezirksliga (wobei deren Ligaverbleib noch nicht in trockenen Tüchern ist). So lautet jedenfalls der Auftrag, den er von den Abteilungsverantwortlichen bekommen hat. „Wir leben noch vom Prinzip Hoffnung“, sagt Weinle. Diese Hoffnung, gibt er zu, werde aber von Tag zu Tag kleiner, wenn nicht bald die Weiche in die richtige Richtung gestellt werde. Eine Weiche, die es möglich macht, entsprechende Verträge mit Akteuren abzuschließen. „Wir müssen eine schnelle Lösung finden, um vor allem den jungen Spielern eine Zukunftsperspektive beim SVF zu geben“, sagt der Sportdirektor. Spielern, deren Gehälter die Abteilung auch ohne einen Großsponsor wie die in finanzielle Schieflage geratene Firma Wohninvest stemmen kann.

Der Sportdirektor Frank Weinle hofft schnell eine Nachfolger zu finden

Eine theoretische Alternative wäre, auf den möglichen Oberliga-Aufstieg zu verzichten und in der Verbandsliga zu bleiben. Oder, falls der Verein erkennen würde auch für diese Klasse keinen tauglichen Kader mehr stellen zu können, die erste Mannschaft zurückzuziehen und dann nur noch in der Bezirksliga anzutreten, in der bisher die Zweite spielt. Zuvorderst aber müsse erst einmal die Trainerfrage geklärt werden. Und da gibt sich Weinle, der bis zuletzt auf einen Verbleib von Marinic gehofft hatte, durchaus zuversichtlich, recht schnell einen passenden Nachfolger zu finden.

Für den scheidenden Coach stehen jetzt erst einmal noch zehn Ligaspiele im Terminkalender. Das erste an diesem Freitagabend bei der TSV Oberensingen. „Das wird ein hartes Stück Arbeit“, sagt Marinic. Die Oberensinger, die sich nach der Niederlage vor zwei Wochen gegen den TV Echterdingen von ihrem Trainer Maik Schütt getrennt haben und inzwischen von dem früheren Oberliga-Spieler Leo Gjini angeleitet werden, dürften mit neuer Motivation im Abstiegskampf auftreten. Außerdem gelte es den drittligaerfahrenen Simon Brandstetter in den Griff zu bekommen, wenn er denn spielt. Zuletzt musste er verletzt passen. „Er ist ein herausragender Stürmer“, sagt Marinic. Bei den Gästen werden weiterhin die verletzten Philipp Gutsche, Niklas Koroll und Claudio Paterno fehlen. Auch Niklas Pollex, der am vergangenen Spieltag nach seiner im Spiel beim TV Echterdingen erlittenen Oberschenkelzerrung wieder auf der Bank saß, wird erneut passen müssen. Der Oberschenkel hat im Training wieder gezwickt.

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