Uwe Sippel hält es mit Dragoslav Stepanovic, mit dem Kulttrainer, der es vor mehr als zwei Jahrzehnten bei Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen zu Ruhm und mit den Stuttgarter Kickers zu regionaler Bedeutung gebracht hat. Sein Leitspruch lautete „Lebbe geht weiter“, und den brachte der heute 76 Jahre alte Serbe immer dann gerne an, wenn etwas nicht so lief wie gewünscht oder erhofft.
„Lebbe geht weiter“, sagte auch Uwe Sippel nach dem 0:2 (0:0) des TSV Heimerdingen bei der TSG Balingen II, das seinen Club der Landesliga ein weiteres Stück näher brachte. Neun Punkte fehlen dem Vorletzten auf Relegationsrang zwölf bei acht ausstehenden Spielen. Gibt’s überhaupt noch Hoffnung? „Wir kämpfen solange noch rechnerisch was geht“, sagt der 60-Jährige, „auch wenn die Realität die Hoffnung klein hält.“
Bei der U 23 des Oberligisten machte ein Mann den Unterschied zum TSV: Mirhan Inan. Der 21-Jahre alte Türke erzielte beide Treffer für die Gastgeber – beide nach einem identischen Fußball-Schnittmuster: Diagonalball auf Inan, der nimmt die Kugel halbrechts mit in den Strafraum und lässt Keeper Adis Hamidovic keine Chance (66./68.). „Die TSG II hatte den besseren Stürmer“, sagte Uwe Sippel, „sonst waren es zwei gleichwertige Mannschaften. Eigentlich hätten wir schon einen Punkt verdient gehabt.“
Erst vier Treffer in diesem Jahr
Stichwort Stürmer. Beim TSV Heimerdingen herrscht in der vordersten Offensive große Not – Tore fallen fast so selten wie Regen in Südkalifornien. Vier sind es in diesem Jahr in sieben Partien, getroffen haben Robin Reichardt, Max Stumm sowie Casian und Andrej Ulici – keiner ist echter Stürmer. Auch Trainer Daniel Riffert konstatierte nach dem 0:2 in Balingen fast fatalistisch verzweifelt: „Um zu gewinnen, musst du Tore schießen.“
Problemzone Sturm. Haris Gudzevic fehlt seit Saisonbeginn mit Kreuzbandriss, Marius Riedmiller war im Herbst eine Weile verletzt, in der Winterpause gesellte sich Routinier Lars Ruckh zum Kreuzbandriss-Lazarett dazu, was personell besonders schmerzt. Zwar holte der TSV in der Winterpause Alper Arslan vom SV Fellbach, doch sowohl der Neuzugang als auch Rudolf Buxmann entwickelten bislang wenig Torgefahr oder ließen beste Chancen liegen. Und Flügelflitzer Max Stumm hat derzeit das Gegenteil von dem, was man im Fußball einen Lauf nennt.
Riffert verzweifelt an der Linie
In Balingen besaß der 22-Jährige die beste Möglichkeit, Heimerdingen in Führung zu schießen. Nach einem Diagonalpass von Robin Reichardt marschierte Stumm auf TSG-Schlussmann Duha Dogan zu, doch er brachte den Ball nicht an diesem vorbei (35.). Rudolf Buxmann aus acht und Max Buschermöhle aus 16 Metern bekamen die Kugel ebenfalls nicht im Balinger Gehäuse unter – und wenn ein Ball von der Grundlinie in den Strafraum gespielt wurde, war kein TSV-Kicker in der Box, um die Vorlage zu verwerten. „Das war frustrierend, das immer wieder anzusehen“, gestand Daniel Riffert, „wie schon in den Spielen zuvor: Wir machen einfach die Tore nicht.“
Dagegen genügten Mirhan Inan zwei Unachtsamkeiten der Heimerdinger Defensive zum Doppelschlag, womit die Partie so gut wie entschieden war. Auch die Hereinnahme der Offensivkräfte Marius Riedmiller und Marc Geist brachte nicht die erhoffte Initialzündung. Ein Kopfball von Riedmiller strich nach dem 0:2 knapp am Tor vorbei. „Wenn da das 1:2 fällt, geht vielleicht noch etwas für uns“, sagte TSV-Coach Riffert. Tat es aber nicht. So verwaltete die TSG Balingen II die Führung bis zu Ende.
Rote Karte für Max Buschermöhle
Kurz vor dem Abpfiff sah Max Buschermöhle zu allem Ärger noch Rot, weil er aus Sicht der Schiris überhart eingestiegen war. „Rot war übertrieben, Gelb hätte gereicht“, ärgerte sich Riffert. Damit steht Buschermöhle gegen den VfR Heilbronn an Gründonnerstag (19.30 Uhr) nicht zur Verfügung, ebenso wie der für vier Spiele gesperrte Daniel Geppert samt den Verletzten Martin Kuchtanin, Filip Milos, Pascal Schüller und Andrej Ulici. Die Freunde des TSV Heimerdingen haben es nicht leicht in diesen Wochen. Wie sagte Dragoslav Stepanovic: „Lebbe geht weiter.“ Zur Not in der Landesliga. TSV Heimerdingen: Hamidovic – Baumeister, Bortel (81. Schlick), Pellegrino – Reichardt (72. C. Ulici), Buschermöhle, Muratlar (77. Stagel Alberto), Matias, Stumm – Buxmann (59. Riedmiller), Arslan (72. Geist).