Herr Bortel, wenn ich Sie frage „wie geht es?“, wissen Sie sofort, worauf ich hinaus will.
Privat geht es mir gut. (Lacht.) Als Spieler des TSV Heimerdingen ist die Antwort eine andere. Unsere sportliche Situation ist nicht zufriedenstellend.
Wie schrecklich ist für Sie der Blick auf die Tabelle?
Ich muss zugeben, ich schaue nicht groß auf die Tabelle – das ist auch nicht nötig. Es ist nach fünf Spielen ohne Punkt nicht schwer auszurechnen, wo wir stehen.
Was macht das mit der Mannschaft?
Ich würde nicht sagen, dass bei uns eine schlechte Stimmung herrscht. Aber es findet schon etwas im Kopf statt – wenn man gegen Türkspor Neckarsulm gut mithält und dann das Gegentor bekommt, verändert sich die Körpersprache. Der Kopf geht nach unten und gefühlt denkt jeder: Nicht schon wieder.
Ein Gegentor wirft das Team bereits aus der Bahn?
Wir haben so viele Nackenschläge eingesteckt, da ist der Kopf nicht frei. Wir erfahrenen Spieler sind da in der Pflicht, die jüngeren mitzureißen, was allerdings auch nicht immer einfach ist. Wir versuchen alles, wir müssen dranbleiben.
Es sind neben Ihnen einige Routiniers im Team wie beispielsweise Lars Ruckh, Daniel Geppert oder Lukas Emmrich.
Ich muss zugeben: So einen Saisonstart habe ich in meiner Karriere, und ich bin 37 Jahre alt, in meiner Karriere noch nie erlebt. Das ist auch neu für mich.
Häufig falsche Entscheidungen
In der Landesliga hatte der TSV die beste Offensive, jetzt sind es drei Treffer in fünf Spielen. Führt das intern zu Spannungen?
Das würde ich nicht sagen. Wir analysieren ja jedes Spiel am Montag, und dabei stellen wir fest, dass wir in entscheidenden Situationen häufig die falsche Entscheidung treffen. Müsste der Ball in die Tiefe gespielt werden, kommt zum Beispiel ein Kurzpass. Das ist unser Hauptproblem derzeit.
Solche Spielsituationen kann man im Training doch nur unzureichend nachstellen und üben, oder?
Diese individuellen Dinge kann man tatsächlich kaum trainieren, aber für uns ist nun absolut ausschlaggebend, dass wir endlich ein Erfolgserlebnis verbuchen können. Gegen Tübingen führten wir zur Pause 1:0, alles lief gut – und dann spielten wir eine zweite Hälfte, die keiner erklären kann. Wir brauchen nun dieses eine Erfolgserlebnis.
Zu viele individuelle Fehler
Nun kommt die TSG Balingen II an die Weissacher Straße – auch ein Team, das gegen den Abstieg kämpft. Gab es eine besondere Vorbereitung auf dieses wichtige Spiel?
Von der Intensität her trainieren wir nicht anders, aber das Trainerteam dreht natürlich an den Stellschrauben und lässt verstärkt Dinge trainieren, an denen es in den Spielen zuvor nicht gestimmt hat. Zu Wochenbeginn lag das Augenmerk darauf, dass wir es schaffen, das Abwehrzentrum dicht zu kriegen – damit wir nicht so viele Gegentor bekommen. Oder dass die Steckbälle in der Offensive funktionieren.
Sie sind ein Teil der Abwehr. Was sind die Probleme in der Defensive?
Wenn man sich die Gegentore in der Videoanalyse anschaut, wird klar: Es werden zu oft die falschen Entscheidungen getroffen. Es sind individuelle Fehler, die sich summieren und die in der Verbandsliga eben häufig bestraft werden.
Wie geht das Team nun in die Partie gegen Balingen?
(Überlegt.) Wir müssen drei Punkte holen. Wir dürfen jetzt nicht Harakiri spielen, aber jeder Einzelne muss diesen Erfolg wollen.
Druck kann einen antreiben, Druck kann aber auch die Beine und den Kopf lähmen. Wie geht die Mannschaft damit um, dass der Druck von Spiel zu Spiel steigt, wenn es keine Punkte gibt?
Ich würde nicht sagen, dass uns diese Situation hemmt, weil sie uns zu sehr belastet. Aber im Grunde kann ich da nur für mich selbst sprechen – und ich kann mit Druck sehr gut umgehen. Ich stand auch schon in anderen kniffligen Situationen. Vom Gefühl her denke ich aber, dass die Mannschaft nicht unter dem Druck zusammenbricht und der eine oder andere Spieler Angst vor dem nächsten Fehler hat.
Angst vor dem nächsten Fehler?
Dass ein Spieler Angst hat kann ich mir fast nicht vorstellen.
Es muss ganz einfach ein Erfolgserlebnis her. Es liegt ja auch nicht daran, dass wir eine weitgehend neue Mannschaft hätten – das Grundgerüst des Meisterkaders ist zusammengeblieben.
Die Mannschaft ist nicht schwächer als vergangene Saison, sondern stärker.
Natürlich. Die Neuzugänge sind stark, auch wenn einige noch jung sind. Aber wir mussten häufig umstellen, weil wir verletzte Spieler hatten. Aber das darf natürlich keine Ausrede sein.
Würde ein Sieg über die TSG II am Freitagabend genügen, um den Umschwung herbeizuführen?
Definitiv. Es kommt dazu: Nächste Woche ist eine englische Woche mit dem Heimspiel gegen Ehingen-Süd am Mittwoch und dann am Sonntag darauf beim VfR Heilbronn. Ein Erfolg am Freitag wäre ein guter Start in dieses Programm.