Fußball-Verbandsliga TV Echterdingen muss nachsitzen – und verliert einen weiteren Leistungsträger

Michael Deutsche drehte die Partie – was in der Endabrechnung aber nichts mehr half. Auch wird der Routinier den Verein verlassen, mit überraschendem Ziel. Foto: /Pressefoto Rudel/Robin Rudel

Schon wieder Relegation – trotz 4:1-Siegverpasst der TV Echterdingen den direkten Klassenverbleib. Nun gilt es am 15. Juni. Derweil stehen acht Zugänge und neun Abgänge fest, darunter der aktuelle Matchwinner mit überraschendem neuen Verein.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Die Blicke gingen noch Minuten nach dem Abpfiff immer wieder auf die Handys. So, als wollten die Betroffenen sich ein viertes oder fünftes Mal vergewissern, ob das tatsächlich stimmen kann. Und der Trainer Antonino Rizzo kam aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Doch Zahlen, mithin eine Tabelle, lügen bekanntlich nicht. Und so steht es seit diesem Samstag fest: Trotz eines tollen Endspurts mit dem dritten Vier-Tore-Sieg in Serie, diesmal einem 4:1 gegen die TSG Tübingen, hat es nicht mehr zum direkten Klassenverbleib gereicht. Die Verbandsliga-Fußballer des TV Echterdingen müssen auch in dieser Saison nachsitzen. Erneut finale Nervenkitzel-Zugabe. Erneut Relegation. Wie vor Jahresfrist fällt die Entscheidung über das gelb-schwarze Wohl und Wehe eines Spieljahrs in der Extraschicht. Damals um den Aufstieg, heute gegen den Abstieg. Zum Tag der Wahrheit wird nun der 15. Juni.

 

„Unter diesen Umständen ist das der schmerzhafteste Sieg der Saison“, sagt Rizzo mit Blick aufs aktuelle Spielergebnis. „Eine blöde Situation“, ergänzt der Abteilungsleiter Phillip Wunsch. Enttäuschung für sie alle, dass die parallel erhoffte Schützenhilfe weitgehend ausgeblieben ist. Ja, es hätte auch noch schlimmer kommen können. Durch die Entwicklung in der Oberliga bleibt immerhin das Schreckensszenario mit fünf Direktabsteigern erspart. Doch von den Fernrivalen VfL Pfullingen und TSV Berg tat keiner den Gefallen, zu straucheln, womit die Echterdinger auf ihrem zwölften Tabellenplatz festkleben.

Drittbestes Rückrunden-Team

Letzteres lässt auch unter rein statistischen Aspekten hadern. Schließlich hat der Filderclub sein zur Winterpause recht ambitioniert gestecktes 38-Punkte-Ziel nun sogar noch um einen Zähler übertroffen. Wer hätte es nach der missratenen Hinserie ernsthaft für möglich gehalten? „Super Kompliment, was die Mannschaft seither abgerissen hat. In der Vergangenheit war man damit immer safe“, stöhnt Rizzo. Heuer nicht. Heuer verhilft selbst die Bilanz als drittbestes Rückrundenteam lediglich zur erwähnten Saisonverlängerung, vor welcher es jetzt noch zwei Happy-End-Optionen gibt. Die eine: Die Echterdinger regeln es aus eigener Kraft, indem sie ihre Finalpartie gegen den noch zu ermittelnden Gegner gewinnen. Jener wird einer der vier Landesliga-Vizemeister sein: VfR Heilbronn, TSV Weilimdorf, VfL Nagold oder FC Wangen – und zwar an einem noch unbenannten Spielort im Bezirk Stuttgart.

Hilfe von Göppingen und Calcio?

Die andere Möglichkeit: Der Oberliga-Vize Göppingen und der Verbandsliga-Vize Calcio, der Ortsnachbar also, setzen sich in ihren Aufstiegsspielen jeweils durch. Damit würde die Echterdinger Begegnung bedeutungslos. In diesem Fall hätten sowohl die Gelb-Schwarzen als auch ihr Kontrahent einen Verbandsliga-Startplatz sicher.

Einstweilen, was in den Goldäckern bei aller momentanen Betrübtheit Mut machen darf, hat die Mannschaft abermals ihre Stehaufmännchen-Qualitäten gefestigt. „Wer auch immer uns im Abstiegskampf abgeschrieben hatte, wir sind ein jedes Mal zurückgekommen“, weiß Rizzo. So auch in der aktuellen Begegnung, als ein Patzer des Torhüters Tim Becker zur zusätzlichen Bürde geriet. Der 27-Jährige verschätzte sich im Luftduell mit dem Tübinger Mittelstürmer Tim Steinhilber. Dessen Kopfball flog zum 0:1 ins leere Tor. Zudem machten es sich die Gastgeber mit einer Vielzahl an Ballverlusten zunächst selbst schwer.

Deutsche trifft – und verlässt den Verein

Dann aber, in Hälfte zwei, legten sie den Schalter um und fanden zurück zu der leidenschaftlichen Form, die die zuletzt reanimierenden Erfolge gegen Ehingen (ebenfalls 4:1) und in Dorfmerkingen (4:0) ermöglicht hatte. Und einer avancierte zum Schlüsselspieler: Michael Deutsche kippte das Geschehen mit zwei starken Einzelaktionen. Erst legte er zum 19. Saisontreffer seines Teamkollegen Caglar Celiktas auf, dann schlenzte er den Ball sehenswert selbst ins Netz – ehe dem eingewechselten Elion Mahmuti und Stefan Todorovic in der Nachspielzeit noch zwei weitere Tore gelangen.

Ein Wermutstropfen dann allerdings auch zum Matchwinner: Fix ist mittlerweile, dass Deutsche den Verein verlässt. Der für die Echterdinger vor allem bittere Beigeschmack dabei ist: Es wird nicht das bislang vermutete Kürzertreten aus familiären Gründen, stattdessen wechselt der Ex-Profi zum abgestiegenen bisherigen Staffelrivalen GSV Maichingen, dem Verein des Rizzo-Vorgängers Giuseppe Iorfida. „Da geht es um Summen, bei denen konnten und wollten wir nicht mitbieten“, merkt der Echterdinger Fußballchef Wunsch schmallippig an.

Stand jetzt neun Abgänge, acht Zugänge

Überhaupt steigt eine ganze Reihe von Spielern aus: außer den bereits bekannten Max Bey (Umzug nach Freiburg), Becker (Fußballpause) und Leon Gerxhaliu (TSV Oberensingen) auch noch Julian Miller (ebenfalls Oberensingen), Yule Tröger (Pause), Laurel Vran, Jonas Müller (ASV Aichwald) und Stergios Chatzoglou. Der Umbruch wird also um einiges größer ausfallen als geplant. Ein Fragezeichen steht noch hinter Deniz Bulut.

Im Gegenzug kann der Verein nach Julian Teßmann (24, Mittelfeld, SSV Ehingen-Süd) sieben weitere Neuzugänge vermelden. Deren Namen: Tim Stelzl (22, Tor, Türkspor Neckarsulm, zuvor Calcio), Alex-Eusebiu Ripas (21, Abwehr, VfL Pfullingen), Kevin Prekaj (20, Angriff, TV Nellingen), Armin Zukic (29, Mittelfeld, TSV Oberensingen), Denis Köhler (27, Abwehr, TSV Plattenhardt), Dennis Chirivi (22, Mittelfeld, TSV Heimerdingen) und Luis Niesner (23, Angriff, TuS Röllbach/Landesliga Bayern). Noch auf der Suche sind die Echterdinger unter anderem nach einem weiteren Torhüter.

Für welche Spielklasse, das ist nun wie gesagt noch zu klären. Stichwort 15. Juni.

Echterdinger „Spieler des Spiels“

Michael Deutsche. Als nach einem 0:1-Pausenrückstand Tatkraft gefordert war, schritt er eben zur Tat. Mit seinen Dribblings sorgte Deutsche immer wieder für Gefahr. Und zwei Dribblings waren dann auch der Ausgangspunkt zu seiner 1:1-Torvorlage sowie zu seinem 2:1-Führungstreffer. Ein Unterschiedsspieler, dessen Ausstieg sportlich schmerzen wird. (Nominierungen: 3)

TV Echterdingen: Becker – Heinrich (87. Patricelli), Todorovic, Kuhn, Miller – Dölker (61. Handanagic), Bulut, Bey, Pirracchio (74. Mahmuti) – Deutsche (89. Wörne) – Celiktas.

TSG Tübingen: Noll – Zahn, Bursik, Brändle, Gampert (83. Hollnberger) – Thomas, Zenner (83. Rieger), Herrmann, Vetter (61. Glück) – Pereira Almeida (61. Cedrone), Steinhilber (76. Breuninger).

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