War die Last-Minute-Rettung im vergangenen Jahr ein Pakt mit dem Teufel? Seit dem Klassenverbleib in der Verbandsliga, den ausgerechnet der lange ungeliebte Platznachbar Calcio Leinfelden-Echterdingen mit seinem Aufstieg in die Oberliga gesichert hat, ist es für den TV Echterdingen jedenfalls wie verflucht. Woche für Woche folgt ein neuer Nackenschlag. Vor dem Heimspiel an diesem Donnerstagabend (19.30 Uhr) gegen den Tabellenführer Türkspor Neckarsulm steht der nächste Spieler fest, der auf den OP-Tisch muss.
Der Mittelfeldspieler Julian Teßmann hatte am Montag nach dem Training über Schmerzen im Schlüsselbein geklagt. Nach seinem Bruch im Oktober 2023 war dem 24-Jährigen dort eine Platte eingesetzt worden. Bei einer Untersuchung im Krankenhaus hat sich nun herausgestellt, dass diese sofort wieder entfernt werden muss. Eine erneute Operation also. Sprich: Teßmann fällt aus. Auch Steffen Schmidt verpasst die Begegnung. Er hatte schon beim 2:2 am Wochenende in Tübingen krank gefehlt. „Wir können es nicht ändern, irgendwann wird auch das Glück wieder zurückkommen“, sagt der Trainer Valentin Haug.
Gegen den Verbandsliga-Spitzenreiter tritt seine Mannschaft so oder so als großer Außenseiter an. Auf die Echterdinger, selbst designierter Absteiger, wartet eine Herkulesaufgabe. Zwar haben sie bei der 2:4-Niederlage im Hinspiel mit einem Notaufgebot ein gutes Spiel gemacht und zuletzt gegen die Kellerkinder Dorfmerkingen und Tübingen zwei Unentschieden gesammelt, alles andere als eine Niederlage wäre aber eine faustdicke Überraschung.
Zumal der ambitionierte türkischstämmige Gegner seine mit Cristian Gilés Sanchez schon namhafte Offensive in der Winterpause weiter verstärkt hat. Neben dem früheren Kickers-Stürmer, in dieser Saison in 19 Spielen bereits 19-facher Torschütze, läuft nun auch Pascal Sohm auf. Der 33-Jährige spielte mit Dynamo Dresden in der zweiten Liga und lief lange für den Drittligisten Waldhof Mannheim auf. Offenbar eine Abkehr vom im Sommer eingeschlagenen Weg. Vor der Saison hatten in Marcel Hofrath, Hakan Kutlu und Shkemb Miftari drei Starspieler den Verein verlassen. Stattdessen setzten die Neckarsulmer neben ein paar erfahrenen Spielern wie Gilés Sanchez, Torhüter Kevin Rombach oder Marco di Biccari vermehrt auch auf jüngere Spieler. Das Ziel ist klar: Im Titelzweikampf mit dem FC Holzhausen soll der erstmalige Sprung in die Oberliga gelingen.
Vor dieser Mischung warnt Haug: „Die haben wirklich auf jeder Position massig Qualität.“ Namentlich nennt der Echterdinger Trainer als weitere herausragende Akteure den Mittelfeldallrounder Jonathan Zinram-Kisch, den zentralen Mittelfeldspieler Mert Okar, den Verteidiger Nick Hellmann sowie die Außenbahnspieler Melvin Avdic und Malte Moos. „Als Mannschaft haben sie ein gutes Repertoire. Sie können es mit kurzen Bällen, aber auch mit langen. Ihre Stürmer sind mit dem Ball am Fuß und mit dem Rücken zum Tor gut, aber auch kopfballstark“, sagt Haug.
Gespielt wird im Übrigen auf dem Kunstrasenplatz des Sportparks Goldäcker. Der Naturrasen, der zuletzt vor allem beim Mitbenutzer Calcio für Verärgerung sorgte, wurde von der Stadt wegen des schlechten Zustandes vorerst für zwei Wochen gesperrt. Am vergangenen Sonntag war der Calcio-Spieler Jonathan-Martin Swieter in ein Loch im Rasen getreten und hatte einen offenen Bruch im Knöchelbereich erlitten. Sein Trainer Francesco Di Frisco wütete danach: „Dieser Platz ist eine Frechheit.“