Fußball-Verbandsliga Zwei Wochen extra? Müssen beide Echterdinger Vereine nachsitzen?

Vor dem Saisonfinale klar: Auch Leon Gerxhaliu wird den TV Echterdingen verlassen. Foto: Archiv Günter Bergmann

Calcio hat vor dem Ligafinale die Hoffnungen auf den Meistertitel noch nicht aufgegeben. Derweil steht der TV Echterdingen im Kampf gegen den Abstieg vor einem Fotofinish mit Rechenschieber – und verliert für die nächste Saison einen weiteren Erste-Elf-Spieler.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Krimi-Fans können sich freuen, wer gechillt in Richtung Sommerpause gleiten wollte, eher nicht. Der letzte Punktspieltag dieser Saison, der Samstag, wartet für die beiden Echterdinger Verbandsligisten mit finalem Nervenkitzel auf. Doch noch Meistertitel und Direktaufstieg oder aber Umweg „Aufstiegsspiele“? Das ist die Frage beim Tabellenzweiten Calcio Leinfelden-Echterdingen. Klassenverbleib, Relegation oder Abstieg – das sind derweil die gleich noch drei möglichen Optionen für den TV Echterdingen, wobei jenem gar eine Hängepartie bis Mitte Juni droht.

 

GSV Maichingen – Calcio Leinfelden-Echterdingen (Samstag, 15.30 Uhr)

Am heißen Draht nach Fellbach wird es nicht fehlen. Klar: Zumindest mit einem Ohr oder Auge werden alle Echterdinger, sofern nicht gerade selbst Spieler, auch beim Geschehen auf dem Platz ihres Fernrivalen sein. Schließlich ist der Meistertitel allein aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Die beiden Bedingungen für eine nochmalige Wende an der Tabellenspitze: Zum einem muss Calcio sein eigenes Spiel beim bereits als Absteiger feststehenden GSV Maichingen (mit dem Ex-TV-Echterdingen-Trainer Giuseppe Iorfida) gewinnen, zum anderen dürfte besagter SV Fellbach gleichzeitig gegen den SSV Ehingen-Süd maximal ein Unentschieden erreichen.

Wie realistisch das ist? „Im Fußball ist alles möglich. Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben“, sagt der Calcio-Sportdirektor Ioannis Tsapakidis und spekuliert darauf, dass bei seinem Ex-Verein das finale Nervenflattern beginnen könnte. Schließlich handelt es sich bei dessen Gästen von der Donau um eine Art Angstgegner. Von den vergangenen sieben Duellen mit ihrem aktuellen Kontrahenten haben die Fellbacher fünf verloren.

Nüchtern betrachtet spricht freilich mehr dafür, das weiß auch Tsapakidis, dass der eigene Weg in die Aufstiegsspiele der Vizemeister führen wird. Und auch dabei soll es dann nur eine Devise geben: Oberliga, wir kommen – volle Kraft voraus. So bitter die beiden vergangenen Spieltage am Ende jeweils waren, indem Last-Minute-Treffer der Konkurrenz zweimal die eigene Tabellenführung kosteten, vom Kurs abbringen lassen wollen sich die Echterdinger dadurch nicht. „Wenn wir weiter so performen wie zuletzt bei unserem 5:0 gegen Türkspor, brauchen wir uns vor keinem Gegner zu verstecken“, sagt Tsapakidis. Auch nicht vor den etwaigen Widersachern der Zusatzschicht. Der badische Qualifikant für die beiden Aufstiegsbegegnungen am 12. und 15. Juni wird in den nächsten Tagen ermittelt. Ein Kandidat: der FC Auggen. Dort, nahe der französischen und Schweizer Grenze, war das Calcio-Trainerteam an diesem Donnerstag vorsorglich auf Spionagetour.

Zwei weitere Abgänge stehen fest

Beim eigenen Personal hat der Coach Francesco Di Frisco derweil weiterhin die breite Auswahl. Zumindest fünf seiner Kicker stehen vor ihrem zumindest letzten Punktspiel im Echterdinger Aufgebot. Nach den bereits bekannten Abgängen Dimitrios Vidic (FV Neuhausen), Max Piegsa (JC Donzdorf) und Alexander Wetsch ist klar, dass auch Krystian Rudnicki (will beruflich bedingt kürzer treten) und Marlon Lander (TSV Oberensingen) gehen.

Daraus ergibt sich eine der Prioritäten bei der Suche nach Neuzugängen für die nächste Saison: „Auf der Torhüter-Position müssen wir jetzt natürlich etwas machen“, sagt Tsapakidis. Piegsa, Rudnicki – hiernach bleibt im Youngster Ali Bozatziolou nur einer der bisherigen drei Keeper übrig. Außerdem soll in jedem Fall noch ein gestandener Innenverteidiger kommen, um in diesem Bereich den „internen Konkurrenzkampf etwas anzuziehen“, wie Tsapakidis es nennt. Zudem hält Calcio für die offensiven Außenbahnen die Augen auf.

TV Echterdingen – TSG Tübingen (Samstag, 15.30 Uhr)

Verabschiedungen stehen auch beim TV Echterdingen an – bei ihm allerdings nicht allein aus der zweiten Reihe. Die Gelb-Schwarzen werden zumindest drei Erste-Elf-Spieler verlieren, namentlich Tim Becker (will kürzer treten), Max Bey (Umzug nach Freiburg) und, wie inzwischen besiegelt ist, auch Leon Gerxhaliu (zum Staffelrivalen TSV Oberensingen). Und auch im Fall des Routiniers Michael Deutsche (erwägt ebenfalls eine Reduzierung seines Fußballpensums) scheint es auf einen Schlussstrich in den Goldäckern hinauszulaufen.

Doch rücken diese Personalien in Anbetracht der sportlichen Situation in den Hintergrund. Wenn für jemand die obige Schlagzeile „Endspiel-Drama“ vor allem gilt, dann für die Entourage um den Trainer Antonino Rizzo. Für jene muss sich nun weisen, ob die Mission „Klassenverbleib“ ein Happy End erhält. Dabei hat die Mannschaft schon in den vergangenen Wochen sowohl die eigenen als auch die Nerven ihres Anhangs reichlich strapaziert. Zuletzt gelang mit zwei Siegen (4:1 gegen Ehingen, 4:0 in Dorfmerkingen) das von vielen schon nicht mehr für möglich gehaltene Comeback im Tabellenkeller. Das Problem: Ihr Schicksal haben Rizzo und die Seinen nach wie vor nicht mehr selbst in der Hand.

Der Blick in Richtung Oberliga

An diesem Samstag läuft es auf ein Fotofinish mit Rechenschieber hinaus. „Wir haben nichts mehr zu verlieren, können nur noch gewinnen“, sagt Rizzo vor dem Heimspiel gegen die TSG Tübingen. Der Plan: selbst drei Punkte holen, und dann mal schauen, was andernorts geschehen ist. Um den definitiv rettenden zehnten Rang liefern sich die Echterdinger einen Ferndreikampf mit den aktuell vor ihnen stehenden Mitbewerbern VfL Pfullingen und TSV Berg. Gehen sie als Elfter (Klassenverbleib oder Relegation) oder Zwölfter (Relegation oder Abstieg) über die Ziellinie, hängt die Bedeutung ihrer Platzierung vom Ausgang in der Oberliga ab. Von dort wäre es höchst hilfreich, wenn am Samstag einem der drei württembergischen Wackelkandidaten Bietigheim-Bissingen, Holzhausen oder Reutlingen seinerseits die Rettung gelingt. Oder wenn es danach der Zweite über seine Aufstiegsspiele in die Regionalliga schafft – was aber erst am 11. Juni feststehen wird.

Denkbar ist also ein Szenario, bei dem der TV Echterdingen erst zehn Tage nach seinem letzten Punktspiel weiß, ob er bereits Sommerpause hat oder am 15. Juni noch einmal für die Relegation die Schuhe schnüren muss. Einstweilen bangt der Filderclub um seinen Torjäger Caglar Celiktas. Dessen Einsatz ist wegen einer Leistenzerrung fraglich.

Dicke Luft beim Gegner Tübingen

Inwieweit der Gegner Tübingen sich noch einmal aufraffen wird, bleibt abzuwarten. Vor Wochenfrist blamierte sich der Tabellenachte in seinem letzten Heimspiel der Saison mit einem 0:3 gegen das abgeschlagene Schlusslicht Weiler – und sorgte damit für intern dicke Luft. Wie lautete die anschließende Ankündigung des Abteilungsleiters Alexander Wütz? „Wir werden diese Woche den Rauch reinlassen. So können wir uns nicht präsentieren.“

Der letzte Spieltag

Samstag, 1. Juni
TSG Hofherrnweiler – Sport-Union Neckarsulm (13.30 Uhr); GSV Maichingen – Calcio Leinfelden-Echterdingen, TV Echterdingen – TSG Tübingen, Spfr. Schwäbisch Hall – Spfr. Dorfmerkingen, SV Fellbach – SSV Ehingen-Süd, TSV Oberensingen – TSV Berg, Türkspor Neckarsulm – FV Biberach, FV Rot-Weiß Weiler – VfL Pfullingen (alle 15.30 Uhr).

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