Fußball: Walter Weiser, ein Stettener Urgestein Wehe, die Ehefrau putzt einmal die Kickstiefel

Walter Weiser mit dem Wimpel für den Kreispokalsieg der A-Jugend-Fußballer des TV Stetten und einem Paar seiner ersten Fußballschuhe aus den 1960er-Jahren. Foto: Susanne Degel
Walter Weiser mit dem Wimpel für den Kreispokalsieg der A-Jugend-Fußballer des TV Stetten und einem Paar seiner ersten Fußballschuhe aus den 1960er-Jahren. Foto: Susanne Degel

Der Fußball fasziniert auch in Fellbach und in Kernen: Wir wollen in dieser Serie Akteure vorstellen, die besondere Momente und besondere Erfolge erlebt haben. Heute: Mittelfeldspieler Walter Weiser, ein Urgestein des TV Stetten.

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Stetten - Nein, böse waren sie ihm nicht, als er sich in der Saison 1980/1981 das Trikot des damaligen Landesligisten TSG Backnang übergestreift hat. Dafür haben sich die Fans des TV Stetten umso mehr gefreut, als Walter Weiser nach nicht einmal einer Spielzeit wieder zu seinem Heimatverein zurückgekehrt ist. Einem Leistenbruch sei Dank. Denn der verhinderte seinerzeit den womöglich großen Durchbruch des Talentierten im „falschen“ Trikot; Rückkehr in die Heimat zudem fraglich. „Ich hatte in Backnang eine sehr gute Vorbereitung gespielt“, sagt Walter Weiser, mittlerweile 64 und im sportlichen sowie beruflichen Ruhestand. Doch gleich im ersten Punktspiel, bei dem viele Stettener zugeschaut hatten und auch ein Tor ihres ehemaligen Mitspielers bejubeln durften, zwickte die Leiste.

Walter Weiser ist nach wie vor bei den Stettener Spielen dabei

Die Verletzung stellte sich schon bald als Leistenbruch heraus. Weil der offensive Mittelfeldspieler, dessen Vorbild früher der Nationalspieler (1958 bis 1970) und Edeltechniker Helmut Haller war, aber gerade die Technikerschule besuchte, kam eine Operation zunächst nicht in Frage. Bis zur Winterpause habe er sich deshalb mehr oder weniger schlecht als recht durchgekämpft, dann aber auch mangels Einsatzzeiten erkannt, dass es wenig Sinn mache zu bleiben. Walter Weiser kehrte zum TV Stetten zurück, dem er bis heute verbunden ist – als Ausschussmitglied und treuer Fan. Wenn nicht das Coronavirus wütet, ist er mit seiner Frau Petra nach wie vor sonntags auf dem Fußballplatz und bei den Stettener Spielen dabei. „Die Kameradschaft ist einfach toll. Es geht sehr familiär zu“, sagt der Vater zweier Töchter und bald vierfache Großvater.

Mit 17 Jahren lief er bereits in der ersten Mannschaft auf

Zum TV Stetten kam Walter Weiser als Siebenjähriger. Weil es damals noch keine Bambini gab, kickte er gleich mit den Zwölfjährigen in der D-Jugend mit. „Ich war ewig D-Jugend-Spieler“, sagt er und lacht. Seinen ersten große Erfolg feierte Walter Weiser als A-Jugendlicher. Unter der Anleitung von Oswald Schaffer, der die Nachwuchsspieler der Jahrgänge 1954 bis 1956 innerhalb von acht Jahren an die Spitze des Bezirks geführt hatte, gelang der Kreispokalsieg. Mit 17 Jahren durfte Walter Weiser bereits in der ersten Mannschaft auflaufen, mit der er in der Saison 1974/1975 unter der Leitung des Trainers Peter Wachtler die Meisterschaft in der C-Klasse gewann. Zu jener Zeit und noch bis 1983 spielte der gelernte Elektrotechniker, der zuletzt bei Daimler in der Entwicklung tätig war, mit seinem sechs Jahre älteren Bruder Gerhard zusammen. Vater Johann Weiser war zudem Abteilungsleiter und Mutter Maria für das Waschen der Trikots zuständig.

Der Aufstieg in die Bezirksliga mit dem TVS war der größte Erfolg

Seinen größten Erfolg im Trikot mit der Nummer sechs des TV Stetten feierte Walter Weiser 1987 mit dem Aufstieg in die Bezirksliga. Das Saisonfinale gegen die SF Geradstetten war ein überaus bemerkenswertes. Mit 2:0 hätten die Stettener ihr Heimspiel gewinnen müssen, um den Meistertitel bejubeln zu können. Am Ende stand vor den rund 1000 Zuschauern ein 7:1-Erfolg. Fünf Tore hatte dabei Enzo Belotti beigesteuert. „Der hat zwar sonst selten getroffen, aber in dem Spiel ist ihm wirklich alles gelungen“, sagt Walter Weiser, der damals die Spielführerbinde trug und den Meisterwimpel von Staffelleiter Klaus Bohn entgegennehmen durfte.

Mit den Seniorenfußballern des TV Stetten viele Erfolge gefeiert

Den damaligen Meister- und Spielertrainer Manfred Günther, der als Teenager beim VfB Stuttgart den Sprung in die Jugend-Nationalmannschaft geschafft hatte, zählt Walter Weiser mit Helmut Lober zu seinen besten Trainern. Letztgenannter hatte für Manfred Günther, mit dem sich Walter Weiser auf dem Feld stets blind verstanden hatte, in der Bezirksliga übernommen und den Klub in seiner dort zweiten Saison 1988/1989 auf den vierten Tabellenplatz geführt. Es war die beste Platzierung der Stettener jemals in der Bezirksliga. Weil danach einige Spieler, auch vom TV Oeffingen und dem SV Fellbach, abgeworben wurden, beendete Walter Weiser seine Laufbahn. „Ich bin auf dem Höhepunkt abgetreten“, sagt er. Was allerdings nicht ganz stimmt. Denn als Seniorenfußballer heimste der Fan von Borussia Dortmund später weit mehr Titel ein als mit der ersten Mannschaft. Dank seiner Technik und dem guten Kombinationsspiel, was ihn auf dem kleinen Stettener Fußballplatz schon immer ausgezeichnet hatte („Wir waren halt noch echte Straßenkicker“), durfte er noch ungezählte Erfolge feiern. „Das war eine tolle Zeit“, sagt Walter Weiser, der sich in den 1990er Jahren das Amt des Seniorenleiters mit Werner Geier teilte.

Wegen einem Bänderriss fiel er mehr als ein halbes Jahr aus

Wie viele Spiele Walter Weiser, der mittlerweile ein künstliches Kniegelenk hat, in all den Jahren bis zu seinem tatsächlichen Laufbahn-Ende 2005 für den TV Stetten bestritten hat, weiß er nicht. Wohl aber, dass er mehr als 1000 Treffer erzielt hat. Die wenigsten dürften es in der Saison 1982/1983 gewesen sein. Da hatte er sich im Auswärtsspiel in Welzheim einen Bänderriss zugezogen und fiel mehr als ein halbes Jahr lang aus. In der Runde stieg der TV Stetten aus der Kreisliga A ab. Bis heute halten sich Gerüchte, dass seine Ehefrau eine Mitschuld an dem Missgeschick trug. „Vor dem Spiel in Welzheim hat sie mir das allererste Mal die Kickstiefel geputzt“, erklärt Walter Weiser und lacht. Es war das erste und letzte Mal.




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