Fußball-Wechsel Paukenschlag in der Landesliga: TSV Bernhausen verliert seinen Erfolgstrainer

Künftig Echterdingen statt Bernhausen: Roko Agatic hat seine Entscheidung getroffen. Foto: Günter Bergmann

Roko Agatic wechselt zum TV Echterdingen, wenn auch erst im Sommer. Die Hintergründe und wer bei seinem künftigen Verein als Übergangstrainer fungieren soll.

Lokalsport : Franz Stettmer (frs)

Es war ein letzter Versuch, die pikante Angelegenheit zum jetzigen Zeitpunkt noch unter Verschluss zu halten. Trainerthema? „Nö, weiterhin nichts Neues.“ So hatte bis zuletzt der Kommentar aller Beteiligten gelautet. Dabei hatten sich die seit einigen Wochen kursierenden Gerüchte an diesem Montag bereits verdichtet. Und nun, nur einen Tag später, helfen alle Nebelkerzen nichts mehr – die Informationen unserer Zeitung haben sich bestätigt, und die Katze ist aus dem Sack: Der TSV Bernhausen verliert seinen Erfolgstrainer Roko Agatic. Der 45-Jährige wechselt zum Nachbarn und Staffelrivalen TV Echterdingen. Zwar nicht sofort, wie von seinem künftigen Verein erhofft, sondern erst im Sommer. Aber auch so hat die Fußball-Landesliga ihren großen Paukenschlag.

 

Ja, Agatic geht. Agatic, der Mann, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren zum Gesicht des Bernhausener Höhenflugs geworden ist, hat also tatsächlich so entschieden. Über ein Echterdinger Interesse hatten wir bereits Anfang November berichtet, wenn auch dies seither keiner bestätigen wollte. Dass der Vorstoß aus den Goldäckern schlussendlich wirklich zum jetzigen Ergebnis führt – wer hätte es gedacht. Staunen ist erlaubt, kommt der Arbeitsplatztausch doch einem drohenden sportlichen Abstieg gleich. Vom potenziellen Verbandsligisten zum potenziellen Bezirksligisten. Während Agatic mit seinem Noch-Verein gerade um den nächsten Aufstieg spielt, kämpft sein Fortan-Club, gemessen an den eigenen Ansprüchen, gegen den fußballerischen GAU, ein Durchgereichtwerden eben bis auf die Bezirksebene. Nicht auszuschließen, dass beide Kontrahenten in der nächsten Saison zwei Spielklassen trennen werden.

So weit eine Einordnung auf den ersten Blick. Auf den zweiten, bei einem Schürfen unter der Oberfläche, tun sich indes durchaus Gründe auf. Tabellarische Trends sind halt das eine, längerfristige Perspektiven dann noch einmal etwas anderes. In letztgenannter Hinsicht, daraus macht Agatic keinen Hehl, hatten die Echterdinger die gewichtigeren Argumente, wobei dem Coach die Reihenfolge wichtig ist. „Schon vor dem Echterdingen-Angebot war für mich klar, dass ich nach dieser Runde in Bernhausen aufhöre“, sagt Agatic, unabhängig vom Endresultat. Zum einen, weil es aus seiner Sicht „dann in jedem Fall eine tolle Zeit gewesen ist, man am besten aber immer auf dem Höhepunkt einen Schlussstrich zieht“. Zum anderen wohl noch mehr, weil er am Fleinsbach mittlerweile nahende Grenzen der Machbarkeit erkennt.

Wäre bei den Filderstädtern auch das aktuelle Spieljahr noch zu toppen, nachdem seit Agatics Einstieg anno 2023 ein Topping dem anderen gefolgt ist? Nach Meinung des Trainers nein. „Ich glaube, dass ich Bernhausen nicht noch weiter voranbringen könnte“, konstatiert er. Um auf ein etwaiges Abenteuer Verbandsliga mitzugehen, fehlten ihm, dem getrieben Ehrgeizigen, an seiner bisherigen Wirkungsstätte die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen. Noch einmal aufsteigen, um danach mangels Mitteln gleich erster Abstiegskandidat zu sein? Nichts für Agatic.

Voraussetzungen außerhalb des Rasens, die der TV Echterdingen wiederum, allem derzeitigen Kriseln zum Trotz, umso mehr zu bieten hat. Beim aktuell Viertletzten der Staffel freut sich Agatic nach eigenem Bekunden auf „eine neue, reizvolle Herausforderung“. So sehr, dass er einen Zwei-Jahres-Vertrag ohne Hintertürchen unterschrieben hat. Einsteigen wird er auch dann, wenn tatsächlich der Schreckensfall eines Abstiegs eintreten sollte.

Wer eben diesen bei den Gelb-Schwarzen als Rückrunden-Übergangstrainer verhindern soll, bleibt einstweilen ungeklärt. Gemunkelt wird jedoch, dass die Echterdinger für die verbleibenden 14 Saisonspiele einen ihrer drei Zweite-Mannschaft-Trainer befördern wollen: Sascha Blessing. Dies würde das gleichzeitige Aus des seit Oktober fungierenden Interimscoachs Predrag Sarajlic bedeuten, unter dessen Ägide in sieben Partien immerhin drei Siege gelungen sind. Sarajlics Hoffnungen auf eine dauerhafte Chefrolle haben sich mit der Agatic-Nummer eh zerschlagen. Das Gedankenspiel, den Ex-Meistermacher Karl-Heinz Fuhrmann als Zwischenlösung aus dem Fußballruhestand zurückzuholen, war zuvor schon erledigt. Dies soll dem Vernehmen nach bereits allein am Veto des Hauptsponsors gescheitert sein.

Steigt er zum Übergangstrainer auf? Sascha Blessing, momentan einer von drei Coaches der zweiten Mannschaft. Foto: Günter Bergmann

Wie die Echterdinger den Wechselcoup bewerten? Wenngleich er sich für sie in ihrer aktuellen sportlichen Situation wie die Entdeckung eines Wasserfalls in der Wüste anfühlen muss: zurückhaltend. „Roko Agatic hat gezeigt, dass er einer ist, der eine Mannschaft voranbringen kann“, sagt der Abteilungsleiter Phillip Wunsch. Insofern „Vorfreude“ auch von seiner Seite auf die Zusammenarbeit. Zugleich verweist Wunsch aber auf die schwierige Gegenwart.

Die Bernhausener Verantwortlichen hat Agatic derweil rund um das letzte Punktspiel vor der Winterpause informiert, das Verfolgerduell-2:2 am Wochenende in Eislingen – in diesem Fall mit dem Blick in bedröppelte Gesichter. „Wir sind nicht geschockt, doch schlucken lässt es uns schon“, sagt der Spielleiter Thomas Otto. Dessen Plan war eigentlich gewesen, noch vor Weihnachten Verlängerungsgespräche anzustoßen. Diese kann er sich nun sparen. Stattdessen muss er sich seinerseits auf Trainersuche machen, wenigstens mit ausreichend Zeit. „Mit allem können wir dann halt leider nicht mithalten“, sagt Otto, der „kein böses Blut in Richtung Echterdingen vergießen will“. Einen kleinen Hieb mag er sich aber nicht verkneifen: Der Gegner, der sei da schon reichlich monetär und mit einem „aggressiven Abwerbeverhalten“ unterwegs.

Ankündigung Agatics für den Rest der Saison

Abwarten müssen die Bernhausener, ob und wie sich das Thema in der noch laufenden Runde auf die Mannschaft und deren Leistungskurve auswirken wird. Immerhin in Bezug auf Agatic ist sich Otto sicher: „Der will weiter jedes Spiel mit 100 Prozent gewinnen.“ Passend dazu Agatics eigene Ankündigung, die man bei ihm in der Tat für mehr als eine branchenübliche Floskel halten darf. Diese lautet: „Ich werde bis 30. Juni alles für den TSV Bernhausen geben.“ Tenor: weiter Vollgas für das Wunschziel Meistertitel, nun als krönendes Abschiedsgeschenk.

Die Nagelprobe folgt gleich im ersten Ligaspiel nach der Winterpause. Es ist ja schon eine Ironie des Schicksals: Am 6. März wird die Jahresauftaktbegegnung heißen – richtig, TSV Bernhausen gegen TV Echterdingen. Das ausgefallene Spiel der Fleinsbachkicker in Neuhausen ist inzwischen für den 19. März neu angesetzt.

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