Fußball-Weltmeisterschaft Russland ist für Hooligans kein gutes Pflaster

Trotz aller Befürchtungen im Vorfeld: Große Ausschreitungen mit internationalen Krawallhorden sind bei der Fußball-WM bisher ausgeblieben. Auch die deutsche Polizei hat daran ihren Anteil, indem sie Hooligans derzeit besonders streng beobachtet.

Russische Sicherheitskräfte sind während des WM-Turniers, wie hier in Moskau, omnipräsent. Foto: dpa
Russische Sicherheitskräfte sind während des WM-Turniers, wie hier in Moskau, omnipräsent. Foto: dpa

Stuttgart - Zu aufwendig? Zu viel Gegendruck der Staatsgewalt? Entgegen großen Befürchtungen im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft ist Russland bisher von Hooligan-Ausschreitungen verschont geblieben. Auch bei den beiden Spielen der Heimmannschaft bliebt es ruhig. Dies ist vor allem auf die massive Präsenz der russischen Polizei zurückzuführen – in die Sicherheit des Turniers lässt Staatschef Wladimir Putin enorm hohe Summen stecken.

Um die Gewaltbereitschaft deutscher Hooligans frühzeitig einzudämmen, haben die Polizeien der Bundesländer mögliche Krawallmacher längst im Visier. Bisher wurden bundesweit 203 Gefährderansprachen vorgenommen – ein bei Hochrisiko-Fußballspielen übliches Vorgehen, bei dem unfriedliche Fußballfans vorab schriftlich auf die Folgen möglichen Fehlverhaltens aufmerksam gemacht werden. Ihnen wird klar gemacht, dass die Polizei sie auch in Russland im Blick hat. Des weiteren gab es eine Meldeauflage und acht „pass- und personalausweisbeschränkende Maßnahmen“ – zudem wurde einem Fan die Ausreise untersagt.

Deutsche Störer sorgen sich vor russischen Schlägern

Zuständig für die bundesweite und internationale Koordination ist die bei der nordrhein-westfälischen Polizei angesiedelte Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS). Deren sechsköpfiger „WM-Kader“ unterstützt die russischen Behörden vor Ort. Ein Sprecher der Polizei Nordrhein-Westfalen erklärt das Ausbleiben großer Fanausschreitungen mit internationaler Beteiligung mit den Gegebenheiten vor Ort: „Im Vergleich zur Fußball-EM 2016 in Frankreich gestaltet sich eine mögliche Anreise nach Russland ungleich schwerer“, sagt er.

Der Aufwand und die Kosten seien höher – ferner benötige der WM-Besucher ein Visum oder eine Fan-ID, um einreisen zu können. „Zudem werden in der Störerszene auch das Verhalten russischer Sicherheitskräfte und die Gewaltbereitschaft der russischen Hooliganszene diskutiert“, so der Sprecher. „Wir gehen davon aus, dass die Anreise eines geschlossenen gewaltbereiten deutschen Mobs von mehreren hundert Personen unwahrscheinlich ist.“ Sofern Störer einzeln oder in Kleingruppen anreisen, „halten wir sie im Blick, um ein geschlossenes Auftreten in Russland zu verhindern.“ Dies habe sich auch bei der Begegnung gegen Mexiko bestätigt.

Keine Präventionsmaßnahmen in Baden-Württemberg

Dem Innenministerium in Stuttgart „liegen – insbesondere aufgrund der Distanz und den damit verbundenen hohen Kosten für eine Reise nach Russland – keine Erkenntnisse vor, dass polizeilich bekannte Problemszenen aus Baden-Württemberg nach Russland ausreisen wollen“, wie es heißt. Daher seien bisher weder Meldeauflagen noch andere präventivpolizeiliche Maßnahmen durch Polizeidienststellen im Südwesten durchgeführt worden.