Fußball – WFV-Pokal Domenic Brück : „Es ist verrückt, dass es so kommt“
Warum das Pokalspiel gegen seine „alte Liebe“ 1. Göppinger SV für Trainer Domenic Brück von Landesligist TSV Köngen kein Traumlos ist, erzählt er im Interview.
Warum das Pokalspiel gegen seine „alte Liebe“ 1. Göppinger SV für Trainer Domenic Brück von Landesligist TSV Köngen kein Traumlos ist, erzählt er im Interview.
14 Jahre hat Domenic Brück – mit einer einjährigen Unterbrechung – für den 1. Göppinger SV Fußball gespielt und sich im Sommer 2024 mit dem Aufstieg in die Regionalliga verabschiedet. Ein Jahr später feierte er bei seiner ersten (Spieler-) Trainerstation mit dem TSV Köngen gleich den Sprung in die Landesliga. In der 1. Runde des WFV-Pokals erwartet er nun am Freitag (19 Uhr) mit den Köngenern die mittlerweile wieder in der Oberliga kickenden Göppinger und selten war das Wort „ausgerechnet“ so angebracht. Zunächst war Brück nicht begeistert von dem Los. Aber wie der 35-Jährige im Interview erklärt, freut er sich mittlerweile – für die Mannschaft.
Was ist Ihnen als Erstes durch den Kopf gegangen, als sie von dem Los erfahren haben?
Ich muss Ihnen gestehen: Es sind mir keine guten Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich persönlich hätte mir jedes andere Los gewünscht, aber nicht Göppingen.
Warum?
Gegen einen Verein, bei dem man so lange war, gegen die alte Liebe zu spielen, ist schon etwas komplizierter. Ich habe da fast meine gesamte Fußballerkarriere verbracht, hatte so viele Erfolge, bin mit der Mannschaft von der Verbandsliga bis zur Regionalliga gekommen, habe dort so viele Freunde.
Beschreiben Sie bitte mal, was Ihnen dieser Verein 1. Göppinger SV bedeutet.
Es ist schwer zu beschreiben. Göppingen war ein großer Teil meines Lebens, man hat sich über mehr als ein Jahrzehnt vier, fünf Mal die Woche gesehen. Ich kenne jeden im Verein. Jedes Mal, wenn ich zuletzt in der Regionalliga zuschauen war, kam ein anderes Gefühl und ein gewisses Kribbeln hoch. Das mit Göppingen ist für mich etwas Unbeschreibliches, was kein Club in der näheren Zukunft erreichen wird.
Wie waren die Reaktionen, die Sie von dort erhalten haben?
Es ist einfach verrückt, dass es jetzt so kommt. Wenn man etwas Schicksal nennen kann, dann ist es so ein Spiel. Ich habe viele Reaktionen bekommen, als die Loskugeln fast noch warm waren.
Jetzt sind Sie seit einem Jahr beim TSV Köngen – was ist dieser Verein mittlerweile für Sie?
Köngen ist ein wunderbarer Verein. Dort besteht eine Verbindung zu den Spielern, weil ich weiß, dass ich jetzt hauptverantwortlich bin. Da entwickelt man ein entsprechendes Bewusstsein, auf und neben dem Platz für die jungen Spieler da zu sein. Es bedeutet mir sehr viel, ihnen Tipps und Tricks weiterzugeben und sie auch mental weiterzubringen. So entwickelt sich ziemlich schnell etwas.
Im Trainerdasein sind Sie jedenfalls voll angekommen, oder?
Ja. Es war ja mein größtes Ziel, das herauszufinden. Unabhängig vom Aufstieg kann ich, so glaube ich, jetzt von mir behaupten, dass das Trainerdasein mich hoffentlich noch viele Jahre begleiten wird. Es macht mir großen Spaß.
Coach und bester Spieler – das ist schon eine Verantwortung.
(Lacht). Ich bin lieber ein guter Trainer. Ich bin nie so herausgestochen, dass mich jeder für den besten Spieler gehalten hat. Meine Denkweise war schon immer, dass ein guter Spieler seine Nebenleute besser macht. Das versuche ich den Jungs mit auf den Weg zu geben. Bei unserer extrem jungen Mannschaft kann ich in meinem hohen Alter ein bisschen den Ruhepol spielen. Das tut meiner jungen und talentierten Mannschaft sicherlich gut.
Dass der Verein Potenzial hat, haben viele Beobachter gesehen. Was haben Sie beigetragen, damit in Köngen der nächste Schritt gelungen ist?
Das ist eine schwere Frage. Wir hatten ja nicht viele Wechsel vor der Saison. Köngen hat eine sehr junge und talentierte Mannschaft, deshalb bin ich auch hingewechselt. Die Jungs haben einfach noch den letzten Schliff gebraucht, vielleicht auch noch mal einen stärkeren Plan und die Überzeugung, dass es der richtige Weg ist. Das ist einer der Vorteile als Spielertrainer, wenn man es selbst auf dem Platz lebt, dass die Spieler sehen und merken, dass es kein Unsinn ist, was der Mann da vorne schwätzt.
Aber um in der Liga zu bleiben, muss jetzt der nächste Schritt folgen, oder?
Definitiv. In der Bezirksliga waren wir eine sehr, sehr fitte Mannschaft. Das wird jetzt in der Landesliga mit Sicherheit ausgeglichen sein. Wir müssen weiter an unserer Effizienz arbeiten und noch mehr Konstanz zeigen. Es werden nicht so viele Spiele in der Halbzeit schon entschieden sein. Wir brauchen einen langen Atem und müssen uns gerade in der Crunchtime ab der 70. Minute noch deutlich verbessern. Wir haben in den Testspielen schon gemerkt, dass das höhere Niveau – und auch mit drei Schiedsrichtern zu spielen – den Jungs richtig Spaß macht.
Ein hohes Niveau kommt auf die Mannschaft auch gegen Göppingen zu. Wie gehen Sie sportlich an die Pokal-Aufgabe heran?
Wie ich eingangs gesagt habe, war mein persönliches Empfinden: Oh nein, nicht Göppingen. Aber ich habe sehr schnell gesagt: Hier geht es nicht um mich, meine Mannschaft hat so ein Spiel wie gegen Göppingen verdient. Deshalb habe ich mich – als Trainer, nicht als Privatperson – dann auch wieder gefreut. Denn gegen einen Oberligisten und Regionalligaabsteiger hat wahrscheinlich noch keiner meiner Spieler gespielt und sie haben es sich durch eine starke Saison einfach verdient, so ein starkes Los zu bekommen. Sportlich spricht gegen eine Mannschaft, die in Richtung Profitum geht und ganz andere finanzielle Möglichkeiten als Köngen hat, alles gegen uns. Wir haben keine Chance, aber irgendwie wollen wir die nutzen.
Haben Sie eigentlich die Stuttgarter Kickers im Kopf, auf die der Sieger dieser Begegnung in der 2. Runde trifft?
Nein, das Spiel gegen Göppingen ist schon so groß für uns, da müssen wir nicht schon an das Kickers-Spiel denken.
Als Sie Göppingen verlassen haben, haben das damals nicht alle verstanden. Hat sich das mittlerweile geändert?
Es ist eine meiner Eigenschaften: Wenn ich zufrieden und glücklich mit einer Entscheidung bin, dann stören mich äußere Einflüsse nicht. Auf dem Höhepunkt, mit einem kleinen Verein wie Göppingen mit dem Aufstieg in die Regionalliga mit 35 Jahren aufzuhören, war eine sehr schwere Entscheidung. Aber ich wollte nicht, dass ich irgendwann mitgeschleppt werde und die Leute mich schlecht in Erinnerung haben. Ich wollte, dass sie sagen, wenn ich nach Göppingen komme: Der Brück hat mir immer gefallen. Ich glaube, das ist mir gelungen. Ein zweiter Punkt war, dass ich unbedingt in dieses Trainergeschäft einsteigen wollte und sehen, ob das was für mich ist. Deshalb habe ich auch früh meinen Schein gemacht. Zum Glück habe ich es gemacht, denn im Moment gehe ich sehr auf in der Rolle.