Dem Derby-Feuer im Filderduell zwischen dem TV Echterdingen und dem TSV Bernhausen konnte auch ein Wolkenbruch nach rund 20 Minuten nichts anhaben. Vor rund 300 Zuschauern gingen die beiden Teams, die sich auch in der kommenden Landesliga-Saison gegenüberstehen werden, hoch motiviert zu Werke. Vom Testspiel-Charakter, den diese erste Runde des WFV-Pokals mitunter birgt, war nichts zu spüren. Stattdessen lieferten sich die Mannschaften einen heißen Fight um den ersten Pflichtspielsieg der Saison, den am Ende die Gäste aus Bernhausen mit einem 4:2 eintüteten.
Geradezu sinnbildlich die Szene in der 74. Minute: Marc Mägerle, Abwehrchef der Gastgeber, behinderte seinen Kontrahenten Ivan Matanovic beim Einwurf, der wiederum im Eifer des Gefechts gegen Mägerle nachtrat. Die Folge: glatt Rot für den Kapitän der Veilchen sowie die Ampelkarte für Mägerle, der bereits gelb-verwarnt war. „Das war keine böswillige Absicht von Matanovic, aber die Situation habe ich genauso gesehen wie der Schiedsrichter“, sagt Echterdingens Trainer Valentin Haug nach dem Spiel. Auch sein Gegenüber an der Seitenlinie, Roko Agatic, wollte kein Fass aufmachen: „Es war ein bisschen Gerangel, da passiert so etwas schon mal.“
Es war eine Partie, die vom Anpfiff weg tolle Unterhaltung versprach. Bereits nach drei Minuten traf Echterdingens Neuzugang gegen den Ex-Verein: Flon Ajvazi, der im Sommer von Bernhausen an die Goldäcker gewechselt war, vollendete einen Steckpass des stark aufspielenden Giuseppe Pirracchio durch die Hosenträger des gegnerischen Schlussmanns zum 1:0. Gegen den TSV Bernhausen ersetzte der 19-Jährige den urlaubenden Stammstürmer und Kapitän Caglar Celiktas.
Quasi im Gegenzug konnte Echterdingen das rasante Flügelspiel der Gäste nicht unterbinden: Bogdan Rangelov hatte nach einer Matanovic-Hereingabe leichtes Spiel und stellte wieder die Ausgangslage her (5.). In der Folge flaute das Spielgeschehen etwas ab. „In der ersten Halbzeit waren wir noch nicht wir selbst“, erklärt Agatic. „Die Abstimmung hat noch nicht ganz gestimmt und wir haben viele einfache Fehler gemacht.“ Entsprechend lautstark kommunizierte der Coach an der Seitenlinie, während Haug weniger Anlass zum Eingreifen hatte. „In Anbetracht der Voraussetzungen haben wir es in der ersten Hälfte gut gemacht“, befand er. Vorab hatte der 38-Jährige bereits von Fitnessdefiziten seiner Elf gesprochen. Die größte Chance zur Führung lies Anes Handanagic liegen, der es nach starker Ballbehauptung im Strafraum schaffte, die Kugel am Tor vorbei zu prügeln. Das letzte Wörtchen in Hälfte Eins gehörte indes den Bernhausenern, für die Bogdan Rangelov einen Freistoßball zum 2:1 versenkte. In der zweiten Hälfte schwanden die Kräfte der Echterdinger merklich, während sich die Gäste topfit präsentierte und in Person von Doppelpacker Oli Lujic das 4:1 besorgte.
Ein echtes Kabinettstück hatte kurz vor Schlusspfiff noch Laurenziu Biemel im Repertoire. Statt zu flanken, legte der Echterdinger Neuzugang einen Freistoß aus rund 25 Metern Entfernung kurios ins kurze Eck.„Das war pure Absicht, er ist ein cleverer Junge“, versichert Haug. Nach dem Ausscheiden aus dem Pokal hat sich bei den Seinen mit Blick auf die Saison nichts geändert. „Wir wollen uns erstmal stabilisieren. Die Saison wird stückweit ein Übergangsjahr“, sagt er, fügt aber an: „Ein Mittelfeldplatz ist nicht unser Anspruch.“ Eine klare Kampfansage in Richtung Titel vermeidet auch Agatic, der aber unterstreicht: „Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir noch reifer.“
In der Liga werden sich die beiden Mannschaften bereits am zweiten Spieltag wieder gegenüberstehen. Im Pokal tritt Bernhausen in der nächsten Runde gegen den GSV Maichingen an.
TV Echterdingen: Gaspar – Heinrich (85. Babatas), Mägerle, Lucov, Nita – Oguz (65. Biemel), Milutinovic, Schmidt, Pirracchio – Ajvazi (65. Herderich), Handanagic (58. Karakus).
TSV Bernhausen: Livancic – Vidic (65. Henneh), Ege, Meinlschmidt, Vlasic, – Lujic, Jordacevic (85. Markic), Tomic (70. Demir) – Alber (65. Kranz), Matanovic, Rangelov (65. Walz).