Fußball: WFV-Pokal Vom Angstgegner bis zum Saison-Highlight
Die erste Runde des WFV-Pokals bedeutet auch für die Teams aus Stuttgart und von den Fildern den Pflichtspiel-Auftakt. Die Erwartungen könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die erste Runde des WFV-Pokals bedeutet auch für die Teams aus Stuttgart und von den Fildern den Pflichtspiel-Auftakt. Die Erwartungen könnten unterschiedlicher nicht sein.
Die Fußball-Vereine befinden sich bereits wieder in der Vorbereitung auf die Spielzeit 2025/26, haben auch schon Testspiele absolviert. An diesem Wochenende wird es für einige aber wieder erstmals ernst, geht es im ersten Pflichtspiel der Runde – im WFV-Pokal – ums Weiterkommen. Oder in einem Fall einfach darum, Spaß zu haben.
Die Ausgangslage für den Neu-Verbandsligisten aus dem Stuttgarter Norden ist klar. Gegen den Kreisliga-A-Vertreter und Bezirkspokalsieger aus dem Bereich Ostwürttemberg ist ein Sieg Pflicht. Alles andere als ein Weiterkommen käme einer Blamage gleich. Das weiß auch der TSV-Coach Manuel Fischer: „Ganz klar, das Ziel ist die zweite Runde und auf dem Platz darf kein Zweifel aufkommen, wer Kreisligist und wer Verbandsligist ist. Zumal es das erste Pflichtspiel der Runde ist.“ Das Resultat ist also wichtig, anders als zuletzt noch bei den Vorbereitungsspielen. Denn außer gegen den Kreisliga-A-Vertreter TSV Harthausen (4:2) setzte es für die Nord-Stuttgarter nur Niederlagen – gegen die beiden Landesligisten MTV Stuttgart (1:3) und FV Neuhausen (1:4) sowie gegen den Oberligisten Normannia Gmünd (1:4) und den Regionalligisten SGV Freiberg (2:4).
„Wichtig waren die Inhalte und da haben wir teilweise ähnliche Fehler wie in der vergangenen Runde fabriziert“, sagt Fischer und fügt an: „Wir haben ja noch Zeit, um diese Fehler abzustellen.“ Vorerst zur Fehlerbeseitigung kann Neuzugang Tarik Bouich (A-Junioren SGV Freiberg) nicht beitragen. Er hat sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Gleiches gilt für die bisherigen Abwehrfachkräfte Anthony Raheem und Josip Biljeskovic. Ersterer kämpft noch mit den Folgen seinen Kahnbeinbruchs aus der letzten Partie der Vorsaison, Letzterer laboriert ebenfalls noch an Knieproblemen aus der Vergangenheit. Fischer: „Es droht eine OP.“
Die Partie gegen den Landesligisten aus Sindelfingen sieht Calcio-Coach Francesco Di Frisco als Testspiel an, der Ausgang ist zweitrangig. Aufgrund vieler neuer und auch junger Spieler befinde sich sein Team noch in der Findungsphase, sagt er. Seine Aussage unterstreichen die vergangenen beiden Partien. Vom Landesligisten TSV Bernhausen trennten sich die Italo-Schwaben mit 2:2, zuletzt gegen den Kreisliga-B-Vertreter SKG Botnang schrammten der Filderclub knapp an einer Blamage vorbei, siegte man gerade noch mit 3:2. Läuten deshalb jetzt schon die Alarmglocken? „Keineswegs“, sieht es Di Frisco gelassen, die Ergebnisse seien erklärbar. In den vergangenen zwei Wochen hätten die Seinen gerade mal zwei Tage frei gehabt.
„Dementsprechend stecken sie aktuell körperlich als auch mental in einem Loch.“ Apropos Loch. Das ist in der Calcio-Abwehr entstanden. „Die geplanten Stabilisatoren“, so der Coach, Lukas Zweigle und Julian Unger, haben sich schwer verletzt und fallen viele Wochen aus. Unger hat eine Einblutung im Knochen und beim Ex-Kapitän Zweigle besteht der Verdacht auf einen Mittelfußbruch. Ein MRT steht noch aus. Dementsprechend muss Di Frisco – auch gegen Sindelfingen – die Abwehr neu organisieren. Wie, das weiß er aktuell noch nicht. „Es kommen mehrere Kandidaten in Frage, ich bin noch am tüfteln.“ Eines sei aber jetzt schon klar: Die Auserwählten würden junge Spieler sein.
Derweil soll der Kader aber noch etwas an Routine zulegen, weshalb der Verein am Mittelfeldspieler Quirin Zekaj vom Verbandsligisten Young Boys Reutlingen interessiert ist. Dieser brachte es in der vergangenen Spielzeit auf 13 Einsätze, laborierte dann an einer Verletzung. „Er würde uns gut tun und für Stabilität sorgen“, ist sich Di Frisco sicher.
Für den Verbandsliga-Absteiger aus Echterdingen steht zum Auftakt der Pflichtspielrunde ein idealer Gradmesser an. In der kommenden Saison werden sich die beiden Mannschaften in der zweiten Landesliga-Staffel gegenüberstehen und ihrem Anspruch nach jeweils um die Tabellenspitze spielen. Besonders die überragende Rückrunde der Veilchen ist dem Lokalrivalen aus Echterdingen nicht verborgen geblieben. „Bernhausen ist ein Mitfavorit auf den Aufstieg, das Team ist eingespielt und macht einen fitten Eindruck“, konstatiert TVE-Trainer Valentin Haug. „Wir freuen uns auf das Derby.“
Getrübt wird die Stimmung von der nicht enden wollenden Verletzungssaga beim Filderclub. Phil Schmidt zog sich jüngst einen Muskelfaserriss zu, Laurenziu Biemel fällt krank aus. Für Marvin Kuhn kommt die Partie gegen Bernhausen nach seiner Verletzungspause (Kreuzbandriss) noch zu früh. Fehlen wird außerdem Kapitän und Torjäger Caglar Celiktas, der im Urlaub weilt. „Ich wünschte, die Mannschaft wäre schon einen Ticken weiter“, sagt Haug über die Vorbereitung, „deswegen glaube ich, dass Bernhausen einen kleinen Vorteil hat. Aber: Wir werden eine gute Truppe auf den Platz bringen und wollen das Spiel gewinnen.“
Der Gegner macht indes da weiter, wo er in der zurückliegenden Saison aufgehört hat. Ungeschlagen marschierte Bernhausen durch die Vorbereitung, gewann zwei Turniere und rang unter anderem dem Oberliga-Absteiger Calcio ein 2:2 ab. „Ich kann mich nicht beschweren, die Jungs ziehen voll durch“, sagt Trainer Roko Agatic. In den vergangenen Wochen setzte der Verein seine Shopping-Tour fort, tütete mit Michael Henneh (von NK Croatia Bietigheim) und Clemens Seddon (VfB Neckarrems) zwei Abwehrspieler mit Perspektive ein. Indes haben die bereits im Juni verpflichteten Mandip Singh und Tim Stelzl schon wieder den Abflug gemacht. „Sie waren etwa eine Woche da und haben dann wahrscheinlich gemerkt, dass man bei uns mehr macht als bei anderen“, sagt Agatic. „So etwas ärgert mich, sie hätten wenigstens mit mir reden können.“ Gegen Echterdingen muss er auf Mikail Gümüssu verzichten, der gegen Calcio wegen Foulspiels die Rote Karte kassierte. Abgesehen davon kann er aber aus dem Vollen schöpfen. „Es ist ein Pflichtspiel und das wollen wir gewinnen“, kündigt Agatic an.
Pünktlich zum Pflichtspielauftakt präsentiert sich der MTV Stuttgart in überzeugender Frühform. Beim 3:1 im Testspiel gegen den Verbandsliga-Neuling und bisherigen Ligakonkurrenten TSV Weilimdorf stimmte es vor allem in puncto Kaltschnäuzigkeit: „Wir haben mit den ersten vier Torschüssen drei Tore gemacht. Wir haben in der Vorbereitung zu unserer alten Effektivität zurückgefunden“, zeigt sich Trainer Björn Lorer zufrieden. In der zurückliegenden Saison mangelte es zeitweilen genau daran, ehe schon gegen Ende der „Knoten platzte“. „Wenn wir ohne Druck befreit aufspielen können, wissen wir, wo das Tor steht.“ Bekommt das auch der TSGV Waldstetten zu spüren? Die Kräherwald-Kicker dürften jedenfalls noch eine Rechnung offen haben: Waldstetten ist der einzige Verein, gegen der MTV in der vergangenen Punkterunde zweimal das Nachsehen hatte, es setzte jeweils ein 1:2.
„Es ist quasi unser Angstgegner“, sagt Lorer lachend, „ein Sieg wäre für die Moral natürlich toll, aber der Pokal steht bei uns nicht an allerhöchster Stelle.“ Aktuell liegt der Fokus viel mehr auf dem Fitnesslevel, zudem gilt es, die Neuzugänge zu integrieren. Unter anderem verpflichtete der Verein mit Khalil Lalo einen weiteren Torwart, der 25-Jährige kommt von NK Croatia Bietigheim. Zudem wurden Junis Al-Tayeh (vom FSV Bietigheim-Bissingen) und Moritz Walz (SC Tuttlingen) für die Außenbahn geholt. Mit Abdallah Trabelsi kommt ein weiterer Neuzugang aus der Jugend des SV Fellbach und soll das offensive Mittelfeld verstärken. „Damit sind unsere Kaderplanungen im Großen und Ganzen abgeschlossen“, sagt Lorer.
TSV Bad Boll – TSV Plattenhardt (Samstag, 17.30 Uhr)
Der Aufsteiger von den Fildern kann sich gegen den künftigen Staffelgegner auf die Landesliga einstellen. „Es ist ein super Spiel, um zu sehen, wo wir stehen“, konstatiert Slobodan Markovic, Trainer der Plattenhardter. Mit der Vorbereitung ist der Coach jedenfalls zufrieden, trotz Pleiten gegen den TV Echterdingen II und den FV Löchgau (jeweils 1:2). „Die Ergebnisse sind nicht so wichtig, es geht vielmehr um das Spielerische und die Fitness.“ Um besonders die Ausdauer zu erhöhen, spielte das Team insgesamt vier Spiele an den vergangenen beiden Wochenende, jeweils samstags und sonntags. „Wir sind auf einem guten Weg und auch der Kader passt soweit. Wir werden jetzt mal die Hinrunde spielen und je nach dem im Winter noch mal nachlegen.“
Am Samstag dürften die Augen besonders auf den Sturm gerichtet sein. Mit Aristidis Perhanidis und Neuzugang Fabijan Krpan (vom SV Vaihingen) hat Plattenhardt die beiden Duellanten um die Torjägerkanone der zurückliegenden Bezirksliga-Saison in den eigenen Reihen. Den Titel sicherte sich am Ende Perhanidis mit 40 Treffern vorm 38-fachen Krpan. Während so mancher Fan bereits von einer hochkarätigen Doppelspitze träumen dürfte, erteilt Markovic vorerst eine Absage. Gegen Bad Boll wird Perhanidis, der erst aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, zunächst auf der Bank sitzen und sein 22-jähriger Sturmpartner auf Torejagd gehen. Auch in der kommenden Saison steht Markovic vor der Qual der Wahl: „Wenn wir mit Doppelspitze spielen wollen, müssten wir unser System umstellen. Vorerst wird wahrscheinlich nur einer von beiden spielen“, sagt Markovic, der sich aber die Option offenhält.
Als einer der größten Außenseiter startet der TSV Jahn Büsnau in den Pokal. Qualifiziert haben sich die Büsnauer durch den Sieg im Bezirkspokal über den TSV Kuppingen im Mai, damals noch als Kreisliga-A-Mannschaft. Wenige Tage später machte das Team das Double fix und stieg in die Bezirksliga auf. Mit dem Heimspiel gegen den GSV Maichingen steht direkt eines der größten Highlights der kommenden Saison an. „Es herrscht absolute Vorfreude bei uns im Team“, erzählt Dominik Lenhardt, Spielertrainer der Büsnauer. „Wir haben so viele Jungs, die noch nie gegen einen Landesligisten gespielt haben, das wird etwas ganz Besonderes.“
Bei den höherklassig Erfahrenen werden hingegen mehrere Schlüsselspieler fehlen. Marc Hetzel, den Lenhardt als den „Unterschiedsspieler schlechthin“ bezeichnet, fährt aktuell mit dem Rennrad durch Skandinavien, „Starverteidiger“ Markus Bauer (spielte mit dem SV Zimmern und dem SV Germania bereits in der Landesliga) weilt bei einer Hochzeit. „Wir sind sowieso der absolute Underdog, aber das macht es noch mal schwerer“, konstatiert Lenhardt, der den Fokus aber auf die Chance zum Erfahrungsammeln legt: „Es ist eine ungewohnte Rolle, bisher waren wir immer der Favorit. Aber die ungewohnte Rolle wird sich in der kommenden Saison wiederholen.“ Immerhin wird ein Neuzugang vom TV Oeffingen gegen Maichingen direkt zum Zug kommen: Noah Lindhorst ist Stürmer und kennt sich in der Landesliga bestens aus. Ohnehin viel wichtiger: „Niemand hätte gedacht, dass es einmal ein WFV-Pokalspiel bei uns in Büsnau geben würde“, schwärmt Lenhardt.
TSV Köngen – 1. Göppinger SV (Fr., 19 Uhr), Spf. Dorfmerkingen – 1. FC Normannia Gmünd, SGM Lautern-Essingen – TSV W eilimdorf, VfL Kirchheim – FV Neuhausen, FC Esslingen – VfR Aalen 1. FC Eislingen – Hofherrnweiler/Unterrombach (alle Sa., 15.30 Uhr), MTV Stuttgart – TSGV Waldstetten (Sa., 16 Uhr), TSV Jahn Büsnau – GSV Maichingen TSV Bad Boll – TSV Plattenhardt (beide Sa., 17.30 Uhr), TV Echterdingen - TSV Bernhausen (Sa., 18 Uhr), SV Böblingen – SV Geislingen (So., 13 Uhr), VfL Sindelfingen – Calcio Leinfelden-Echterdingen (So., 16.30 Uhr).