Fußball-WM 2018 Aus und vorbei: Bittere Stunde für die DFB-Elf in Kasan

Von Marco Seliger 

Der Weltmeister ist raus. Nach einem total enttäuschenden 0:2 im letzten Vorrundenspiel gegen Südkorea muss die deutsche Elf nach Hause reisen. Unser Reporter vor Ort schildert die ersten Eindrücke nach dem bitteren Aus.

Tief enttäuscht: Thomas Müller (re.) kann seine Tränen nicht zurückhalten. Foto: AP
Tief enttäuscht: Thomas Müller (re.) kann seine Tränen nicht zurückhalten. Foto: AP

Kasan - Thomas Müller, der Gaudibursche, weinte hemmungslos. Manuel Neuer wurde von seinem Torwarttrainer Andreas Köpke gedrückt, sekundenlang. Ansonsten wäre der Keeper wohl einfach in sich zusammengesackt. Weiter draußen stand Joachim Löw und wusste nicht, wohin. Mit seinen Gedanken, aber auch des Weges.

Die Momente kurz nach diesem historischen deutschen WM-Aus am Mittwochabend in Kasan, auch sie waren irgendwie geschichtsträchtig. Deutschland ist in der Vorrunde ausgeschieden bei einer Fußball-WM. Nochmal, weil das alles irgendwie noch gar nicht zu greifen ist: Deutschland ist in der Vorrunde ausgeschieden bei einer Fußball-WM.

0:2-Niederlage gegen Südkorea – Wahnsinn!

Kurz nach dem Schlusspfiff nach dem 0:2 gegen Südkorea, der zweiten Niederlage im Turnier, wehten ein noch ein paar einzelne schwarz-rot-goldene Fahnen im Rund der Arena in Kasan. Wahrscheinlich, weil die Menschen, die sie hielten, in eine akute Schockstarre verfallen waren.

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Sami Khedira, einer der Weltmeister von 2014, die jetzt bei der Mission Titelverteidigung so grandios gescheitert sind, ging nach dem Schlusspfiff als einer der Ersten auf den Platz. Khedira war ausgewechselt worden nach einer knappen Stunde. Jetzt wechselte er sich selbst wieder ein. Nach dem Abpfiff. Als Seelentröster für die Kollegen. Khedira selbst war traurig genug, aber auch hier stellte er sich in den Dienst der Mannschaft. Er drückte Mesut Özil fest an sich, er drückte Joshua Kimmich noch fester. Jeden Kollegen umarmte Khedira, ehe fast alle zusammen vom Platz schlichen. Danach stellte er sich den Reportern: „Das ist jetzt einer der schwersten Momente für die Mannschaft und auch für mich persönlich. Wir haben gesagt, dass gerade die Weltmeister das Team tragen müssen, das ist nicht einfach, aber wir wollten das so. Aber wenn man so bitter ausscheidet, muss man die Verantwortung auf sich nehmen. Das tun wir zu 100 Prozent. Ich bin der erste, der das tut. Dementsprechend müssen wir mit den Konsequenzen leben. Der Anspruch der Mannschaft war sicher nicht, 2:1 gegen Saudi-Arabien zu gewinnen oder gegen Österreich zu verlieren. Wir haben die Kurve nicht bekommen. Das komplette Team muss die Verantwortung übernehmen, die Führungsspieler als erste. Wir müssen jetzt die Schlüsse ziehen, aber definitiv nicht heute.“

Südkorea feiert wie ein Weltmeister

Thomas Müller war schon früher auf der Bank angekommen. Und wenn es den Rückflug am Abend nach dem Spiel nicht gegeben hätte, er würde wahrscheinlich noch immer dort sitzen. Regungslos. Fassungslos. Immer noch mit Tränen in den Augen. Und ohne Worte.

Die siegreichen Südkoreaner bildeten derweil im Mittelkreis selbst einen Kreis und hüpften und sprangen. Schon kurz vorher, nach dem 2:0 kurz vor Schluss, feierten sie so, als seien sie Weltmeister. Oder zumindest ins Achtelfinale eingezogen. Allein: Südkorea war wie Deutschland ausgeschieden. Aber sie jubelten. Sie hatten den Weltmeister sensationell besiegt. Und sie hatten ihn rausgeworfen aus dem Turnier. Auch der Jubel der Männer in Rot war ein Beleg des historischen Ausmaßes dieses Abends von Kasan.

Dort also, wo nicht nur die Sonne unterging kurz nach dem Schlusspfiff. Sondern irgendwie auch die deutsche Elf. Es wurde schattig in der Arena – vor allem für das deutsche Team, das so grandios versagte hat bei diesem Turnier. Drei Punkte aus drei Spielen in einer Gruppe mit Mexiko, Schweden und Südkorea, das ist nicht mehr als ein Armutszeugnis.

Alle Beteiligten wussten das. Und so verließen sie die Arena von Kasan als das, was sie waren: als geschlagene Verlierer.




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